Demo in Nürnberg: Hebammen machen Lärm

8.3.2014, 14:34 Uhr
Demo in Nürnberg: Hebammen machen Lärm

© dpa

Es gibt zwei Gruppen von Hebammen: Jene, die fest angestellt in Krankenhäusern arbeiten und derzeit eher aus Sympathiegründen wütend sind. Und dann jene, die auf freiberuflicher Basis werdende Eltern beruhigen, Schwangere als Beleghebamme im Kreissaal begleiten und nach der Geburt bei Mutter und Kind nach dem Rechten schauen.

Und genau diese Gruppe ist es, die seit Monaten lautstark von sich hören macht. Zuerst wurden Hebammen zornig, weil sie immer teurere Haftpflichtprämien zahlen müssen. Ohne eine Versicherung aber, die für die Folgekosten von gesundheitlichen Schäden durch die Geburt aufkommen würde, darf keine Hebamme in den Kreissaal. 1981 lag die jährliche Gebühr bei knapp 31 Euro. Seit Juli 2012 sind es über 4400 Euro - unter anderem deshalb, weil Kinder, die wegen eines Geburtsschadens behindert bleiben, heute viel länger leben als früher und die Versicherung deshalb mitunter mehrere Millionen Euro für Betreuung, Pflege oder Lebensunterhalt zahlen muss.

Doch damit nicht genug: Ab Juli 2015 wird es überhaupt keine Versicherung mehr geben, an die sich Hebammen wenden können. Denn mit der Nürnberger Versicherung ist im Februar der letzte Anbieter auf dem Markt abgesprungen. Anfragen bei anderen Anbietern in Deutschland und im Ausland sind bis jetzt erfolglos geblieben.

Werdende Mütter können ihr Kind wahlweise im Krankenhaus zur Welt bringen, zu Hause oder in einem Geburtshaus. Deren Zahl in unserer Region ist seit der immer teurer werdenden Haftpflichtversicherung geschrumpft.

"Mamaprotest" im "Weißen Haus"

In Nürnberg gab es lange gleich zwei Geburtshäuser. Das Hebammenhaus in Schniegling war 1990 das erste überhaupt in Bayern - und bietet seit Sommer 2013 mit neuer Adresse in Fürth Begleitung nur noch vor und nach der Geburt an. Die zweite Einrichtung in Schoppershof musste 2011 komplett schließen. Aber: Seit Januar 2013 bietet der Verein "Mamaprotest", hinter dem acht Hebammen aus der Region stehen, im "Weißen Haus" wieder Geburten an.

Bis jetzt übrig geblieben in der Region sind zudem das Geburtshaus in Ansbach, das Geburtshaus in Altdorf, das allerdings ab Mai keine Entbindungen mehr anbietet, das Geburtshaus in Lauf sowie das Geburtshaus in Ammerndorf und das in Neustadt/Aisch.

Aus der Bevölkerung bekommen Hebammen Unterstützung. Aktuell läuft wieder eine Petition auf change.org. Mehr als 330.000 Sympathisanten haben den Appell an Gesundheitsminister Gröhe schon unterschrieben, in dem dieser aufgefordert wird, "das Koalitionsversprechen zu halten und in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit (bis zum 27.3.2014) eine Lösung für die Haftpflichtproblematik der Hebammen in Deutschland zu finden".

Am Samstag, den 8. März, gingen bundesweit wieder Hebammen und Eltern auf die Straße - auch in Nürnberg. Die ErMahnwache fand ab 10 Uhr vor der Lorenzkirche statt.

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