Wie ein Modetrend entsteht

Timo Schickler

Lokalredaktion Nürnberg

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14.1.2019, 08:00 Uhr
Wie ein Modetrend entsteht

© Timo Schickler

"Next Look" steht in großen Lettern auf der Titelseite des Ringbuchs. Die Ausgabe, die die Lehrerin gerade vor sich liegen hat, ist älter, "AW 18/19" ist dort zu lesen, das Kürzel für die Herbst- und Wintertrends - konzipiert vor zwei Jahren.

Wenn Denker und ihre Mode-Schülerinnen wissen wollen, was im Sommer 2020 angesagt ist, können sie das im neuesten Katalog nachschlagen. 250 Euro kostet das dicke Werk für Trends, in dem man Farben, Farbkombinationen, Materialtendenzen, Styling, Accessoires, Designs findet. Für Modemacher ist eine solche Trendanalyse unbezahlbar. Denn sie sind die Basis für das, was in Modegeschäften zu sehen ist. Auch wenn das mancher Schülerin ein bisschen die romantische Vorstellung von ohne jegliche Vorgabe entworfenen Kollektionen rauben mag, sagt Barbara Denker.

Aber solche Trendanalysen, die im Fall des Herausgebers von "Next Look" auf einer "tiefgehenden Analyse der wichtigsten Schauen weltweit mit Detailansichten der Highlights" beruhen, wie es auf der Seite des Anbieters heißt, sind wichtig.

Institut in Köln

Wie ein Modetrend entsteht

© Foto: Miguel Medina/AFP

Modeschöpfer und Experten auf der ganzen Welt sind an solchen Trendanalysen beteiligt, erklärt Denker. Die seien auch deshalb wichtig, um beispielsweise ausreichend Stoffe zu produzieren — in den passenden Farben. 2019 ist in der Herrenmode beispielsweise "Orange" angesagt. Dafür muss dann genügend Material da sein. In Deutschland untersucht auch das Deutsche Mode-Institut in Köln die aktuellen Trends. Das Unternehmen bringt ein eigenes "DMI Trendbook" heraus, das die 400 Firmen, die beim Institut Mitglied sind, dann erhalten. Und dann wiederum Farben, Formen und Stoffe als Basis für ihre eigenen Entwürfe nutzen.

So wie Nadja Girse, Saskia König, Christina Platzer und die fünf anderen Schülerinnen in Barbara Denkers Klasse, die gerade eine kleine Kollektion für das Frühjahr entwerfen. Auch dafür haben sie die Trendanalyse für 2019 gewälzt. Sie wissen, was Frauen in diesem Jahr tragen.

Leder beispielsweise. Das ist in diesem Jahr angesagt, "egal ob als ganzes Hemd, als Rock - oder nur als Lederdetail an einer Tasche", sagt Nadja Girse. Auch Belege auf der Jacke und Blenden, der Saumrand, dürfen aus Leder sein. Oder eine Hose wie sie Christina Platzer trägt - mit Biesen. Die schmalen abgesteppten Falten "sind total im Kommen", sagt sie.

Wie ein Modetrend entsteht

© Foto: Frazer Harrison/AFP

Das gilt genauso für Schnürungen, durch die Haut gezeigt werden soll, zum Beispiel bei einem Kleid. Und Fell liegt im Trend, "mehr noch als in den vergangenen Jahren", erklärt Saskia König. Großflächiger darf es heuer genutzt werden.

Barbara Denker sieht in vielem eine Rückkehr der 80er und 90er Jahre. Für die Mode-Expertin nichts Neues, "es war ja alles schon mal da". Wie das Karomuster, das Nadja Girse an Frauen im Katalog zeigt, das genauso "in" ist wie zu große Größen ("oversized") und männliche Schnitte.

80er und futuristisch

Für ihre eigene Kollektion haben sich die acht Schülerinnen für die Richtung "Stardust – Vamp" entschieden, eine Mischung aus dem Flair der 80er kombiniert mit futuristischen und sehr auffälligen Details.

Für das Hemd, die Hose, den Rock und das Kleid, die sie entworfen haben, haben sie vor allem gedeckte Farben verwendet, Veilchenviolett beispielsweise, Smaragdgrün, Stahlblau, tiefes Schwarz. Die Kreationen aus Samt, Lack, Leder oder Pelz haben als "Eyecatcher" unter anderem transparente Einsätze und Schulterpolster - außerdem metallische Accessoires wie Nieten und Pailletten.

Auch eine Zielgruppe haben die Schülerinnen für ihre Kollektion, für die sie später benotet werden, ausgemacht: gewagte junge Frauen zwischen 16 und 35 Jahren. Nur werden die nie in den Genuss der Mode kommen, denn produziert wird die Schularbeit nicht. Obwohl die Gruppe nach Material- und Modellanalyse, bei der zum Beispiel einzelne Schnittteile aufgelistet werden, noch einen Produktionsplan entwerfen muss.

Aber vielleicht ihre nächsten Kreationen, nachdem sie die Modeschule abgeschlossen haben. Das wissen allerdings auch die jungen Modemacherinnen heute noch nicht. Obwohl sie oft ihrer Zeit voraus sind.

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