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Eckstein: Kein Tempo 70 auf Staatsstraße bei Sperberslohe

Rother Landrat und Polizei sehen keinen Bedarf - Eltern machen sich Sorgen um Kinder - 28.06.2018 12:03 Uhr

In dieser Kurve südlich von Sperberslohe wurde 2017 eine Schulbushaltestelle eingerichtet – Eltern begrüßen das, sorgen sich wegen der schnell vorbeifahrenden Autos aber um ihre Kinder, die die Staatsstraße 2225 täglich überqueren. © Foto: Daniel Hertwig


Seit Monaten warten die Aktiven der Bürgerinitiative Sicheres Sperberslohe (BISS) auf eine Antwort. Im April hatten sie eine E-Mail an Landrat Herbert Eckstein (SPD) geschickt, im Mai folgte ein offener Brief. Darin bedankten sie sich ausdrücklich dafür, dass im vergangenen Jahr die neue Schulbushaltestelle Allersberger Straße, einige hundert Meter südlich des Wendelsteiner Ortsteils Sperberslohe, eingerichtet worden ist.

Dank der Haltestelle müssten die Kinder nicht länger an der St 2225 entlang nach Sperberslohe laufen. Aber: Die neue Haltestelle liegt in einer Kurve, die Straße ist dort relativ eng, im Sommer erschwert womöglich ein Getreidefeld die Sicht – dennoch ist Tempo 100 erlaubt. "Das Überqueren der Fahrbahn ist für Schulkinder gefährlich", ist BISS-Sprecher Hartmut Schröder überzeugt. Doch bis heute habe der Landrat die dringenden Bitten der Bürger nicht beantwortet, so Schröder. Sein Appell: "Man sollte der Bevölkerung signalisieren, dass man die Angst um ihre Kinder ernst nimmt."

Landrat Eckstein äußert sich erstmals

Doch nun hat Ecksteins Büro, nach mehrfacher Anfrage des Schwabacher Tagblatts, der Redaktion mitgeteilt: "Landrat Eckstein hat die Entscheidung der Verwaltung über die Beschilderung in Sperberslohe überprüft. Die Verwaltung hat so entschieden, wie in anderen vergleichbaren Fällen auch."

Auch die Polizeiinspektion Roth gibt Entwarnung: "Die Sicht ist an der genannten Schulbushaltestelle ausreichend", heißt es in einer Antwort an die Redaktion. "Dies wurde vor Ort überprüft. Konkrete gefährliche Situationen sind hier bislang nicht bekannt." Für die Schulbusse sei das Blinken mit der Warnblinkanlage angeordnet worden, andere Verkehrsteilnehmer dürften deshalb nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren – und müssten nötigenfalls halten. Fazit: "Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 km/h wird von Seiten der Polizei und der gesamten Unfallkommission des Landkreises Roth als für nicht nötig erachtet."

In Oberbayern kamen zwei Mädchen ums Leben

Die BISS dürfte das nicht überzeugen. Das Argument, dass der blinkende Bus als Schutz reiche, kann Schröder nicht nachvollziehen. "Die Kinder können aus Gründen der Sicherheit erst dann die Straße überqueren, wenn der Bus weitergefahren ist." Die Initiative verweist auf einen tödlichen Unfall im oberbayerischen Reischach: Dort starben im Februar zwei elfjährige Mädchen, die hinter ihrem Bus die Straße überquerten und dabei von einem Auto erfasst wurden. Laut BR war nach dem Unfall unklar, ob die Warnblinkanlage eingeschaltet oder ob der Bus schon wieder angefahren war. Bei BISS überlegt man nun, sich an die Regierung in München zu wenden.

Nach dem letzten Bericht des Tagblatts zur Tempo-70-Frage wurde indes auch im Internet diskutiert: Dort überwiegt die Zustimmung zur geringeren Geschwindigkeit. Eine Anfang Juni durchgeführte Mini-Umfrage auf Facebook sah 48 Stimmen für Tempo 70, dagegen votierten 20 Nutzer. Eine Leserin schrieb dort: "Ich finde es jetzt nicht schlimm, wenn man für einen kurzen Abschnitt mal vom Gaspedal gehen muss und 70 km/h fahren muss. Tut schließlich niemandem weh."

"Tempo 50 für Kröten, nichts für Kinder?"

Auf nordbayern.de kommentierte jemand: "Es kann doch nicht sein, dass auf diesem unübersichtlichen schmalen Straßenabschnitt Tempo 100 gestattet ist." Ein anderer kritisierte: "Bei Katzwang gibt’s während der Krötenwanderung eine Begrenzung auf 50 und in Sperberslohe gibt’s nichts zum Schutz von Kindern? Schwach!"

Andere Online-Kommentare sind skeptisch: "Eine Geschwindigkeitsbegrenzung hilft nicht wirklich, daran halten sich direkt in Sperberslohe auch die wenigsten! Unsere Kinder müssen da auch jeden Tag die Straße überqueren und es ist oft ein Spießrutenlauf."

BISS: Tempo 70 ist immer noch sicherer als Tempo 100

Eine andere Facebook-Nutzerin schreibt: "Was soll Tempo 70 denn bringen? Das Tempo würde trotzdem locker reichen, die Kinder im Ernstfall zu erfassen. Dann sollte man die Kinder halt ein Stück begleiten oder im Notfall eine Fahrgemeinschaft gründen." Und einer fügt sarkastisch hinzu: "Würde die Staatsstraße als Spielstraße beschildern. Sicher ist sicher!"

Dass auch Tempo 70 nicht zu absoluter Sicherheit führen würde, das ist auch BISS–Sprecher Schröder klar. Er sagt aber: "Von Tempo 100 abzubremsen ist schwieriger als von Tempo 70." Besser sei natürlich Tempo 50.

Sicher ist: Mit dem Status Quo wollen sich die BISSler nicht zufrieden geben.

Daniel Hertwig E-Mail

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