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Freitag, 18.10.2019

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Startup Demo Night: ein Feuerwerk frischer Ideen

Bühne für clevere Tüftler und mutige Jungunternehmer in Nürnberg - 18.09.2018 19:35 Uhr

Wer seine Fitness stärkt, braucht Muckis: Wer dafür Nahrungsergänzungsmitteln braucht, dem mixt die Brandl Nutrition GmbH aus Nürnberg individuelle Shakes. © Fotos: Günter Distler


Der Onlineversand nimmt zu und demzufolge auch der Verpackungsmüll, etwa in Form von Styropor. "Es muss sich was ändern", sagte sich Alexandra Kletzsch, Geschäftsführerin des Startups packitgreen. Also suchte sie nach ökologischen Isolierverpackungsmaterialien, mit denen Lebensmittel-Versender Frischfleisch, Fisch, Tiefgekühltes, Obst oder Gemüse verschicken könnten. Kletzsch experimentierte zum Beispiel mit nachhaltigen Baustoffen.

Fündig wurde sie aber woanders: "Jute hat sich als das beste Material herausgestellt", sagt die BWL-Studentin aus Ingolstadt, die vor einem Jahr nach Nürnberg gezogen ist. Umschlossen ist die Jutefüllung von einer Biofolie auf Kartoffelstärkebasis. Das Material sei für Versender nicht teurer als Styropor, habe aber hinsichtlich Isolierung oder Stoßdämpfung die gleiche Leistungsfähigkeit. Es ist zu 100 Prozent kompostierbar, kann zu Hause in der Biotonne entsorgt werden. An Jute-Nachschub mangelt es der 23-jährigen Geschäftsführerin nicht: "Wir beziehen Jutesäcke von Schokolade- und Kakaoherstellern."

Vitascale aus Fürth dagegen setzt auf ein sogenanntes Wearable zur "Atemgasdiagnostik". Setzt man das Headset auf und nutzt das Handgerät dazu, lässt sich unter anderem ermitteln, wie gut der eigene Stoffwechsel funktioniert oder ob man an Laktoseintoleranz leidet. Die Innovation liege darin, dass man für die Messung weder Maske noch Tubus benötige. Vitascale will "die Präzision der Medizintechnik in die Fitnessstudios und Wohnzimmer bringen", wie es der Ingenieur Ulrich Jerichow formuliert. Anfang 2019 soll die Serienproduktion starten.

Bei dem von VitaScale aus Fürth entwickelten Headset-System handelt es sich um ein Instrument zur Atemgasdiagnostik.


Alexandra Kletzsch und Ulrich Jerichow sind zwei von 37 Gründern, die auf der Startup Demo Night in Nürnberg ihre neuen Produkte oder Prototypen vorstellten. Die Ideen-Messe fungierte als Startschuss für den nächsten Businessplan-Wettbewerb Nordbayern, der seit nunmehr 20 Jahren Firmengründer fördert. Seit dessen Gründung haben 2755 Startups aus Franken und der Oberpfalz teilgenommen, Kapitalgeber investierten zwischen 1999 und 2017 rund 208 Mio. Ã in nordbayerische Gründer.

Die Startup Demo Night hat sich längst einen Namen gemacht als Kontaktbörse und als wichtiger Termin fürs Netzwerken. Unter den rund 300 Besuchern tummeln sich zum Beispiel Unternehmer, Mitarbeiter aus Innovationsabteilungen und Wirtschaftsförderer. Oder Business Angels, die sich neugierig nach lohnenswerten Investments umsehen.

Einer aus Nürnberg, der anonym bleiben möchte, sagt: "Zwei, drei Firmen werde ich mir näher ansehen." Zu welcher finanziellen Unterstützung er bereit ist? "Das Übliche ist 50 000 bis 200 000 Ã. Allzu viel darf man nicht auf eine Karte setzen." Den erfahrenen Manager begeistern die unterschiedlichen Reifegrade der Aussteller – von drei Tüftlern am Stand bis zu Gründern, die bereits mehr als 40 Mitarbeiter haben. Und auch die Ideenvielfalt kann sich blicken lassen: Die Regensburger Futuro Farming UG stellte ein Frühwarnsystem für Kälberkrankheiten vor, die tourbörse GmbH hingegen eine Buchungsplattform für Motorradtourismus. Die IT-Labs GmbH aus Nürnberg entwickelte eine Software, die sogenannte "Homecare"-Firmen darin unterstützt, chronisch Kranke mit den benötigten Produkten – etwa Verbandsstoffen und künstlicher Nahrung – effizienter zu versorgen.

Und die Brandl Nutrition GmbH, ebenfalls aus Nürnberg, setzt auf spezielle Shakes für Fitnesssportler, die das Nahrungsergänzungsmittel nach dem Workout schlucken. Co-Gründer René Seppeur sagt: "Wir sind die ersten auf dem Markt, die individuell das Pulver für den Shake mischen." Alexandra Kletzsch von packitgreen ist am Ende mit ihrer Teilnahme an der Startup Demo Night zufrieden: "Das Produkt kam gut an. Viele fragten, warum es das nicht schon lange gibt."

ILONA HÖRATH

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