-1°

Dienstag, 26.01.2021

|

zum Thema

Derbyheld Raum: Gebürtiger Nürnberger trifft für Fürth

Der 22-Jährige spielt seit seinem achten Lebensjahr beim Kleeblatt - 14.06.2020 16:05 Uhr

Lob vom Teamkollegen: David Raum klatscht mit Daniel Keita-Ruel ab.

14.06.2020 © Wolfgang Zink/Sportfoto Zink, Wolfgang Zink/Sportfoto Zink


So ein Derby ist immer auch eine Fahrt mit der Achterbahn der Gefühle. Es geht auf und ab, Herzrasen wechselt sich ab mit kurzen Momenten der Entspannung, am Ende verspüren manche das pure Glück – andere fühlen sich elend und wünschen sich, dass sie nie eingestiegen wären. Das war auch am Samstagnachmittag nach dem 266. Frankenderby im menschenleeren Max-Morlock-Stadion zu beobachten, das mal wieder die kleine Spielvereinigung aus Fürth für sich entschieden hatte.

Bilderstrecke zum Thema

Note 5 im Derby? Nicht alle Fürther überzeugen in der Einzelkritik

Besser hätte es für das Kleeblatt am Samstagnachmittag nicht laufen können: Derbysieg, geknackte 40-Punkte-Marke, gesicherter Klassenerhalt. Jetzt geht es noch darum, einen möglichst guten Tabellenplatz zum Ende der Saison zu belegen. Auch die Noten sehen erfreulich aus, nur ein Fürther enttäuscht. NZ-Sportredakteur Florian Pöhlmann mit den Einzelkritiken.


Enrico Valentini und Hanno Behrens hatte die Fahrt mit der Gefühlsachterbahn sichtlich mitgenommen, beim gebürtigen Nürnberger Valentini schienen auch einige Tränen der Enttäuschung geflossen zu sein. Ein anderer gebürtiger Nürnberg hingegen kam strahlend zum Fernseh-Interview vor der Haupttribüne. David Raum, fußballerisch großgeworden beim Tuspo Nürnberg und mit acht Jahren nach Fürth gewechselt, machte sich nach 56 Minuten zum Derbyhelden, sein Tor bescherte der Spielvereinigung den ersten Sieg nach dem Wiederbeginn – und natürlich den prestigeträchtigen Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg.

Erst nach der Pause mittendrin

Als die Achterbahn ihren Betrieb aufnahm, hatte David Raum noch nicht mitfahren dürfen. Von der Haupttribüne aus sah er, dass der Club seinen Kollegen ziemlich schnell das Spiel überließ, es war der Plan des Nürnberger Trainers Jens Keller, "dass wir Fürth den Ball geben wollten", wie er später erklärte, "bei diesen Temperaturen" wollte der Abstiegskandidat Kräfte sparen. In der ersten Halbzeit schien diese Herangehensweise keine schlechte zu sein, die besseren Möglichkeiten hatte der Club. Robin Hack schoss aus aussichtsreicher Position am Tor vorbei (4.) und köpfte in die Arme von Sascha Burchert (7.), der nach einer Viertelstunde ein weiteren Schuss von Hack noch über die Latte lenkte. Fürth hingegen wurde nach einem Freistoß von Seguin sowie einem Kopfball von Keita-Ruel gefährlich.

Bilderstrecke zum Thema

Kleeblatt im Glück: Gute Bewertungen für die Männer aus Fürth

Vor der Corona-Pause lief es eigentlich richtig gut für das Kleeblatt, danach allerdings so gar nicht. Die schlechteste Mannschaft nach der Unterbrechung war das Team von Stefan Leitl. Doch mit dem 1:0-Sieg in Nürnberg konnte Fürth nicht nur den Rivalen aus der Nachbarstadt schlagen, sondern auch die 40-Punkte-Marke knacken. Die User honorieren diese Leistungssteigerung mit guten Noten - allerdings gab es eben auch nicht nur die.


Als sich der Rasen nach der Halbzeitpause wieder füllte, zog sich David Raum dann sein Trikot über. Fest entschlossen klatschte er mit seinem Trainer Stefan Leitl ab, der ihm ein paar Worte mit auf den Weg gab. "Er hat mir viel Spaß gewünscht", erzählte Raum später, er sollte "vorne reinfeuern und Gas geben", "das", befand der 22-Jährige, "konnte ich ganz gut umsetzen heute". Nach dem ersten Durchgang war Leitl unzufrieden gewesen, wie der überraschend aufgestellte Kenny Prince Redondo die Position auf der linke Außenbahn interpretiert hatte. "Die Tiefenläufe haben gefehlt, da hatten wir uns mehr ausgerechnet", so Leitl, "Dave hat das dann richtig gut umgesetzt."

Kritik an der Konkurrenz

Dass David Raum mal wieder offensiv spielen durfte, war durchaus überraschend. In Fürth haben sie den gelernten Angreifer umgeschult zum linken Verteidiger, es ist auch die Position, auf der Raum in den kommenden Jahren spielen soll, nachdem Maximilian Wittek den Verein verlassen wird. In Leitls Worten war auch Kritik an einigen seiner Spieler herauszuhören: "Fakt ist, dass wir erfahrene Spieler in der Offensive auf den Flügeln haben", sagte er, um dann deutliche Worte hinterherzuschieben. "Da fehlt mir die Leistung, dass sie spielen können, deswegen muss ein Junge wie Dave aushelfen."

Bilderstrecke zum Thema

Trauer und Triumph: Die Gefühlswelten beim Frankenderby

Sieglos waren die Stadtnachbarn nach dem Re-Start und vor ihrem Aufeinandertreffen im Achteck beide. Während das Kleeblatt im 266. Frankenderby die Drei-Punkte-Blockade im prestigeträchtigen Nachbarschaftsduell jedoch löst, bleiben die Hausherren in Nürnberg ratlos zurück und tief im Keller stecken. Das drückt sich auch in der Körpersprache und in den Gesichtern aus. Hier kommen die Bilder der Derbysieger und der Derbyverlierer!


Das war wohl vor allem auf den ehemaligen Nürnberger Marvin Stefaniak bezogen, der sich in Fürth weiter schwer tut, beim Nachholspiel in Dresden wenig Werbung für sich machen konnte und es beim Derby am Samstag nicht einmal in das Aufgebot geschafft hatte. Mit Raum auf dem Platz wurde Fürth offensiv besser. Nach 50 Minuten traf Sebastian Ernst per Kopfball den Außenpfosten, sechs Minuten später aber durfte das Kleeblatt jubeln. Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer fand Julian Green im Strafraum, der den Ball auf David Raum flankte. Am zweiten Pfosten stand er perfekte und drückte den Ball über die Linie. Stefan Leitl zog nach dem Abpfiff seinen imaginären Hut vor diesem perfekten, "sehr sehenswerten" Spielzug.

Bilderstrecke zum Thema

Beim FCN wird's zappenduster: Fürth gewinnt das Derby

Mit hohen Erwartungen und viel Druck gingen beide Mannschaften in die Partie, auch vor leeren Rängen ist ein Derby schließlich immer etwas Besonderes. Vor allem der Club war eigentlich zum Siegen verbannt, konnte auf dem Platz aber erneut nicht abliefern. Der eingewechselte David Raum ist es schließlich, der nach einigen Chancen hüben wie drüben das Kleeblatt in Führung bringt. Der FCN bleibt eine Antwort schuldig und nähert sich dem Komplettabsturz in die Drittklassigkeit weiter an.


"Danach haben wir nicht mehr die Mittel gefunden, zurückzukommen", sagte Keller, als sie tatsächlich nicht mehr zurückgekommen waren. Das lag auch daran, dass Burchert in der Nachspielzeit einen Kopfball des eingewechselten Felix Lohkemper aus dem Winkel fischte. Dann stoppte die Achterbahn, die einen hatten ein sehr flaues Gefühl im Magen und weinten, die anderen verspürten nichts als Glück. David Raum wusste, dass er seinen Anteil daran hatte - nicht nur wegen seines Treffers. Vor dem Derby hatte er seinen Kollegen von diesem besonderen Spiel erzählt, sie heißgemacht für diesen Tag, der für ihn mit dem "wichtigsten Tor meiner Karriere" endete.

5

5 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport