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Stromtrasse im Landkreis Fürth rückt näher

Bürgerinitiativen warnen vor überarbeiteten Plänen - 28.11.2014 21:00 Uhr

Ein riesiges Nein zur Stromtrasse sagten die Raitersaicher schon im Sommer. Die Protestaktion genügt aber noch lange nicht, insbesondere angesichts der überarbeiteten Pläne für die Überlandleitungen.

27.11.2014 © Archivfoto: Michael Gsell


Zum Widerstand gehörte auch die Teilnahme am Energiedialog, zu dem Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner aufgerufen hatte. Bürgerinitiativen (BI), aber auch Einzelpersonen, aus ganz Bayern haben im Internet ihren Protest, ihre Gegenargumente sowie ihre Alternativvorschläge dokumentiert und sich zur Energieversorgung der Zukunft geäußert. Noch bis Sonntag ist die Teilnahme möglich.

Die Bedenken und Vorschläge, verspricht die Ministerin, sollen in Bayerns Entscheidung über die Zukunft der Energieversorgung einfließen, der Dialog sei ergebnisoffen.

Auch Andrea Platzer, Sprecherin der BI Stromtrassen-Widerstand Raitersaich und Reinhard Schechinger, Sprecher der BI Obermichelbach, haben Kommentare in dem Internet-Forum des Ministeriums verfasst, aber im Rahmen des Dialogs auch persönlich an Diskussionen mit der Ministerin und deren Mitarbeitern teilgenommen. Als „frustrierend“ bezeichnet der Obermichelbacher die Gesprächsergebnisse. Auf konkrete Fragen habe es vage oder gar keine Antworten gegeben.

Interessant ist dieser Dialog vor dem Hintergrund des vor zirka vier Wochen veröffentlichten zweiten Entwurfs des Netzentwicklungsplans (NEP), den die Unternehmen, die für die Planung der Übertragungstrassen verantwortlich sind, erstellen.

Die neue Variante des Stromkorridors, die sogenannte Süd-Ost-Trasse, ist nach Westen verschoben. Bislang verlief die Strecke östlich an Nürnberg vorbei, inzwischen hat sie die Seite gewechselt. Anfangspunkt ist bei Magdeburg, Endpunkt bei Grundremmingen. Noch ist es ein Grobkonzept, doch Schechinger weist darauf hin, dass dies die kürzeste aller Variante ist. Kürzer auch als der bislang favorisierte Verlauf, der den Landkreis Nürnberger Land und Teile der Oberpfalz betroffen hätte.

Die Verschiebung gen Westen hätte für den Landkreis Fürth ganz konkrete Auswirkungen. Die Strecke würde beispielsweise unmittelbar angrenzend am Hauptort Großhabersdorf und am Roßtaler Ortsteil Raitersaich verlaufen. Stärker tangiert wären auch Tuchenbach und Puschendorf.

Und für das kleine Örtchen Raitersaich käme es noch dicker: Ein sogenannter Südlink, eine Abzweigung direkt in das dort vorhandene Umspannwerk, ist geplant. Außerdem soll die bestehende 220kV-Leitung von Raitersaich nach Ludersheim auf 380-kV im Wechselstromnetz verstärkt werden.

Verlust an Lebensqualität

Was das bedeutet, schildert Andrea Platzer so: „Die Grundstücke und Häuser in und rund um Raitersaich würden an Wert verlieren und die Anwohner an Lebensqualität einbüßen.“ Zerstörung der Landschaft, Belastung mit elektromagnetischer Strahlung sowie das Ende jeder Entwicklungsmöglichkeit für den Ort gehören zu den Schreckensszenarien, die Platzer und ihre Mitstreiter nicht widerstandslos hinnehmen möchten.

Gegen das Nutzen bestehender Trassen, die nur aufgerüstet werden müssten, sagt Schechinger, sei nichts einzuwenden. Doch er befürchtet, dass es dabei nicht bleibt, sondern ein weitgehender Neubau auf den bereits vorhandenen Strecken kommt — die vielzitierte Monstertrasse mit Masten in riesigen Dimensionen.

Die Initiativen berufen sich hingegen auf drei deutsche Energieexperten, die neue Stromleitungen für komplett überflüssig halten. Die Energiewende ist laut den Aktivisten und der von ihnen zitierten Fachleute mit dezentraler Versorgung in Bürgerhand zu bewältigen. Ein Konzept, das bei den großen Stromkonzernen auf wenig Gegenliebe stößt. Schon nach dem Jahreswechsel möchten die Bürgerinitiativen mit Aktionen auf die Gefahr der „Monstertrasse“ aufmerksam machen. Genaues muss allerdings noch abgeklärt werden. Die Zeit drängt, denn schon im Februar wird über den NEP entschieden.

Insgesamt haben sich im Landkreis Bürger aus vier Gemeinden zu Anti-Stromtrassen-Bündnissen zusammengeschlossen: Obermichelbach, Tuchenbach, Raindorf und Retzelfembach und die Pioniere Raitersaich, Clarsbach, Fernabrünst und Vincenzenbronn. Für Schechinger sind das zu wenige. Seine Idealvorstellung wäre es, in jeder Kommune einen Ansprechpartner für den Stromtrassenwiderstand zu haben. Auch in den betroffenen Nachbarlandkreisen hält er das für dringend nötig.

Bayerischer Energiedialog: www.energie-innovativ.de/energiedialog; Bürgerinitiativen: www.stromtrassen-widerstand.de; Telefonische Infos bei Reinhard Schechinger (0911) 76 22 33

Beate Dietz

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