Erlanger Turnerbund ausgeschlossen: Schwimmstreit eskaliert

Alex Pfaehler
Alexander Pfaehler

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23.5.2021, 11:06 Uhr

© Foto: Ulrich Schuster

Die Mitteilung, die der Bayerische Schwimmverband veröffentlicht hat, ist nüchtern. Doch für das Leistungsschwimmen beim Turnerbund Erlangen könnte sie eine Zäsur darstellen. Im Prinzip erklärt sie: Das Präsidium des BSV hat beschlossen, den TB zum 9. Mai aus dem Landesverband auszuschließen.


Streit um Landesstützpubkt: Offener Brief der Spitzenschwimmer


Es ist der vorläufige Tiefpunkt im Streit zwischen Verein und BSV, der seinen Ursprung in der Verlegung des Landesstützpunktes von Erlangen nach Nürnberg hatte. Für den Turnerbund könnte der Ausschluss drastische Konsequenzen haben: Seine Schwimmerinnen und Schwimmer können nicht mehr für ihren Verein an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen, der TB kann keine Landes-Wettkämpfe mehr veranstalten.

"Wir werden degradiert"

"Wir werden degradiert auf Breitensport, Freizeitsport und Schwimmkurse. Das ist eine ganz bittere Geschichte für einen Stützpunkt, der in Bayern zu den besten gehört", sagt Schatzmeisterin Renate Wagner. Mit Kellie Messel stellt der TB aktuell eine Teilnehmerin der Jugend-EM in Rom und 34 Bundes- und Landeskaderathleten.

Schon bei den deutschen Meisterschaften im Juni müssen die sieben Athletinnen und Athleten von TB-Trainer Roland Böller statt für ihren Verein für eine BSV-Landesliste starten. Doch das ist allenfalls eine Übergangslösung. "Die Schwimmerinnen können nicht mehr für den TB an Wettkämpfen schwimmen. Also müssen sie woanders hin", sagt Andreas Redl, Anwalt des Turnerbundes. Der Verein braucht aber Sponsoren für seine Leistungsschwimmer und auch für die Finanzierung seines Trainers Roland Böller.

TB vermutet Methode

Der TB sieht hinter dem Vorgehen Methode. In einer drastisch formulierten Presseerklärung schreibt er von "drei ehemaligen TB-Mitgliedern" im Verband, die versuchten, "den erfolgreichen Stützpunkt Erlangen zu Fall zu bringen". Einer der so Beschuldigten ist Harald Walter, Präsident des BSV, Vizepräsident des Deutschen Schwimmverbandes und ehemaliger Schwimm-Abteilungsleiter beim TB und dort immer noch Mitglied. Er steht in all diesen Funktionen von Anfang an im Mittelpunkt des Konflikts, weist die Vorwürfe zurück: "Ich habe mich in diese Sache überhaupt nicht eingemischt, schon allein aus Compliance-Gründen."

Der BSV-Präsident wehrt sich

Er selbst habe weder bei der Beratung noch an der Abstimmung teilgenommen, sagt Walter. Dem TB werde verbandsschädigendes Verhalten vorgeworfen, sagt BSV-Vize Bastian Esefeld. Es geht unter anderem um Äußerungen von TB-Vertretern in mehreren Gerichtsverfahren. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Vorwürfe des Wahlbetrugs, auch das Infragestellen der Rechtmäßigkeit des Verbands-Schiedsgerichts.


Kommentar zum Landesstützpunkt: BSV handelt gegen die eigenen Sportler


Die Initiative zum Ausschluss des TB aus dem BSV ging von drei Vereinen aus, dem 1. FC Nürnberg, dem Post SV und der SG Stadtwerke München. "Die Anträge der Vereine beziehen sich auf Anzeigen, die bei Ämtern oder Behörden erstattet wurden (von Seiten des TB, Anm. d. Red.) und Anschuldigungen, dass man gegen Corona-Maßnahmen verstoßen hätte", sagt Esefeld. "Die Vereine waren der Meinung, dass es hier nicht mehr darum geht, bessere Bedingungen in Erlangen zu bekommen, sondern dass man andere Vereine anschmiert."


Streit um Stützpunkt wird vor Gericht verhandelt


Im Zentrum steht weiter der Streit um die Verlegung des Landesstützpunktes. Vor einer Zivilkammer des Landgerichtes Nürnberg-Fürth läuft aktuell ein Verfahren dazu. Am Donnerstag sagte dort die ehemalige BSV-Vizepräsidentin Martina Markus aus. Sie hatte 2018 den letzten Stützpunkt-Vertrag zwischen BSV und TB mit ausgehandelt. "Erlangen war unser erfolgreichster Stützpunkt. Natürlich haben wir uns gefreut, dass das so bleibt", sagte sie. Es habe 2017 Probleme gegeben, genug Bahnen zu bekommen, doch das habe man klären können. "Der Standort stand nie ernsthaft zur Diskussion."

Weg zurück per Entschuldigung?

Noch 2019 sei in einer internen, regionalen Zielvereinbarung vermerkt worden, dass der Erlanger Stützpunkt über 2020 hinaus gehalten werden solle. In den Vertragsverhandlungen 2018 habe man über die Zeit nach 2020 aber nicht gesprochen. Der BSV hat für die Entscheidung bessere Bedingungen in Nürnberg ins Feld geführt, wie etwa kürzere Wege, die Nähe zur Bertolt-Brecht-Schule als Eliteschule des Sports.

Einen Weg zurück in den Verband gebe es für den Turnerbund, sagt Vizepräsident Esefeld: "Es besteht die Möglichkeit, dass sich der TB Erlangen für die ganzen Dinge öffentlich entschuldigt und einen Antrag auf Wiederaufnahme stellt." Am 24. Juni ist mit einer Entscheidung des Gerichts zu rechnen. Ursprünglich hatte TB-Anwalt Redl gesagt, Ziel des Verfahrens sei es, eine Dialoglösung zu finden. Doch der Konflikt scheint zerfahrener denn je.

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