Viel Kritik

Weiter Aufregung um mögliche Pavian-Tötung im Nürnberger Tiergarten: Gibt es doch Happy End?

dpa

Stefan Zeitler

Online-Redaktion

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12.2.2024, 17:37 Uhr

Am Ende entscheide aber das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP), ob die Angebote eine Option seien oder nicht, hieß es am Montag vom Tiergarten. Die 45-köpfige Pavian-Gruppe sei Teil des EEP, das normalerweise einen Transfer empfehle.

Der Tiergarten hatte vergangenen Woche angekündigt, einzelne Tiere aus der Gruppe der Guinea-Paviane töten zu wollen. Diese sei zu groß für das Gehege geworden und die soziale Struktur ungünstig. Die Abgabe an andere Halter war nach Angaben des Tiergartens nicht möglich. Auch eine Auswilderung komme nicht infrage, weil es keine geeigneten Gebiete in den Herkunftsregionen gebe.

Seither sind laut dem Tiergarten drei Anfragen von Einrichtungen eingegangen, die die Paviane beherbergen könnten. Darunter ist auch die Tierschutzorganisation Great Ape Project, die eigenen Angaben nach die Paviane in eine staatlich anerkannte Primatenschutzeinrichtung in Großbritannien holen könnte. Sie könnten innerhalb kürzester Zeit in einem europaweit zugelassenen Quarantäne-Transport abgeholt werden - notfalls sogar kostenlos, teilte die Organisation mit.

Die Tierschutzorganisation Peta hat dem Tiergarten Nürnberg bereits mit einer Strafanzeige gedroht, sollten die Verantwortlichen tatsächlich gesunde Pavian-Affen töten. Auch die Organisation Great Ape Project kündigte an, in dem Fall eine Strafanzeige stellen zu wollen.

Zuvor erklärte bereits James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund in einer Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt, dass die Entscheidung „eine Bankrotterklärung“ sei. Das Problem hätte sich der Tiergarten quasi über Jahre herangezüchtet. Man hätte die Überpopulation viel früher regeln können, so Brückner.

Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass die Tötung von Tieren nur aus einem "vernünftigen Grund" erfolgen darf. Schon das könne aus Tierschutzsicht kritisch betrachtet werden, so Brückner. "Zoos haben jedem einzelnen Individuum in ihrer Obhut gegenüber eine Verantwortung, der sie gerecht werden müssen. Wenn das nicht möglich ist, muss auf die Haltung der Tierart künftig verzichtet werden", sagt er.

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