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S-Bahn-Start: DB will besser werden

Fehler eingeräumt und Besserung gelobt - 25.01.2011 16:00 Uhr

Die S-Bahn in Neumarkt. Ab kommenden Montag gilt hier ein neuer Fahrplan. © Pfrogner


Bei einer Pressekonferenz zogen Nürnberger DB-Verantwortliche für die Öffentlichkeit eine erste Bilanz. Noch immer seien viele Störungen zwar noch nicht behoben, aber "das S-Bahn-Konzept kommt zum Laufen", wie Anja Steidl sagte, Geschäftsleiterin von DB Regio Franken.

Im Vergleich zum Katastrophenmonat Dezember, als die S-Bahn eine Pünktlichkeitsquote von nur 75 Prozent erreichte, habe sich die Situation deutlich gebessert, so Steidl: "Wir liegen momentan bei über 90 Prozent Pünktlichkeit, am letzten Wochenende hatten wir sogar 97 Prozent." Darauf sei sie "richtig stolz".

Nicht mit extremem Wetter gerechnet

Dazu muss man wissen: "Pünktlich" ist ein DB-Zug, wenn er nicht mehr als fünf Minuten vom Fahrplan abweicht. Nicht geplant hatte die Deutsche Bahn im Dezember mit dem extremen Winterwetter. Die Hälfte aller Störungen wurde damals von Weichenstörungen verursacht: „Damit haben wir so nicht gerechnet“, gibt Anja Steidl zu.

Inzwischen allerdings habe die DB reagiert. Zur schnelleren Reparatur von defekten Zügen und Wagen wurden Arbeiter aus dem Urlaub in die Werkstätten zurückbeordert. Zusätzliche Lokführer sollen dafür sorgen, dass die Wechsel auf den Loks schneller über die Bühne gehen. In Hartmannshof, Linie S1, muss die S-Bahn künftig nicht mehr auf verspätete Regionalexpresse warten. In der Nürnberger Zentrale wurde ein weiterer Disponent eingestellt. Die Disponenten wickeln den laufenden Betrieb ab.

Für Pendler enervierend

Zu einem für viele Pendler enervierenden Ärgernis wurde die erste Woche nach der Inbetriebnahme der erweiterten S-Bahn zwischen Nürnberg und Fürth. Das eigentlich vorgesehene Gleis war nicht fertig geworden, so dass zwischen den beiden Städten keine S-Bahnen fuhren, die Pendler den Regionalexpress oder die U-Bahn nutzen mussten. In dieser Situation fielen dann auch noch sehr häufig die Weichen aus...

Gegen Ende 2011, so die Hoffnung der Bahn, sollen die Nachbarstädte sogar auf vier Gleisen miteinander verbunden sein. Nördlich von Fürth werde es dann für die S-Bahn auch "irgendwann einmal einen Verschwenk geben oder auch nicht", sagte Sirko Kellner, Leiter der Sparte DB Netz in Nürnberg. Gemeint ist die zwischen der Stadt Fürth und der Bahn hochumstrittene Trassenführung durchs Knoblauchsland.

Nadelöhr zwingt zu Fahrplanänderung

Schon länger bekannt ist die Fahrplanänderung auf der Strecke nach Neumarkt in der Oberpfalz. Geringfügig geänderte Abfahrtszeiten sollen dafür sorgen, dass Nah- und Fernverkehr sich nicht mehr so stark gegenseitig behindern. Bekanntlich teilen sich beide bei Fischbach ein drei Kilometer langes Nadelöhr, weil das Streckengleis für die S-Bahn nicht rechtzeitig vor Wintereinbruch fertig geworden war.

Die Baustelle soll jetzt vom 15. bis 18. April zu Ende geführt werden: „Wir hoffen, dass wir dann keine 20 Zentimeter Schnee mehr haben werden“, sagte Sirko Kellner.  Ab 1. April, so Kellner weiter, werde auch die letzte verbliebene Langsamfahrstelle auf der S1-Strecke bei Hersbruck beseitigt.

Oberleitungsarbeiten in Ansbach

Im April und Mai rücken die DB-Techniker verstärkt in Ansbach ein. Eine ganze Reihe von Oberleitungsarbeiten muss hier noch nachgeholt werden. Die Pünktlichkeit der S-Bahn sei davon jedoch nicht abhängig, meinte der Netz-Verantwortliche Kellner.

Wann kommen endlich die neuen S-Bahn-Züge „Talent 2“ von Bombardier? Auf diese Frage will derzeit in der Bahn niemand anworten. Wie mehrfach berichtet, sollten die neuen, schnelleren Triebfahrzeuge mit 225 Plätzen bereits mit Fahrplanwechsel im Dezember eingesetzt werden. Doch im Sommer kam die Überraschung: Aufgrund zahlreicher Mängel erhielten die Züge keine Zulassung.

Derzeit macht im Raum Nürnberg erneut ein Talent 2 Probefahrten. Spätestens im April muss die DB für den Fahrplanwechsel im nächsten Dezember ihre Trassen bestellen. Ob sie zu diesem Zeitpunkt mit den neuen Fahrzeugen rechnen kann, weiß Anja Steidl heute noch nicht zu sagen. Bis dahin werde eben weiter Miete gezahlt für 16 der 42 für die S-Bahn eingesetzte Züge. Ein Teil der Kosten werde an Bombardier weitergereicht, aber nicht die komplette Millionensumme: „Wir sind dem Hersteller hier vertraglich entgegengekommen.“  

Ulrich Graser

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