Itten zurück nach Glasgow

Erst zwei Treffer: Das Kleeblatt hat ein Problem bei offensiven Standards

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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12.1.2022, 17:30 Uhr
Das erste Tor nach einer Ecke: Cedric Itten (links) bejubelt den zwischenzeitlichen Ausgleich gegen Frankfurt. Künftig läuft der Angreifer wieder im Trikot der Glasgow Rangers auf.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Das erste Tor nach einer Ecke: Cedric Itten (links) bejubelt den zwischenzeitlichen Ausgleich gegen Frankfurt. Künftig läuft der Angreifer wieder im Trikot der Glasgow Rangers auf.

Der 12. Dezember 2021 war ein besonderer Tag für das Kleeblatt. Nicht nur, weil die Fürther an diesem Abend den ersten Heimsieg ihrer Bundesliga-Geschichte feierten, sondern auch, weil der entscheidende Treffer nach einer Ecke fiel. Zum erst zweiten Mal in dieser Spielzeit gelang der Spielvereinigung gegen Union Berlin ein Tor nach einem ruhenden Ball. Zuvor hatte lediglich Cedric Itten im November gegen Frankfurt eine Ecke von Timothy Tilman mit der Brust über die Linie gedrückt.

In allen anderen Spielen: nichts. Während Standardsituationen, also Eckbälle, Freistöße und auch Einwürfe, im Fußball immer wichtiger werden und mancher Verein wie der FC Liverpool sogar einen Einwurftrainer engagiert, tut sich das Kleeblatt in diesem Bereich sehr schwer. Zu Beginn der Saison war viel von den großen Problemen bei gegnerischen Standards die Rede, "es ist mir in der Summe einfach zu viel", sagte Trainer Stefan Leitl im Oktober. "Das werde ich auch nicht mehr tolerieren."

"Eine Konzentrationssache"

Die Null-Toleranz-Strategie zeigte Wirkung. Inzwischen steht seine Mannschaft weitaus stabiler und verteidigt die Versuche der Herausforderer sehr routiniert. Auf der anderen Seite des Feldes aber ist die Gefahr sehr gering. Als die Fürther kürzlich gegen Augsburg all ihre Standardsituationen leichtfertig herschenkten, da wurde der Trainer wieder deutlich. "Es kommt viel auf den Schützen an", sagte Leitl. "Wenn Du als Spieler weißt, dass von fünf oder sechs Hereingaben vier in den richtigen Raum kommen, kann ich damit was anfangen." Beim Kleeblatt hingegen sei "die Streuung zu groß", das, betonte Leitl, sei "eine Konzentrationssache. Ich muss mir den Ball in Ruhe hinlegen und durchatmen."

Es war eine deutliche Kritik an seinen Mittelfeldspielern, denen der Trainer generell "die nötige Technik dafür" attestierte. "Wir müssen weiterhin akribisch daran arbeiten." Das war in der kurzen Winterpause natürlich nur bedingt möglich, auf dem Trainingsplan steht das Thema aber immer wieder. "Wir wissen, dass wir in diesem Bereich, wie fast überall, Steigerungspotenzial haben", sagt Leitl, der betont, dass die Spielvereinigung "noch nie eine Standard-Mannschaft" war. "Wir haben noch nie einen Großteil unserer Tore so erzielt - trotzdem wollen und müssen wir Standards weiter trainieren, weil sie vor allem für einen Aufsteiger wichtig sind."

Dennoch sei es allein mit Training nicht getan. Das Kleeblatt hat eine relativ kleine Mannschaft, "es geht auch um das Profil der Spieler", so Leitl. Mit Sebastian Griesbeck, Maximilian Bauer und Havard Nielsen gibt es im Fürther Aufgebot auch ein paar größere Männer, "wir haben allerdings nicht die Spieler, die sich über Kopfballstärke in der Offensive definieren", betont der 44-Jährige. Mit Cedric Itten hat am Mittwoch ein weiterer kopfballstarker Spieler das Kleeblatt verlassen. Nach Vereinsangaben nutzten die Glasgow Rangers eine "Rückkaufoption", um den verliehenen Angreifer, der zwei Tore schoss, vorzeitig zurückzuholen.

Wegen der Größennachteile war zuletzt immer wieder zu sehen, dass das Kleeblatt Ecken auf den ersten Pfosten spielte, um den Ball von dort direkt vor das Tor zu verlängern. Das klappte bei Ittens letztem Treffer gegen Frankfurt, oft aber wurden die Hereingaben auch schnell geklärt.

Wenn der Ball dann doch mal im Strafraum landet, dann gehe es dann auch um ganz elementare Dinge, um Willen und Mentalität, darum, "wieviel Bereitschaft und Überzeugung ich habe, das Tor unbedingt machen zu wollen", so Leitl. Der Trainer findet es aber auch legitim, Standards einfach kurz auszuführen, um aus dem Ballbesitz zum Erfolg zu kommen. "Trotzdem würde mir mal ein direktes Tor wünschen, bei dem jemand einfliegt und den Ball richtig einnickt."​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​

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