Veggienale: So verschwenden wir weniger Lebensmittel

Johannes Handl
Johannes Handl

Lokalredaktion

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14.4.2019, 17:49 Uhr
Tiere zu essen, ist nicht sehr nett. Diesen Slogan, mit dem eine junge Frau für die Kamera posiert, dürften die meisten Besucher der Messe „Veggienale & FairGoods“ unterschreiben, die am Wochenende im Ofenwerk stattgefunden hat.

Tiere zu essen, ist nicht sehr nett. Diesen Slogan, mit dem eine junge Frau für die Kamera posiert, dürften die meisten Besucher der Messe „Veggienale & FairGoods“ unterschreiben, die am Wochenende im Ofenwerk stattgefunden hat.

Das Ofenwerk ist am Samstagmittag gut gefüllt. Viele Besucher schlendern auf der "Veggienale&FairGoods" von Stand zu Stand, um sich über Trends, vegane Schokoladensorten und fair gehandelt Produkte aus dem Regenwald zu informieren. Nachhaltigkeits-Experte Daniel Anthes beklagt derweil auf der Bühne, wie riesengroß das Problem der Lebensmittelverschwendung noch immer sei, auch wenn es in der Politik und den Medien kaum eine Rolle spiele.

Im Schnitt, rechnet Anthes vor, wirft jeder Deutsche pro Jahr Lebensmittel im Wert von rund 235 Euro in die Mülltonne. Er sieht deshalb nicht nur ethische, sondern auch ökonomische Gründe dafür, unser verschwenderisches Verhalten zu überdenken. Wer weniger wegschmeißt, spart bares Geld.

Während die Deutschen vor 30 Jahren im Schnitt noch etwa 40 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgegeben haben, sind es heute gerade noch 10,3 Prozent. Klar, dass damit auch die Wertschätzung der Esswaren sinkt. Immerhin ist bei einigen Discountern inzwischen ein Umdenken beim Verkauf von Obst und Gemüse festzustellen, wenn es nicht den Idealvorstellungen entspricht. Wäre es früher sofort aussortiert und vernichtet worden, werden Gurken und Karotten inzwischen als "Biohelden" oder "krumme Dinger" angepriesen – mit Erfolg, wie die Verkaufszahlen belegen.

Um selbst etwas gegen die enormen Ausmaße der Lebensmittelverschwendung zu tun, engagiert sich Anthes unter anderem für "ShoutOutLoud". Die Initiative veranstaltet an öffentlichen Plätzen in Frankfurt Kochpartys, bei denen genießbare Lebensmittel zubereitet werden, die sonst im Müll gelandet wären. Kurioser als die Idee, Nachbarn zu Reste-Partys einzuladen, mutet das Vorhaben des 32-Jährigen an, Deutschland zum Land der Brotbier-Trinker zu entwickeln. "Knärzje" – ein hessischer Ausdruck für das Brotendstück – nennt sich das Bier, bei dem aussortiertes Brot bis zu einem Drittel des gewöhnlich für den Brauprozess nötigen Malzes ersetzt.

Bewusster einkaufen

Es müssen aber nicht nur kreative Ansätze her. Vieles, was Anthes seinen Zuhörern rät, ist ihnen längst bekannt: nicht hungrig einkaufen gehen, saisonal und regional einkaufen, Lebensmittel richtig lagern und das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überbewerten.

Ein paar neue Wege darf aber jeder gehen: Wer in seinem Gefrierfach Ufos – also "unidentified frozen objects" – sichtet, muss sie nicht wegschmeißen, sondern kann sich die noch junge Wissenschaft "Food Pairing" zunutze machen. Sie untersucht, welche Aromastoffe miteinander harmonieren. Dadurch ergeben sich auf den ersten Blick ungewöhnliche Geschmackskreationen. Warum also nicht Muffins mit Blauschimmelkäse, Garnelen mit Zimt und Vanille oder Blumenkohl mit Kakao kombinieren?

 

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