Zweifelhafte Zahlungen für Nürnberger Zukunftsmuseum?

22.1.2021, 18:11 Uhr
Zu den Ausstellungsstücken im Zukunftsmuseum gehört auch ein Solarauto, das im September angeliefert worden ist.

Zu den Ausstellungsstücken im Zukunftsmuseum gehört auch ein Solarauto, das im September angeliefert worden ist. © Michael Matejka

Es geht um Parteispenden, Immobiliengeschäfte, hohe Mieten und ein Prestigeprojekt mitten in der Nürnberger Innenstadt. Die Finanzierung des Zukunftsmuseums soll im Landtag untersucht werden, fordert die Bayern-FPD nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung, NDR und WDR.

Er sei "der Vater der Idee" gewesen, sagte Ministerpräsident Markus Söder stolz bei der Grundsteinlegung im März 2018. Noch als Finanzminister hatte er sich dafür eingesetzt, dass die neue Zweigstelle des Deutschen Museums München in seine Heimatstadt kommt.


Raumkapsel landet im Zukunftsmuseum


Das größte Technikmuseum der Welt macht nicht alle Tage einen neuen Standort auf. 27,6 Millionen Euro Anschubfinanzierung gibt es dafür vom Freistaat. Außerdem zahlt Bayern die Miete für das neue Gebäude: 2,8 Millionen Euro pro Jahr.

Zu viel, sagt Sebastian Körber, FDP-Abgeordneter, Architekt und Vorsitzender des Bauausschusses im bayerischen Landtag. "Die Konstellation aus erklärungsbedürftig hoher Miete, außerordentlich langfristigem Mietvertrag und zusätzlicher Finanzspritze in Millionenhöhe ist bayernweit beispiellos", sagt Körber der SZ. Auch die anderen Oppositionsparteien, SPD und Grüne hatten die hohen Kosten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach kritisiert.


Ein Rundgang durchs Zukunftsmuseum


Die Nürnberger Grünen-Abgeordnete Verena Osgyan sprach schon 2017 von einem „einzigen finanzpolitischen Saustall“. Der SPD-Haushaltspolitiker Herbert Kränzlein sagte damals: „Das geht nur, wenn der Freistaat Bayern mit Geld um sich wirft.“ Er kritisierte, dass der Freistaat dem privaten Investor für die Anmietung des Baus eine Rendite von 14 Prozent auf 25 Jahre verschaffe.

Immobilienentwickler Gerd Schmelzer, verheiratet mit Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner, hatte das rund 5200 Quadratmeter große Grundstück 2007 ersteigert. Jahrelang war das Augustinerhofgelände nahe des Hauptmarkts nur ein Parkplatz gewesen.


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Beim Richtfest lobte Söder das Engagement des Unternehmers, der sich auch „an toxische Objekte“ herantraue und sie mit Geduld und einem innovativen Ansatz entwickele. Schmelzer vermietet die Räume für das Museum an den Freistaat.

Neben dem Museum wird es ein Hotel mit 120 Zimmern und Restaurant auf dem Areal geben. „Karl August“ soll es heißen, weil es zwischen Augustinerstraße und Karlstraße liegt, und wird von Schmelzers Sohn betrieben.

Auch die Firma GIP Grundig Immobilienpark GmbH gehört Gerd Schmelzer und seinen Kindern. Sie hat im Jahr 2018 ein Spende von 45.500 Euro an die CSU überwiesen. Doch das Geld stehe "in keinerlei Beziehung zum Abschluss des Mietvertrages", teilte Schmelzer der SZ, NDR und WDR schriftlich mit.

Er unterstütze die Arbeit der CSU seit Jahrzehnten regelmäßig. "Dies erfolgt vollkommen transparent in Übereinstimmung mit dem Parteiengesetz und selbstverständlich unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen."

Mit weiteren Details soll sich nun nach Wunsch der FDP ein Untersuchungsausschuss im Landtag befassen.

Die Eröffnung des Museums hat sich zuletzt wegen der Corona-Pandemie immer wieder verschoben. Die ersten Austellungsstücke sind aber bereits angekommen. Beim nordbayern.de "Instawalk" durften Fotografen einen ersten Blick hinter die Kulissen werfen.

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