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Kitas geschlossen: Rund 3500 Erzieher streikten in Bayern

In Nürnberg waren 118 Einrichtungen betroffen - 20.03.2015 15:54 Uhr

Hunderte Erzieher streikten am Freitag in Bayern - Kitas blieben größtenteils geschlossen. © Stefan Hippel


Rund 3500 Erzieherinnen haben am Freitag in Bayern ihre Arbeit niedergelegt. Einige Hundert Kitas blieben geschlossen - allein in Nürnberg waren es 118, in München sollte nach Angaben der Gewerkschaft Verdi etwa jede zweite der 419 Kindertagesstätten geschlossen bleiben. Wie viele es dann tatsächlich waren, konnte am Freitag aber noch niemand sagen. Zum Warnstreik aufgerufen waren die Beschäftigten in allen kommunalen sozialen Einrichtungen in München, Augsburg, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Lauf, Schwabach, Ansbach, Olching und Germering.

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Sozialberufe: Zahlreiche Erzieher streiken in Nürnberg und Fürth

Die Gewerkschaft Verdi hat am Freitag Erzieher und Beschäftigte in anderen Sozialberufen zu einem Warnstreik aufgerufen. Deshalb blieben am Freitag zahlreiche Kitas in Bayern geschlossen. Auch in Nürnberg und Fürth streikten viele Verdi-Mitglieder.


Derzeit steht Verdi mit den kommunalen Arbeitgebern in Tarifverhandlungen, am Montag (23. März) findet die nächste Verhandlungsrunde in Münster statt. Die Gewerkschaft fordert eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe und eine Einstufung bestimmter Tätigkeiten in höhere Gehaltsgruppen.

"Die Warnstreiks belasten in erster Linie die Kinder und ihre Eltern, die auf eine verlässliche Kinderbetreuung angewiesen sind", kritisierte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) in Frankfurt, Manfred Hoffmann. Die Gehälter von Erzieherinnen liegen nach VKA-Angaben zwischen 2590 Euro und 3750 Euro brutto, Kita-Leitungen erhalten demnach bis zu 4749 Euro. Nach Verdi-Angaben arbeiten bundesweit knapp 60 Prozent der Erzieherinnen in Teilzeit.

Kinder, die in Begleitung von Erziehungsberechtigten in eine der voraussichtlich 118 bestreikten Kitas kommen, werden mit Hinweis auf den Warnstreik abgewiesen.

1000 Beschäftigte bekunden Unmut am Nürnberger Kornmarkt

Auf dem Nürnberger Kornmarkt machten nach Verdi-Angaben etwa 1000 Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufen lautstark ihrem Unmut über niedrige Gehälter und das aus ihrer Sicht überholte Eingruppierungssystem Luft. „Den Sonntagsreden müssen nun endlich Taten folgen“, sagte Jürgen Göppner, Verdi-Bezirksgeschäftsführer für Mittelfranken. Konkret bedeutet das, dass Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Durchschnitt zehn Prozent mehr Lohn von der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) fordern. Erzieher und Sozialpädagogen aus den unterschiedlichsten Bereichen demonstrierten aber nicht nur für mehr Geld, sondern auch für mehr Anerkennung ihrer Arbeit, wie es hieß.

Streiks in Ansbach

In Ansbach legten neben Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen unter anderem Mitarbeiter von Jugendamt, Jugendzentrum und Landratsamt für einen Tag die Arbeit nieder. Auf Plakaten und Bannern machten sie ihre Haltung deutlich: „Kinderschutz gibt’s nicht zum Nulltarif.“ Von Seiten der Eltern sei Verständnis für den Streiktag geäußert worden, teilte Martina Weidner-Scheeler, die Leiterin der städtischen Kindertagesstätte, mit. Sebastian Engmann vom Elternbeirat bestätigte dies: „Wir stehen geschlossen dahinter.“ Da der Warnstreik bereits einen Monat zuvor angekündigt worden sei, habe man genug Zeit gehabt, die Kinderbetreuung anderweitig zu organisieren. Außerdem sei das Anliegen berechtigt. „Hier wird eine klasse Arbeit gemacht und die muss gerecht entlohnt werden.“

Demonstrationen in München

In München zählte die Polizei rund 2300 Demonstranten, die für mehr Anerkennung und mehr Geld auf die Straße gingen - die meisten von ihnen waren Frauen. "Wir hatten nur mit 1000 gerechnet", sagte Organisator Heinrich Birner von Verdi. Auf Plakaten forderten die Demonstranten: "Erzieherinnen verdienen mehr." Sie kritisierten: "Anforderung steigt, Anerkennung sinkt."

Die 18 Jahre alte Kinderpflegerin Anja aus Weilheim hielt ein Plakat mit der Aufschrift "Wollen Sie, dass wir so arbeiten, wie wir bezahlt werden?" in die Luft. Sie sagte: "Man kann von dem Gehalt leben, aber nicht gut. Ich wohne noch bei meinen Eltern. Ausziehen könnte ich mir fast nicht leisten."

Dieser Artikel wurde am 20. März um 15.54 Uhr aktualisiert. 

dpa/loc/psz/af

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