Anleitung für Eltern

Wie Plätzchen backen mit Kindern richtig schön wird

1.12.2023, 15:57 Uhr
Wunderschöne Augenblicke: Mit Weihnachtsmusik geht das Plätzchen backen noch viel besser von der Hand.

© Benjamin Nolte/dpa/dpa-tmn Wunderschöne Augenblicke: Mit Weihnachtsmusik geht das Plätzchen backen noch viel besser von der Hand.

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Erinnern Sie sich noch an die Weihnachtsbäckerei aus Ihren Kindertagen? Was kommt Ihnen in den Sinn? Vielleicht das Lieblings-Ausstechförmchen, Omas Schürze, der klebrige Kochlöffel aus Holz oder der Teig zum Naschen. Und da war noch die Sache mit den Streuseln: Es mussten die bunten sein, nicht die ollen braunen.

Merken Sie etwas? Irgendwie war schon immer der Weg das Ziel. So geht es den Kindern heute auch. Also sollten Eltern und Großeltern die Weihnachtsbäckerei für die Kleinen so schön wie möglich gestalten.

3 wichtige Dinge für die Vorbereitung:

  1. Zeitplanung: Viel Zeit einplanen! Eine Stunde zwischen Tür und Angel funktioniert nicht. Ist Zeitdruck im Spiel, wird das Projekt misslingen, sagt Christina Bauer, Bäuerin im österreichischen Göriach und Backbuchautorin von "Kinder backen mit Christina".
  2. Aufmerksamkeit: Die Ernährungsberaterin Dagmar von Cramm warnt außerdem: "Bitte nichts nebenher machen!"
  3. Atmosphäre: Ein Muss sei, für gute Atmosphäre zu sorgen: "Mit Weihnachtsmusik geht es viel besser von der Hand", sagt Christiane Kührt, Autorin von "Weihnachten ganz easy - Yummy".
  • Nicht mehr als ein oder höchstens zwei Rezepte auswählen. "Sind es mehr, wird es nicht mehr lustig", weiß Christina Bauer.
  • "Vorschulkinder halten höchsten 30 Minuten durch - Schulkinder länger", formuliert Dagmar von Cramm eine Faustregel.

Tipp: Christiane Kührt würde das Weihnachtsbacken auf zwei Tage verteilen: Am ersten Tag Plätzchen backen, am zweiten Tag Plätzchen verzieren. "Sonst steht man ganz schnell allein in der Küche", so die Kinder-Backexpertin.

Plätzchen backen macht einfach Spaß.

Plätzchen backen macht einfach Spaß. © Benjamin Nolte/dpa/dpa-tmn

  1. Kinder sagen, was gebacken wird
    Die Kleinen sollten sich die Rezepte vorher aussuchen dürfen, rät Christina Bauer. Für "Backen macht glücklich"-Bloggerin Kathrin Runge sind jene Rezepte die richtigen, die sich in relativ kurzer Zeit vorbereiten lassen und nicht allzu lange im Ofen bleiben müssen. Das sind zum Beispiel Butterplätzchen und Kokosmakronen.
  2. Kinder verkleiden sich gern
    Schürzen sind gut, um die Kleidung zu schützen. Und machen Spaß. "Kleine Backdamen und -herren freuen sich über eigene lange Schürzen. Man kann ihnen zum Beispiel auch ein großes Geschirrtuch unter die Achseln binden - dann sehen sie aus wie echte Bäcker oder Köche", erklärt Runge.
  3. Eigene Utensilien für Kinder
    "Jedes Kind braucht zum Beispiel sein eigenes Holzbrett und ein kleines Nudelholz", findet Kathrin Runge. Spezielles Zubehör wie Kinder-Backformen seien ja ganz nett, "aber meines Erachtens nicht wirklich nötig."

Kinder können helfen bei den "spannenden Vier":

1. Wiegen

2. Naschen

3. Ausstechen

4. Verzieren

  • Alle Zutaten bereit stellen

Kinder wollen sofort loslegen. Es ist also gut, alle Zutaten bereitzustellen, bevor die Weihnachtsbackstube eröffnet. "Wer jetzt erst Zutaten zusammensucht, sorgt für die erste große Enttäuschung", sagt Bauer.

Dazu zählen auch verschlossene Packungen: "Sie sollten bereits geöffnet sein."

Jetzt kann das Abwiegen beginnen. Das ist spannend für Kinder und bereitet ihnen große Freude.

  • Mit Eiern beginnen

Alle Zutaten sind abgewogen. Die Rührschüssel steht bereit. Wenn Eier zum Rezept gehören, beginnen Sie damit. Im Alter von vier bis fünf Jahren können Kinder das Eiweiß vom Eigelb trennen. Flutscht etwas von der Schale mit hinein, kann man das besser aus dem Topf fischen.

  • Flache Teigplatte statt großer Kugel

Alle Zutaten sind zu einem Teig verknetet. Statt einer großen Kugel würde Christiane Kührt gleich eine fingerdicke Platte aus dem Teig formen, die in den Kühlschrank gelegt wird: "Die lässt sich dann wunderbar zwischen zwei Folien oder Backpapier ausrollen. Dadurch kommt nicht laufend mehr Mehl dazu, was den Teig nur hart und bröselig werden lässt."

  • Alternative: Teig vorher alleine kneten

Dagmar von Cramm und Christiane Kührt empfehlen, den Teig schon am Vortag selbst zuzubereiten. Kührt würde auch den Zuckerguss zum Verzieren ohne die Kinder anrühren - allerdings erst kurz vor der Verwendung.

"Denn das Herumrühren bis zur gewünschten Konsistenz könnte Kindern zu lange dauern", erklärt Christiane Kührt. Wer dazu keine Muße hat, könne auch den Zuckerguss aus der Tüte verwenden. Denn Kinder mögen den Satz nicht: "Warte, ist noch nicht fertig!"

Es gibt noch mehr Tabusätze beim Plätzchenbacken:

  • "Lass mal, das mache ich."
  • "Warte mal, jetzt noch nicht."
  • "Nicht zu viele Zuckerstreusel nehmen."
Eine gute Aufgabe für Kinder: Eigelb und Eiweiß trennen.

Eine gute Aufgabe für Kinder: Eigelb und Eiweiß trennen. © Benjamin Nolte/dpa/dpa-tmn

  • Naschen ist erlaubt

Schüssel auslecken muss erlaubt sein. Das gilt in der Backstube von Christiane Bauer, die dabei Wert auf ganz frische Zutaten legt. Dagmar von Cramm würde einen extra Naschteig nehmen, der ohne Ei (wegen der Salmonellengefahr) zubereitet wird und robust ist. "Denn Backen ohne Naschen ist blöd", findet sie.

  • Individualität vor Schönheit

Beim Plätzchen ausstechen und verzieren sollte man nicht erwarten, dass die Backwerke einen Schönheitspreis gewinnen. Beim Backen mit Kindern gilt das Motto von Christina Bauer: "Individualität vor Schönheit."

Auch Kathrin Runge rät: Ruhe bewahren, geduldig sein und viel loben - auch wenn etwas nicht ganz so gut geklappt hat. Es sei noch kein Meister(bäcker) vom Himmel gefallen.

Dagmar von Cramm warnt vor falschem Ehrgeiz: "Kinderkekse müssen nicht perfekt sein." Am Ende sollte jedes Kind für "seine" Kekse eine eigene Dose bekommen.

Erwachsene können problemlos ein Backblech aus dem heißen Herd holen, heiße Kuvertüre auf den Kuchen pinseln, Trockenfrüchte klein hacken. "Bei Kindern kann das Ganze leider schnell in die Hose gehen", warnt Kathrin Runge.

Kathrin Runge empfiehlt...

  1. mit den Kindern über mögliche Gefahren zu reden.
  2. Abmachungen zu treffen.
  3. mit gutem Beispiel voran zu gehen.
  4. eventuell Schutzvorrichtungen am Herd und Ofen anzubringen.
  5. immer mit in der Küche zu bleiben, wenn die Kinder noch klein sind. "Nicht nur aus Sicherheitsgründen - es macht so viel Spaß, den Kleinen beim Teigrühren, Verzieren und Naschen zuzusehen."

Denken Sie daran, die Kinder beim Plätzchen backen zu fotografieren. Ein Schnappschuss von den kleinen Bäckern in Aktion eignet sich hervorragend als Motiv für die Weihnachtskarte. "Das ist eine schöne Erinnerung. Und man sieht, wie die Kinder von Weihnachten zu Weihnachten größer und selbstständiger werden", sagt Christiane Kührt.

Das ist eine Idee von den Deutschen Innungsbäckern - nach dem Motto "Manche Menschen sind es wert, dass man für sie schmilzt" aus Disneys "Die Eiskönigin":

Ein rundes Plätzchen mit weißer Glasur ist der geschmolzene Teil des Schneemanns, darauf kommt ein Marshmallow als Kopf - verziert mit Schokoaugen und Mund. Die Ärmchen werden auf die Zuckergussbasis gemalt und dazu bunte Schokoperlen als Knöpfe verstreut.

Zutaten:

  • 300 Gramm Mehl
  • 200 Gramm weiche Butter
  • 80 Gramm Zucker
  • abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone
  • 1/2 aufgeschlagenes und verrührtes Ei

Zubereitung:

Die Zutaten zu einem Teig verkneten und 40 Minuten kaltstellen. Dann den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen, runde Plätzchen ausstechen und ca. 8 Minuten backen.

Wenn die Plätzchen komplett ausgekühlt sind, kommt ein runder Klecks Zuckerguss darauf sowie am oberen Rand ein weißer Marshmallow. Mit Zuckerschrift und schwarzen Schokoperlen werden Augen, Nase, Mund, Arme und Bauchknöpfe dekoriert.

Tipp von Christine Kührt: Noch mehr kleine Schneemänner lassen sich in der Wartezeit des Teigkühlens formen. Einfach Marzipan-Rohmasse zu kleinen Kugeln formen, zusammensetzen und dekorieren - etwa mit Zuckerschrift fürs Gesicht, Gummischnüren als Schal und Pralinenförmchen als Hut. Kührt versichert: "Diese süßen kleinen Monster sind der Hit."

So sehen die MeltedSnowman-Plätzchen aus.

So sehen die MeltedSnowman-Plätzchen aus. © Catherine Waibel/dpa-tmn

Eine Idee aus der Weihnachtsbackstube von Christiane Kührt: Ganze Weihnachtsbäume zaubert die Backbuchautorin aus Brownieteig. Dafür backt sie eine komplette Backblech-Platte und schneidet diese in viele spitze Dreiecke.

Auf die Dreiecke werden Schlangenlinien als Girlanden mit weißer Kuvertüre aus dem Spritzbeutel gemalt. Bunte Schokolinsen als Kugeln darauf setzen und fertig sind lauter süße Weihnachtsbäume. "Dafür ist jeder Brownieteig geeignet", sagt Kührt.

Zutaten für den Brownieteig:

  • 200 g gehackte Zartbitterkuvertüre (in Metallschüssel über heißem Wasserbad unter Rühren schmelzen)
  • 150 g fein gemahlene Walnusskerne
  • 4 Eier
  • 100 g Zucker
  • 200 g weiche Butter
  • 1-2 TL Lebkuchengewürz
  • 200 g Mehl

Tipp: "Ich würde die Brownies, egal welcher Teig, immer mit 200 Gramm geschmolzener Schokolade oder Kuvertüre beziehungsweise Kuchenglasur überziehen, bevor ich sie verziere. Sieht einfach leckerer aus", sagt Kührt.

Ein tolles Kinderrezept von Kathrin Runge passend für das ganze Jahr und auch geeignet für Kinder mit Ei-Allergie.

Zutaten für 40 Kekse:

  • 225 g Weizenmehl
  • 110 g Zucker
  • 150 g Butter kalt und in kleinen Stückchen

Zubereitung:

Zutaten schnell und sorgfältig verkneten. Wer Zeit hat, formt aus dem Teig eine Kugel und legt diese für 30 Minuten in den Kühlschrank. Den Teig dann portionsweise auf einer mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche ausrollen. Etwa 40 Kekse ausstechen. Mit etwas Abstand auf zwei Bleche geben und jeweils ca. 10 bis 15 Minuten backen.

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