Hack: "Fürth kann nur mit Transfereinnahmen überleben"

26.5.2016, 12:24 Uhr
Äußerte sich im NN-Interview zur neuen Haupttribüne, Spielerverkäufen und der Erfolgsgeschichte der Würzburger Kickers: Fürths Präsident Helmut Hack.

© Sportfoto Zink / MeZi Äußerte sich im NN-Interview zur neuen Haupttribüne, Spielerverkäufen und der Erfolgsgeschichte der Würzburger Kickers: Fürths Präsident Helmut Hack.

Herr Hack, Sie werden in diesem Jahr 67 Jahre alt. Wie lange werden Sie denn noch für die Spielvereinigung arbeiten?

Helmut Hack: Ich habe noch viel Kraft, Energie und Freude. Alle weiteren Fragen dazu beantworte ich dann, wenn das nicht mehr so ist. Übrigens: In Österreich wurde gerade ein neuer Präsident gewählt mit 72 Jahren. Und Hillary Clinton wird in diesem Jahr 69.

Sie haben im Saisonendspurt die Wichtigkeit der Tabellenplatzierung angemahnt, da sie über bares Geld aus den Fernseheinnahmen entschied. Kann man das schon genau beziffern?

Hack: So genau können wir es noch nicht sagen, denn es hängt immer davon ab, wie sich die Mannschaften im TV-Ranking entwickeln. In unserem Fall schauen wir auf Union Berlin und den KSC und welchen Tabellenplatz wir im Verhältnis zu ihnen einnehmen, die eine ähnliche Punktzahl in diesem Ranking haben.

Und was ist bisher die Erkenntnis?

Hack: Die Botschaft ist: Jedes einzelne Spiel vom ersten bis zum 34. Spieltag ist wichtig und jeder leicht vergebene Punkt tut am Ende irgendwo weh. Am letzten Spieltag haben wir Karlsruhe noch überholt, geplant haben wir aber insgesamt einen Platz besser. Der macht über 500.000 Euro aus gegenüber unserer Planung fürs nächste Jahr. Im ungünstigsten Fall hätte es sogar eine Million sein können. Und für diese Summe brauchen wir 20 gute Sponsoren, die wir nicht kriegen. Das beeinflusst immer wieder unsere Planung gegenüber dem, was wir für die Lizenzierung bei der DFL eingereicht haben.

Heißt das, Sie müssen die fehlenden 500.000 Euro über Transfereinnahmen hereinholen?

Hack: Wir müssen das Ganze sehen. Es ist die Aufgabe der Journalisten, das zu bewerten. Christian Heidel wurde dafür in Mainz geadelt. In Fürth wird mit denjenigen, die es schaffen, dass wir immer so viele Spieler transferieren können, negativer umgegangen. In einer Liga, in der zwei Drittel der Vereine deutlich mehr Geld zur Verfügung haben als wir, kann Fürth überhaupt nur überleben, wenn wir diese Transfereinnahmen haben. Die Aufgabe ist: Immer wieder eine spielstarke Mannschaft zu haben und dabei trotzdem den Kader zu verändern. Das wird nie aufhören, wer auch immer in der Verantwortung steht. Wir können uns hohe Millionenverluste nicht leisten, wie das in anderen großen Städten der Fall ist. Das wäre für uns das Ende.

Werden also wieder Leistungsträger den Verein verlassen?

Hack: Es gehört in Fürth dazu, dass wir Transfermöglichkeiten nutzen, wann immer das einen Sinn macht. Und zwar in einem Umfang, in dem wir sagen: Wir trauen uns zu, dass wir sportlich wieder in der Liga mithalten können. Das 20 Jahre lang in Fürth zu schaffen, ist die schwerste Aufgabe im deutschen Profifußball. Es kann sich heute fast kein Verein leisten – und wir zweimal nicht –, dass man einen Spieler, der nur noch ein Jahr Vertrag hat und für den man einen guten Marktpreis erzielen kann, nicht ziehen lässt und sagt: Das ist mir egal, der soll hier spielen.

Wer kommt konkret infrage?

Hack: Wer genau geht, wissen wir noch nicht, weil wir nicht wissen, wo sich die Märkte hinbewegen werden. Wir müssen uns im Besonderen mit allen Spielern befassen, die für uns wichtig sind und deren Verträge 2017 auslaufen. Es ist klar, dass wir gerne Spieler wie etwa Stiepermann, Zulj oder Gießelmann behalten wollen. Aber dazu muss es auch möglich sein, die Verträge zu verlängern. Das wissen die Spieler, die Vereine, die Berater. Sonst sagt ja jeder: Ich sitze meinen Vertrag hier aus, dann kann ich ja später ablösefrei irgendwohin gehen und das Geld stecke ich ein. Das geht nicht.

Im Winter hat die Spielvereinigung Stephan Schröck und Stefan Thesker verliehen. Kommen sie im Sommer zurück?

Hack: Das wissen wir noch nicht. Sie beide haben Verträge, aber wir planen sportlich nicht mit ihnen.

Die neue Haupttribüne soll in einem Jahr fertig sein. Wird sie mehr Zuschauer in den Ronhof locken?

Hack: Das beste Argument, Leute anzuziehen, ist, wenn die Mannschaft erfolgreich Fußball spielt. Unser Publikum ist verwöhnt und hat hohe Ansprüche – dem stellen wir uns. Die zweite Geschichte ist, dass diese Tribüne und die Infrastruktur einen richtigen Schub verursachen werden. Am schönsten wäre: Wir spielen gut und erfolgreich und das Stadion wird fertig. Es wird für uns eine neue Dimension sein. Die Attraktivität wird nicht nur für Sponsoren deutlich zunehmen. Wir werden eine Atmosphäre haben, in der Familien sagen: Da gehen wir hin, nicht nur wegen des Fußballs. Das wird dazu führen, dass wir über Fürth hinaus Zuschauerschichten bekommen werden, für die der Aufenthalt im Stadion inmitten der Stadt zu einem echten Erlebnis wird.

Besteht noch Kontakt zu Abdul Rahman Baba, der 2014 von Fürth über Augsburg zu Chelsea gewechselt ist?

Hack: Ein direkter Kontakt besteht derzeit nicht. Wir haben aber wöchentlich auf die Aufstellung geschaut und es ist schön zu sehen, wie er sich mausert (15 Einsätze in der Premier League, vier in der Champions League, d. Red.). Für uns ist Baba ein wunderbares Beispiel, wie sich junge Spieler bei uns entwickeln können. Seine Erfolgsgeschichte ist nicht nur wirtschaftlich gut, sondern sie hilft uns auch argumentativ in Verhandlungen mit Neuzugängen, denn Babas Geschichte kennt die ganze Welt.

Ist die Erfolgsgeschichte der Würzburger Kickers gut oder schlecht für Fürth?

Hack: Weder noch. Was in Würzburg geleistet wurde, nötigt einem Respekt ab. Es war ja auch immer die Frage: Ist es gut, wenn Fürth und der Club in einer Liga spielen? Wir sagen heute: Es ist gut. Wenn Würzburg nun auch in dieser Liga ist, dann heißt das, dass in Franken eine große Fußballstimmung herrscht.

Aber fischt dann nicht ein Verein mehr im Becken der fränkischen Talente?

Hack: Nein, da kämpfen wir eher mit Augsburg, Ingolstadt, 1860 München und Nürnberg bis hin zu den Bayern um die Top-Talente. Und da kommt Würzburg eben auch dazu. Es ist ohnehin schwierig für einen Zweitligisten, Talente im Nachwuchsleistungszentrum zu halten, wie das Beispiel Timothy Tillman gezeigt hat (Bayern kaufte den 16-Jährigen vergangenen Sommer für 500.000 Euro von Fürth, d. Red.).

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