Taktiktafel: FCN-Gegner Paderborn ist die Definition von Mittelmaß

3.4.2021, 05:56 Uhr
Unermüdlicher Antreiber an der Seitenlinie: Steffen Baumgart (re.) ist der Mann hinter den Erfolgen des SC Paderborn in den vergangenen Jahren.

Unermüdlicher Antreiber an der Seitenlinie: Steffen Baumgart (re.) ist der Mann hinter den Erfolgen des SC Paderborn in den vergangenen Jahren. © Cathrin Mueller, dpa

Wie war das Hinspiel?

Der Club gewann in Paderborn mit 2:0 und hatte den SCP über 60 Minuten gut im Griff. Ausschlaggebendes Ereignis war aber die Tatsache, dass die Gastgeber nach Robin Hacks frühem Führungstor einen Ausgleichstreffer erzielten, der nach VAR-Einsatz wegen eines Handspiels im Aufbau zurückgenommen wurde. In den 72 Minuten danach schoss Paderborn noch fünf Mal in Richtung und einmal aufs Tor, in den 18 Minuten bis dahin hatte es – den aberkannten Treffer eingerechnet – sieben Schüsse in Richtung Kasten von Christian Mathenia und zwei aufs Tor gegeben.

Obwohl Paderborn im Spiel auf 68 Prozent Ballbesitz kam, konnte es diese Dominanz nicht in Torchancen ummünzen. Stattdessen traf der 1. FC Nürnberg kurz nach der Pause durch Lohkemper zum 2:0 und schaffte es danach, nur drei Torschüsse mit einem expected-Goals-Wert von zusammen unter 0,06 xG zuzulassen. Das gelang auch, weil der Club im eigenen Verteidigungsdrittel alle entscheidenden Duelle um und gegen den Ball gewann.

Was ist seitdem passiert?

Tabellarisch erstaunlich wenig. Paderborn ist immer noch Zehnter und mit je zwölf Punkten Abstand auf Platz 16 wie auf Platz drei die Definition von Mittelmaß. Nicht abgekommen ist Steffen Baumgart auch davon, in hohem Maße auf Ballbesitz zu setzen. 58,5 Prozent im Schnitt ist Ligahöchstwert, es folgen mit dem HSV, Bochum (je 58,3 Prozent), Holstein Kiel (56,6 Prozent) und der SpVgg Greuther Fürth (55 Prozent) die vier Spitzenteams der Liga. Warum kann Paderborn im Gegensatz zu den anderen vier die Dominanz nicht in Punkte ummünzen?

Auch darauf gibt das Hinspiel ein wenig Aufschluss. Der SCP bringt zu wenig Schüsse aufs gegnerische Tor. Zwar ist man mit knapp zwölf pro Spiel im oberen Drittel der Liga bei den Abschlüssen, aber nur etwas mehr als jeder dritte Schuss (34,4 Prozent) kommt aufs gegnerische Tor, was ungefähr zehn Prozent unter Ligadurchschnitt ist. Außerdem ist beispielsweise auffällig, dass kein Zweitligist weniger Tore in der letzten halben Stunde plus Nachspielzeit geschossen hat. Nur acht Treffer gelangen den Ostwestfalen, selbst wenn man die expected Goals zu Grund legt, sieht es so aus, als ginge ihnen gegen Ende des Spiels in der Offensive die Puste aus.


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Das ist gut möglich, denn Paderborn ist – für diesen Stil ist Trainer Steffen Baumgart auch bekannt – die pressingintensivste Mannschaft der Liga. Mit viel Druck gerade durch die Angreifer, die den Gegner beim Aufbau stören, versucht man frühe Ballverluste zu erzwingen oder den Gegner zum Schlagen langer Bälle zwingen. So überrascht es dann auch nicht, dass gegen Paderborn im Schnitt fast 17 Prozent aller Pässe lange Pässe sind. So viel wie gegen keinen anderen Zweitligisten. Das Spiel der Ostwestfalen ist darüber hinaus so linkslastig, wie bei keinem anderen Verein in der zweiten Liga: 44 Prozent aller Angriffe laufen über Jamilu Collins und Christopher Antwi-Adjej. Linksverteidiger Collins ist aber nach seinem Platzverweis in der 90. Minute gegen Karlsruhe in Nürnberg gesperrt. Er wird wahrscheinlich durch Chima Okoroji ersetzt. Die Leihgabe aus Freiburg spielte in der Rückrunde bislang kaum eine Rolle, ist aber – ebenso wie Collins – ein offensiver Außenverteidiger.


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Wie kann man sie knacken?

Früh energisch starten hilft. Acht der 32 Paderborner Gegentore fielen in der Anfangsviertelstunde – nur Braunschweig (12) kassierte mehr – und acht weitere dann in der anschließenden halben Stunde. Damit fiel die Hälfte aller Gegentore in den ersten 30 Minuten. In den restlichen 60 Minuten des Spiels kassierte dann nur Kiel (13), das allerdings zwei Spiele weniger auf dem Konto hat, weniger Gegentore als Paderborn (16).

Darüber hinaus ist der SCP relativ kopfballschwach. Gerade wenn der Club es schaffen sollte, die Flanken von der eigenen rechten Seite so zu schlagen, dass der Paderborner Rechtsverteidiger einrücken und ins Kopfballduell muss, bestehen große Chancen ein ungleiches Duell zu kreieren. Weder Ananou noch Dörfler sind gut im Defensivkopfball.


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Auf wen muss der Club aufpassen?

Chris Führich. Elf Tore, der höchste expected-Assist-Wert im Team, wenig fehleranfälliges Passspiel im und ins letzte Drittel: Der 23-jährige von Borussia Dortmund II mit Kaufoption ausgeliehene Rechtsaußen spielt sich in dieser Saison ins Rampenlicht. In den letzten Wochen gab Führich die zweite Spitze im 4-4-2 mit Raute, zuvor kam er im 4-2-3-1 und 4-3-3 über die rechte Außenbahn. Dabei profitiert Paderborn vor allem von seinem sicheren Passspiel auf engem Raum und seinem Mut ins Dribbling zu gehen.

Besonders aufpassen muss der Club bei Führich, wenn er mit viel Tempo auf der rechten Außenbahn durchbricht. Oft lässt er den Verteidiger mit einem Hackentrick bei voller Geschwindigkeit ins Leere laufen, um dann in die Mitte zu ziehen und selbst den Abschluss zu suchen oder per Flanke oder Pass freistehende Spieler am langen Pfosten zu finden.

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