Talent für die NHL?

Fabrizio Pilu - ein begehrter Ice Tiger

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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20.10.2021, 17:01 Uhr
Ruhe und Übersicht: Fabrizio Pilu macht mit dem Puck sehr viel mehr richtig als falsch. In der Nürnberger Abwehr ist das nicht selbstverständlich.

Ruhe und Übersicht: Fabrizio Pilu macht mit dem Puck sehr viel mehr richtig als falsch. In der Nürnberger Abwehr ist das nicht selbstverständlich. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Natürlich geht er als Letzter vom Eis. Natürlich trägt er seinen Schläger und einen Eimer Pucks. „Das ist mein Job. Das ist normal. Da habe ich auch nichts dagegen“, sagt Fabrizio Pilu. Es bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig.

Pilu ist 18 Jahre alt und damit noch ein wenig jünger als Julius Karrer, der diesen Job in der Saison zuvor übernommen hatte. Genauso wie einst der 17 Jahre junge Wayne Gretzky bei den Indianapolis Racers, Patrick Reimer 2004 in Düsseldorf oder Moritz Seider kürzlich in Mannheim ist er als Jüngster dafür zuständig, das Hartgummi nach dem Training von der Eisfläche zu räumen. Und dabei spielt es keine Rolle, wie gut sie waren oder wie gut sie noch geworden sind oder wie gut Pilu schon ist oder, wie gut er noch werden kann.

Ein gebrauchtes Jahr

Den schweigsamen Männern, die in dieser Saison immer wieder in der Arena Nürnberger Versicherung vorbeischauen, um die Ice Tigers, vor allem aber um Pilu zu beobachten, wird die Bescheidenheit des jungen Erwachsenen gefallen. Die Traditionen des Sports zu akzeptieren, die Gebräuche nicht in Frage zu stellen, einfach zu machen, was Generationen vor ihm auch gemacht haben, das gibt im Handbuch für vielversprechende Talente einen großen Haken. Denn als Talent gilt der Verteidiger. Deshalb saßen ja bereits Abgesandte der Tampa Bay Lightning und der Arizona Coyotes in Nürnberg auf der Pressetribüne und machten sich Notizen.

Seltene Ehrenrunde: Nur gewinnen dürften die Ice Tigers auch seiner Ansicht nach gerne öfter.

Seltene Ehrenrunde: Nur gewinnen dürften die Ice Tigers auch seiner Ansicht nach gerne öfter. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Im Sommer 2022 teilen sich die 32 Klubs aus der National Hockey League wieder die besten jungen Spieler untereinander auf, ob diese Spieler das wollen oder nicht. Sie wollen es aber alle. Natürlich will es Pilu auch. Vielleicht war das letzte Jahr deshalb besonders schwer für ihn. Pilu begann die Corona-Saison mit den Jungadlern in Mannheim, nach fünf Partien aber wurde die Spielzeit abgebrochen und nicht mehr aufgenommen. Schon da gab es den Kontakt mit den Ice Tigers, doch bevor er seinem Trainer Frank Fischöder nach Nürnberg hätte folgen können, verletzte er sich. Später trainierte er mit der DEL-Mannschaft in Mannheim, also auf höchstem Niveau. Doch als es jetzt mit den Ice Tigers losging, hatte er beinahe ein Jahr lang kein Pflichtspiel bestritten.

Wie einst bei Reichel, Stützle und Seider?

Dafür läuft es erstaunlich gut, zumindest für ihn persönlich. Pilu ist bislang nicht das Problem in der Nürnberger Verteidigung. Er hat mit durchschnittlich 12 Minuten zwar die geringste Eiszeit, trotzdem ist er dankbar, überhaupt zeigen zu können, was er drauf hat. Und zwischendurch sieht man immer mal wieder, warum NHL-Klubs ihren Spähern eine Reise nach Nürnberg bezahlen. So wie sie das in den letzten Jahren für Tim Stützle, Lukas Reichel oder Moritz Seider gemacht haben. Pilu hat das Spielverständnis und die Ruhe, die ein moderner Zwei-Wege-Verteidiger braucht, zudem kann er flüssig Schlittschuh laufen und er hat, das ist nicht jedem deutschen Talent gegeben, den Körper, um sich unter Männern zu behaupten.

All das haben die Scouts auch notiert und, dass sich Pilu nicht beirren lässt. Denn natürlich wusste er, dass er beobachtet wird. „Klar könnte man denken, man wird nervös. Ich habe mich aber einfach auf mein Spiel konzentriert“, sagt er und dann gleich noch, was man von Eishockeyspielern erwartet, die nach ihrer eigenen Leistung gefragt werden. „Hoffentlich kann ich damit mal wieder zu einem Sieg beitragen.“ So wie zuletzt in Wolfsburg (2:3 nach Penalty-Schießen), so wie vielleicht endlich wieder beim Auswärtsspiel am Freitag in Straubing, welches, das nur als Service für weitgereiste Spielerbeobachter, um 19.30 Uhr (MagentaSport) beginnt.

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