Dienstag, 20.11.2018

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Köthen: In Deutschland läuft etwas schief

Jede Tat wird sofort instrumentalisiert - selbst wenn der Hergang unklar ist - 10.09.2018 11:24 Uhr

Demonstranten in der Innenstadt von Köthen. © Sebastian Willnow/dpa


Was sich seit dem Wochenende in Köthen in Sachsen-Anhalt abspielt, folgt einem Muster, das sich immer öfter, immer stärker beobachten lässt: Ein Deutscher wird Opfer einer Gewalttat, die Tatverdächtigen sind Flüchtlinge. Binnen weniger Stunden melden Rechte Kundgebungen an, zu denen dann auch Rechtsextreme kommen (in Köthen riefen Demonstrationsteilnehmer laut FAZ "National! Sozialismus! Jetzt! Jetzt! Jetzt!").

Wie sich die Gewalttat genau zugetragen hat, interessiert diese Menschen nicht, sie wissen bereits, wer schuldig und wer unschuldig ist, welche politischen Konsequenzen zu ziehen sind. Ermittlungsergebnisse, die man freilich nicht abwartet, interessieren nur dann, wenn sie die eigene Weltsicht bestärken. Tun sie das nicht, steckt Angela Merkel dahinter, oder die "Lügenpresse".

Ein Alleinstellungsmerkmal der Rechten ist dieses Vorgehen übrigens nicht - auch auf linksextremer Seite gibt es diese Selbstgerechtigkeit, genau zu wissen, was geschehen, was politisch geboten ist.

Lasst die Polizei ihre Arbeit machen!

Zwei Dinge scheinen Deutschland abhanden zu kommen: die Geduld, die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen. Und die Bereitschaft, anschließend ohne ideologische Scheuklappen darüber nachzudenken, ob politische Konsequenzen notwendig sind. Konsequenzen, die dann auch gezogen werden müssen. 

Schwinden diese Geduld und die Bereitschaft zur nüchternen Analyse, wird sich die Bundesrepublik weiter spalten. Zwischen denen, die das Bild eines Volkes zeichnen, das gewalttätigen Migranten schutzlos ausgeliefert ist. Und jenen, die Migrantenkriminalität für eine bloße Erfindung der Rechten abtun. 

Manuel Kugler Politikredakteur E-Mail

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