Schon 39 Gegentore

"Nicht bundesligatauglich": Leitl kritisiert seine Abwehr nach dem 3:6

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

E-Mail

28.11.2021, 15:02 Uhr
"Ich bin sehr angefressen": Für Stefan Leitl war es wieder mal ein ernüchternder Nachmittag im Ronhof.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink "Ich bin sehr angefressen": Für Stefan Leitl war es wieder mal ein ernüchternder Nachmittag im Ronhof.

Am Samstagabend machte Stefan Leitl etwas, was er bislang noch nie getan hatte. Als der Schiedsrichter im dunklen und stillen Fürther Ronhof zum letzten Mal pfiff, da stand der Trainer des Kleeblatts auf und ging einfach in die Kabine. Seine Spieler auf dem Rasen, mit denen er in den vergangenen Wochen auch nach bitteren Niederlagen abgeklatscht hatte, ließ er alleine. Mit sich selbst, den wenigen verbliebenen Fans und der traurigen Gesamtsituation.

Das 3:6 der SpVgg Greuther Fürth gegen die TSG Hoffenheim war auf den ersten Blick nur die elfte Niederlage in Folge. Ein Ergebnis, mit dem die Fürther den nächsten traurigen Negativrekord aufstellten. Elfmal nacheinander hatte bislang nur der 1. FC Nürnberg verloren - in den Jahren 1984 und 1985 aber über zwei Spielzeiten hinweg. Dem Kleeblatt gelang das in einer Saison.

Doch Stefan Leitl war nicht deshalb so sauer. Vielmehr ärgerte er sich eine halbe Stunde nach seinem Abgang, als er im Pressekonferenzraum Platz genommen hatte, über die Leistung seiner Abwehr. Denn das Heimspiel hatte ja eigentlich so gut begonnen. Jamie Leweling brachte die Fürther nach starker Vorarbeit von Timothy Tillman und Branimir Hrgota in der 22. Minute ja in Führung, neun Minuten später verhinderte nur der Pfosten das 2:0 durch den enorm auffälligen Tillman.

Dann aber konterte Hoffenheim über den ehemaligen Fürther David Raum - und glich durch Ihlas Bebou aus. Das Gegentor sei ein "Spiegelbild unseres Defensivverhaltens innerhalb der Kette, das über die komplette Spielzeit nicht gut war", kritisierte Leitl. Denn seine Mannschaft fing sich kurz vor der Pause ja nicht nur das 1:2 durch Georginio Rutter, das Tillman direkt nach der Halbzeit wieder ausglich, sondern im weiteren Spielverlauf insgesamt sechs Tore "Ich bin sehr angefressen heute", so Leitl, "denn wenn wir als Spielvereinigung in der Bundesliga drei Tore schießen, dann muss reichen, um zu gewinnen."

Tatsächlich zeigten die Fürther an diesem 13. Spieltag offensiv ihre beste Saisonleistung - was ihnen aber nichts nützte, weil sie defensiv wieder einmal vollkommen überfordert wirkten. "Die Balance zu finden ist schwierig, weil wir Woche für Woche improvisieren und Spieler nicht auf ihrer besten Position bringen müssen", sagte Leitl, schob aber direkt hinterher, dass er "nicht jammern" will. "Ich erwarte von meinen Spielern, dass sie bereit sind, an einem Bundesliga-Spieltag ihre absolut beste Leistung für uns als Verein zu bringen."

Das tat die Abwehrreihe aus Simon Asta (rechts), Maximilian Bauer, Hans Nunoo Sarpei und Marco Meyerhöfer, der notgedrungen Linksverteidiger spielen musste, nicht, was die individuell stark besetzten Hoffenheimer gnadenlos ausnutzten. Innerhalb von fünf Minuten machten sie aus einem 2:2 ein 2:4 - dann schoss Meyerhöfer auch noch das vierte Fürther Eigentor dieser Saison: 2:5. Nach 66 Minuten. "Das ist schon brutal, so kannst Du dich nicht verhalten", sagte Leitl. "In der Summe ist das nicht bundesligatauglich."

Das, betonte Leitl, sei umso bitterer, weil die Fürther offensiv tatsächlich sehr vieles richtig machten. Kapitän Hrgota krönte seine gute Leistung zwei Minuten nach dem fünften Gegentreffer mit einem platzierten Schuss zum 3:5 (68. Minute), das die Offensive abermals schön herausgespielt hatte. Das letzte Tor des Tages aber blieb den Hoffenheimern vorbehalten. Bebou machte in der 80. Minute seinen Dreierpack perfekt.

So offen wie nie kritisierte Leitl danach seine Hintermannschaft, in der sich "einige Spieler nicht auf sehr gutem Niveau" präsentiert hätten. "Mir tut es leid für die Jungs, weil sie viel investiert haben", lobte der Trainer seine Offensive. "Das hätte ich mir von meiner Abwehr auch gewünscht, denn dann hätten wir das Spiel offener gestalten können." So aber gab es die nächste Niederlage - die offenbar einiges zerstört hat im zuletzt so guten Verhältnis zwischen Trainer und Teilen der Mannschaft.

39 Gegentore haben die Fürther in dieser Saison nun schon kassiert - drei im Schnitt, auf die Saison hochgerechnet 102. Woran das liegt? "Das hat damit zu tun, wie wir Fußball spielen wollen, dass wir offensiv spielen wollen", sagte Leitl. "Wir werden uns nicht hinten reinstellen und Bälle nach vorne klopfen, sondern wollen unseren Fußball weiter spielen."

11 Kommentare