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Witziges Panoptikum

Der Fürther Künstler Roland Epper präsentiert sein originelles Gesamtwerk - 07.01.2019 19:18 Uhr

Roland Epper mit einer seiner 5000 Rohzeichnungen, die er fein säuberlich in Karteikästchen aufbewahrt. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Wer jemals ein Bild des Wahlfürthers Roland Epper bewundert hat – etwa in der Kofferfabrik – , der vergisst es nie mehr. In comic-artigem Zeichenstil blicken sich Herr und Hund, Vögel und anderes Getier an, unternehmen seltsame Aktionen oder verharren in pathetischen Posen. Der Gesichtsausdruck zeigt den der Verblüffung, der Konsternation.

Etwa die Erkenntnis des Wesentlichen. Das, "was die Welt im Innersten zusammenhält", wie der Dichter sagt. Nur, dass dieses Wesentliche offenbar eine Plattitüde ist. Und nach der Erkenntnis der Plattitüde folgt die zweite Erkenntnis: All die Mühe des Meditierens und geistigen Ringens allein deswegen? Das nennt der Buddhist das Satori-Erlebnis.

Die Zeichnungen scannt Roland Epper ein und bearbeitet sie dann am Computer mit farbigen Mustern. Dabei treffen psychedelische Farben in glühenden Tönen auf Schlangenhaut und Holzmaserung, der Wolkenhimmel auf Sonne, Mond und Sterne, und überall sind kleine Dinge versteckt, wie etwa ein rundes Bömbchen mit glimmender Lunte oder ein nicht minder runder Glaskolben mit Inhalt zur Inhalation bewusstseinserweiternder Stoffe.

Voll Scheintiefsinn

In Aufklärungsbroschüren zur Warnung der Jugend vor dem Konsum von Cannabis findet sich der Terminus "Scheintiefsinn" als Begleiterscheinung des Rauschzustandes. Diesen Scheintiefsinn setzt Epper trefflich in seinen Bildern um. Und setzt noch eins drauf, indem er jedes Bild mit einem noch scheintiefsinnigeren Spruch garniert. Das darf auch ruhig ein Kalauer sein. Etwa: "Der Weg ist das Ziel. Das Ziel ist weg."

Roland Epper ist ein fleißiger und disziplinierter Mann. Jeden Tag schafft er ein Bild. Da kommt was zusammen. Erst schuf er die Serie "1001 Bild". Als dieses Pensum erreicht war, hatte er sich gerade erst warm gezeichnet. Also folgte seine persönliche "Agenda 2010". Danach kam das "Tuscheklecks-Orakel", abgelöst vom "Hund-Orakel". Inzwischen hat er in gut 15 Jahren 5000 Bilder gezeichnet und am Computer vervollständigt.

Wie präsentiert man solch ein Gesamtwerk? Analog durch den Ausdruck einiger ausgewählter Werke, die an der Wand hängen. Oder durch die Sichtung sämtlicher fünftausend Rohzeichnungen, die in Karteikästen ausliegen. Noch besser aber durch die digitale Sichtung am Laptop. Dort kann der Besucher sie alle durchscrollen und in Ruhe betrachten. Der Bildschirm hat den Vorteil, dass durch ihn die Intensität der Illumination besonders gut zur Geltung kommt, viel stärker als auf Postkarte. Lässt man sich pro Bild eine Minute Zeit, ist man in etwa 84 Stunden durch.

Wer nicht so auf Vollständigkeit steht, kann natürlich durch die Jahre switchen und Stichproben entnehmen. Und er wird feststellen: Kein Bild gleicht dem anderen, über die Jahre verändern sich Muster und Accessoires. Nur der Seiltanz auf dem rasiermesserscharfen Grat zwischen Erkenntnis und Stupidität, der bleibt unverändert.

ZGalerie Werkstark, Grüner Markt 4 b im Innenhof des "Goldenen Schwan". Nach der Winterpause wieder ab März zu sehen, mittwochs bis sonntags 11 bis 18 Uhr

REINHARD KALB

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