Am Rothsee gehen Startnummern und Tee aus

8.3.2020, 19:38 Uhr
So ein Gedränge an der Startlinie hat der Rothseelauf noch nie erlebt. Nicht unbedingt neu ist dagegen, dass sich der spätere Sieger (1969 Jonathan Zipf) gleich in die Pole Position bringt.

So ein Gedränge an der Startlinie hat der Rothseelauf noch nie erlebt. Nicht unbedingt neu ist dagegen, dass sich der spätere Sieger (1969 Jonathan Zipf) gleich in die Pole Position bringt. © Foto: Salvatore Giurdanella

382 Teilnehmer hatten sich im Vorfeld ordnungsgemäß angemeldet und standen auf der offiziellen Liste. Vermutlich vorrangig dem guten Wetter geschuldet, machten sich dann jedoch noch wesentlich mehr in der festen Erwartung auf den Weg zum Strandhaus in Birkach, noch einen Startplatz zu ergattern. Vor dem Hauptlauf wurden bis wenige Minuten vor dem Start noch Nummern getauscht und neu vergeben, die Veranstalter blieben ruhig und ermöglichten was ging. So konnten am Ende 437 offizielle Läufer gezählt werden, davon 333 im Hauptlauf und 81 im Hobbylauf über 5,2 Kilometer.

Einer, den es erwischte, war Peter Santagati vom Team twenty.six Roth. Der Zweitplatzierte der Vorjahresserie war erst kurz zuvor aus Italien angereist – hoffentlich gesund: "Das Gebiet lag knapp außerhalb des Risikogebiets und ich bin in einer Privatmaschine mit einem Freund geflogen", so Santagani. Er kam zu spät, um noch eine Startnummer zu erwischen, und lief außer Konkurrenz. Dass er als Zweiter ins Ziel kam und trotzdem keine Punkte sammelte, ärgerte ihn gar nicht. Ihm ging es darum zu starten und sein Team und den Landkreis zu vertreten. Und auch für den Läufercup insgesamt habe er keine Ambitionen, sagte er. "Wenn ich kann, laufe ich. Dann wird man sehen, was am Ende dabei herauskommt."

Glücklicher Profiteur dieses Umstandes war Alexander Köhn von der TSG 08 Roth. Der Abiturient kam mit 35:13 Minuten als dritter offiziell gemessener Läufer ins Ziel und freute sich riesig über seinen ersten Podestplatz beim Läufercup. Auch er sieht den Läufercup eher als Standortbestimmung. Sein Hauptziel für 2020 sind die fünftausend Meter bei den deutschen U20-Meisterschaften im Sommer in Ulm, dort war er im vergangenen Jahr bereits Achter geworden. Zweiter Läufer bei den Herren wurde mit 34:21 Minuten Kay-Uwe Müller vom Team 3 Königslauf Schwäbisch Hall.

Peter Santagati kam mit dem Privatflugzeug an, bekam aber keine Startnummer.

Peter Santagati kam mit dem Privatflugzeug an, bekam aber keine Startnummer. © Foto: Salvatore Giurdanella

Auch Sieger Jonathan Zipf hat keine eigenständigen Läufercup-Ziele. Er war zum ersten Mal am Rothsee dabei und zeigte sich begeistert von der Atmosphäre und Organisation des Laufs. Sein Hauptfokus liegt heuer auf der Triathlon-Bundesliga "und dabei sowohl in der Teamwertung als auch in der Einzelwertung". Beim Rothsee-Triathlon will er auf jeden Fall starten. Ansonsten sei 2020 ein Übergangsjahr für ihn. Das Ziel, sich für Olympia zu qualifizieren, hatte er bereits im Sommer 2019 aufgegeben: "Die Qualifikations-Kriterien sind sehr kompliziert und undurchschaubar. Und es kommen sehr viele Neue von unten nach", sagte er nach dem Rennen.

Resi Wild freute sich im Ziel riesig über ihren Auftaktsieg.

Resi Wild freute sich im Ziel riesig über ihren Auftaktsieg. © Foto: Salvatore Giurdanella

Für Theresa Wild, Siegerin bei den Frauen, hat der Läufercup einen ähnlichen Stellenwert. Für sie war der Start am Rothsee ein Test. "Ich bin mehr als zufrieden", sagte sie im Zieleinlauf, "ich habe die tolle Atmosphäre sehr genossen." Ihr geplanter Saisonschwerpunkt liegt auf vier Triathlon-Mitteldistanz-Rennen. Dafür geht sie in den nächsten Wochen ins Trainingslager nach Mallorca. Ambitionen in Richtung Läufercup hegt auch sie nicht. "Ich mache mit, wie’s reinpasst." Beim Challenge Roth wird sie in diesem Jahr in der Staffel starten, 2021 könnte aber es aber auch wieder ein Einzelstart werden.

Zweite bei den Frauen des Hauptfeldes wurde Corinna Bittel aus Oberasbach mit 41:50 Minuten. Auch sie war zum ersten Mal im Hauptlauf am Start, vor einem Jahr war sie Zweite des Hobbylaufs geworden. Sie freute sich über ihr gutes Abschneiden, es war ihr erster Formtest nach einem Bandscheibenvorfall. Ihr Hauptziel ist der Berlin Marathon. Dritte wurde Vorjahressiegerin Tamara Zeltner vom LC Marathon Lindelburg in 42:33 Minuten.

Klar ist damit, dass der erste Lauf des Jahres vermutlich kaum oder keine Auswirkungen auf die Gesamtwertung des Läufercups haben wird. Klar wurde aber, dass es auch einmal schief gehen kann, wenn man sich im Vorfeld nicht anmeldet, sondern es auf eine spontane Nachmeldung ankommen lässt. Die Organisatoren von Runningconcepts haben ihr Bestes getan, um dem Ansturm Herr zu werden. Doch auch sie konnten nicht verhindern, dass am Ende warmer Tee für die letzten Zieleinläufer fehlte, da die Mengen einfach auf Grundlage der Anmeldungen kalkuliert worden war.