„Großer Preis von Radio F“: kurzes Intermezzo am Keller

1.6.2015, 09:14 Uhr

© Manfred Marr

„Das war jammerschade, denn ich fühlte mich auf dieser 400-Meter-Piste auf Anhieb sehr wohl“, bedauerte „Großer-Preis-von Radio-F“-Sieger Stefan Schäfer aus Cottbus. Den amtierenden Deutschen Stehermeister, der seit Beginn dieser Saison für das Irschenberger Team „Maloja-Pushbikers“ startet, konnte selbst ein Reifenschaden nicht erschüttern. Schäfer gewann nach 75 Runden vor dem Nürnberger Lokalmatador Thomas Steger (RV Union) und dem deutschen Vizemeister Robert Retschke aus Aachen. Rundengleich mit dem schnellen Spitzentrio beendete den Lauf nur noch Ronny Freiesleben (Team Isaac-Torgau) als Vierter.

Stefan Schäfer, der wie der Nürnberger Thomas Steger erst 2014 mit dem Stehersport begonnen hatte, war vor seinem Debüt am Reichelsdorfer Keller sehr skeptisch. „Ich denke, das wird heute sehr schwer für mich, denn ich kenne diese Bahn überhaupt nicht“, sagte er vorsichtig.

Sein Nürnberger Schrittmacher Peter Bäuerlein, der seit über 30 Jahren erfolgreich im Sattel sitzt, zeigte sich da optimistischer: „Stefan hat derzeit eine Bombenform — und was die Bahn betrifft, kenne ich sie dafür um so besser.“ Das klang sehr beruhigend für den Allrounder Stefan Schäfer, der am Freitag erst sein zehntes Steherrennen fuhr. Nach dem Startschuss ließen es Schäfer/Bäuerlein, die Startposition sechs gelost hatten, zunächst auch ruhig angehen.

© Foto: Manfred Marr

Viel rasanter begann der 30-Kilometer-Lauf für Thomas Steger, der von der Spitze gestartet war. Mit seinem Nürnberger Schrittmacher Thomas Ruder drückte er bereits in den ersten Minuten heftig auf das Tempo. In den ersten zehn Minuten behaupteten Steger/Ruder mit dieser Taktik die Führung. Kurz nach der Hälfte der Distanz kam es dann zu einem spannenden Duell um die Spitze zwischen Steger und Robert Retschke. In herrlichen Spurtrunden konnte Steger zwar dreimal erfolgreich dessen Angriff abwehren, doch das kostete enorm viel Kraft, die ihn wenige Minuten später fehlte, als Schrittmacher Peter Bäuerlein mit Stefan Schäfer zum entscheidenden Angriff startete.

Schäfer, der mit sehr hoher Übersetzung heranbrauste, war einfach nicht zu bremsen. Während Thomas Steger seinen zweiten Platz erfolgreich gegen Retschke verteidigte, spurtete der Deutsche Meister nach 25:25,15 Minuten (Stundenmittel 70,819 Kilometer) als klarer Sieger strahlend ins Ziel.

Enttäuschter Bahnchef

Nach der Siegerehrung, die bereits im Regen stattfand, gab sich Bahnchef Andreas Zentara enttäuscht: „Wir haben einfach kein Glück mehr mit dem Wetter, egal zu welcher Zeit wir unsere Renntermine planen.“ Fast noch größer war die Enttäuschung nach dem vorzeitigen Abbruch für den Italiener Manueal Cazzaro und den US-Amerikaner Zachary Kovalcik, die ebenso wie Schäfer erstmals am Keller starteten. Cazzaro, der aus Südtirol stammt, ist Bahn-Allrounder und fährt seit 2013 Steherrennen.

Auf sehr ungewöhnliche Weise fand Zachary Kovalcik, der in Portland/Oregon lebt, zum Radsport. Vor rund zehn Jahren begann er in seiner Heimatstadt Pittsburgh als Fahrradkurier. Bei den dort üblichen Meisterschaften der Kuriere war er so erfolgreich, dass er sich ernsthaft dem Rennsport widmete. Als zweifacher US-Bahnmeister kam er 2012 nach Europa. In Berlin machte er erste Versuche als Steher. „Im Highspeed hinter dem Motor zu fahren ist einfach super“, sagt „Zach“, wie den überzeugten Veganer seine Fahrerkollegen nennen. „Nach Nürnberg komme ich gerne wieder; dann aber ohne Regenwolken“, erklärte der 32-Jährige.

Ähnlich erging es am Samstag auch dem Veranstalter in Bielefeld. Auch dort beendete anhaltender Regen vorzeitig den ersten Renntag der Saison 2015. Nach den beiden Vorläufen, die Zachary Kovalcik (USA) und Stefan Schäfer (Cottbus) gewannen, fiel das Finale buchstäblich ins Wasser. Thomas Steger, der im ersten Vorlauf Platz drei belegt hatte, ließ sich seine gute Laune auch dort nicht verderben: „Man kann das halt nicht ändern.“ Dabei freut er sich schon jetzt auf sein nächstes „Heimspiel“ am Mittwoch, 17. Juni „am Keller“.

„Großer Preis von Radio F“ (nach dem 1. Lauf wegen Regens abgebrochen) — 1. Lauf über 30 Kilometer/75 Runden: 1. Stefan Schäfer (Cottbus; Team Maloja-Pushbikers) mit Schrittmacher Peter Bäuerlein in 25:25,15 Minuten (70,819km/h), 2. Thomas Steger (RV Union Nürnberg) mit Schrittmacher Thomas Ruder, 3. Robert Retschke (Aachen; Team Kuota-Lotto) mit Schrittmacher Holger Ehnert, 4. Ronny Freiesleben (Team Isaac-Torgau) mit Schrittmacher Lutz Weiß, 5. Zachary Kovalcik (Portland, Oregon/USA) mit Schrittmacher Gerd Gessler, 6. Manuel Cazzaro (Italien) mit Schrittmacher René Aebi, 7. Sascha Damrow (SV Elsterfüchse Gera) mit Schrittmacher Frank Schwarz, 8. Richard Faltus (Tschechien) mit Schrittmacher Oliver Muschweck.

www.radrennbahn-nuernberg.de

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