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Donald Trump: Der Science-Fiction-Präsident

Seine Angriffe auf die US-Medien zeigen nur, dass sie ihren Job machen - 17.02.2017 11:07 Uhr

Mit sich selbst zufrieden: Donald Trump bei seiner Pressekonferenz nach vier Wochen im Amt. © afp


Die Washington Post hat sich etwas einfallen lassen. Wann immer sich Donald Trump über sein Twitter-Profil @realDonaldTrump äußert, machen sich die Redakteure ans Werk und überprüfen, ob das denn überhaupt stimmt, was der US-Präsident an die Welt aussendet. Fast immer heißt die Antwort: "This is incorrect or false" (Das ist unkorrekt oder falsch). Nutzer können sich die Post-Kommentare mit Hilfe eines Browser-Programms anzeigen lassen. Nachzulesen sind sie auch im Twitter-Profil @RealDonaldContext (das offiziell aber nicht von der Zeitung betrieben wird).

In der jüngsten Pressekonferenz, in der sich Trump selbst ein glänzendes Zeugnis seiner ersten vier Wochen im Amt ausstellt, zeigt sich - ebenso wie in seinen Tweets - einmal mehr die Science-Fiction-Welt, in der der 70-Jährige lebt. Vermutlich sei noch nie ein US-Präsident in so kurzer Zeit so erfolgreich gewesen wie er, sagt Trump. Überall erfahre er große Zustimmung.

Kein Wort vom schnellen Rücktritt Michael Flynns, kein Wort vom gestoppten Einreisestopp, kein Wort von den historisch schlechten Zustimmungswerten. Dafür aber: Wortgefechte mit Journalisten und der Vorwurf, sie würden "Fake News" berichten.

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Ziele, Forderungen, Dekrete: Trumps 100-Tage-Plan für Amerika

Donald Trump hat in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit viel vor. Das zumindest hat er in seinem "Donald Trump’s Contract with the American Voter" vorab angekündigt. Und mit diesen teils weitreichenden Forderungen hat er seine Wahl gewonnen. Die amerikanischen Wählerinnen und Wähler haben sich damit für einige grundlegende Veränderungen entschieden.


Je schriller die Vorwürfe, desto eher zeigt sich, wie gut viele US-Medien inzwischen arbeiten. Das war nicht immer so. Im Wahlkampf fungierten sie viel zu oft als bloßer Lautsprecher Trumps, der wusste, dass seine provokanten Aussagen schnell in den Überschriften landen würden. Es hat deshalb viel mit dem Verhalten der Medien zu tun, dass sich der lauteste aller Kandidaten am Ende die Präsidentschaftskandidatur sichern konnte - und nicht der fähigste.

Für Fernsehsender und Zeitungen war dies eine bittere Lektion, eine Lektion aber, aus der sie gelernt haben. Medien wie die Washington Post, die New York Times und CNN, die Trump zuletzt besonders scharf angriff, bieten ihm längst kein bloßes Podium mehr, sondern ihren Lesern Faktenchecks, Hintergründe und kritische Einordnungen. Wann immer Donald Trump nun also von "Fake News" spricht, offenbart er vor allem eines: das Problem, das er mit kritischem Journalismus hat. 

Manuel Kugler

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