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Feuchte Hände und viel Vorfreude: Zwei Bayern fahren nach Baku

Der Weißenburger Werner und sein Partner Thomas erleben den Eurovision Song Contest live - 22.05.2012 20:36 Uhr

 

Zwei Bayern in Oslo: In Lederhosen waren Werner Horwath (links) und sein Partner Thomas beim ESC 2010 dabei. Auch in Baku wollen sie Tracht tragen.

Zwei Bayern in Oslo: In Lederhosen waren Werner Horwath (links) und sein Partner Thomas beim ESC 2010 dabei. Auch in Baku wollen sie Tracht tragen. © Werner Horwath


Am Mittwochnachmittag geht es los. Dann starten Werner Horwath und sein Partner Thomas das Unternehmen Baku. Es wird schon das dritte ESC-Finale sein, das sie miteinander live erleben. Aber vielleicht ist Horwath genau deshalb diesmal besonders aufgeregt. Weil er weiß, was für eine beeindruckende Show ihn erwarten wird. Der 38-jähriger Thomas ist ein wenig abgeklärter. „Ich wurde erst durch Werner zum Fan“, sagt er lächelnd. „Ich mag die Musik und freue mich darauf, dabei zu sein. Aber es ist nicht so, dass ich jetzt schon feuchte Hände vor Aufregung habe.“

Werner Horwaths Fan-Dasein reicht bis in seine Schulzeit in Weißenburg zurück. „Interessiert hat mich das schon seit Anfang der 70er“, erzählt er. „Richtig eingestiegen bin ich dann ab Mitte der 70er. Da hatte ich jedes Mal, wenn der Grand Prix im Fernsehen kam, den Kassettenrekorder an. Alle anderen mussten ruhig sein und ich habe mitgeschnitten.“

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Auf nach Baku: Zwei Bayern im Song-Contest-Fieber

Eigentlich sind sie schon fast alte Hasen: Beim Eurovision Song Contest in Oslo 2010 und Düsseldorf 2011 waren Werner Horwath und sein Partner Thomas nämlich bereits mittendrin. Doch jetzt wartet auf die beiden, die in München leben, Baku. Und da wird es Zeit, ein bisschen im privaten Fanalbum zu stöbern.


Klar, dass er sich an die Stars von damals erinnert. An die Les Humphries Singers, an die Brotherhood of Man, an Dschingis Khan – „das waren 1979 meine absoluten Lieblinge“ - , an Lena Valaitis und Nino de Angelo. Und selbstverständlich an Teach-In und Abba. Interpreten, Songs, Jahre, Austragungsorte: Horwath kann das alles verblüffend genau zuordnen.

1987 war er erstmals als Zuschauer bei einer Show dabei - bei der Vorentscheidung im Deutschen Theater in München. Gewonnen hat damals Nino de Angelo mit „Flieger.“ 2001 ging es dann das erste Mal nach Malta – zum dortigen Vorentscheid. Denn Horwath hatte über ein Internet-Forum den Komponisten Gerard James Borg aus Malta kennengelernt, und der lud ihn in seine Heimat ein. Seitdem treffen sich die beiden Freunde immer wieder.

2007 flogen Werner und Thomas zum ESC-Finale nach Helsinki. Eintrittskarten für das Finale hatte sie keine. Aber sie genossen das Public Viewing direkt in der Austragungs-Stadt. 2010 in Oslo hatten sie zwar Tickets für die Generalprobe und für ein Halbfinale. Für das Finale hatten sie sich wieder auf Public Viewing eingestellt, bis sich vier Stunden vorher ein Bekannter meldete und sie mit in die Show nahm.

„Das war überwältigend“, sagt Werner Horwath. „Noch viel toller, als ich es mir vorgestellt hatte.“ Und als dann Lena  den Sieg nach Deutschland holte, war für ihn und Thomas klar: In Düsseldorf wollen sie auch dabei sein. Über ihren deutschen Fanclub, den EC Germany, bekamen sie keine Eintrittskarten. Dessen Kontingent war viel zu klein, um alle Interessenten zu bedienen. Doch eine Freundin machte sie mit Fariz Gasimli bekannt, dem Präsidenten der aserbaitschanischen Gruppe des Fanclubs OGAE. Damals hatte der Club gerade einmal sieben Mitglieder. Die beiden Bayern wurden nummer acht und neun, bekamen Eintrittskarten für das Finale in Düsseldorf, erlebten im Block der Aserbaidschan-Fans den Sieg von Ell & Nikki  – und erleben seitdem, wie das ESC-Fieber in dem kleinen, bis dahin vom Rest der Welt kaum beachtete Land, grassiert.

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Trotz aller Begeisterung haben sich die beiden gut überlegt, ob sie wirklich nach Baku reisen wollen. „Wir haben uns die Frage gestellt, ob wir damit nicht ein totalitäres Regime unterstützen“, sagt Werner Horwath. Die beiden sind aber davon überzeugt, dass der ESC – trotz aller negativen Begleitumstände wie der Massenenteignung von Grundstücksbesitzern in Baku – „ein positives Erlebnis“ für die Menschen dort wird. „Der Song Contest bringt eine positive internationale Stimmung in eine Stadt“, beschreibt der 47-Jährige. „Und er hilft auch sicher der schwulen Minderheit in Aserbaidschan.“

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Thomas erklärt: „Für mich liegt die Bedeutung des ESC in drei Punkten.“ Da ist zum einen das Erleben der Musik an sich. Da ist zum zweiten das Aufeinandertreffen der verschiedensten Kulturen, bei dem der „Respekt und die Achtung vor den anderen“ im Vordergund steht. Und da ist die Politik. „Ich bin sicher, dass durch die Veranstaltung Druck auf die Staatspolitik Aserbaidschans entsteht“, sagt er.

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Der 38-Jährige erzählt, dass sich Freunde sogar sorgen, es könnte ihm und Werner in Baku etwas passieren. "Aber ich habe ja drei Jahre in China gelebt. „Ich kenne also die Phänomene in einem totalitären Staat.“ Dabei ist ihm klar, dass die Veränderung durch den ESC nicht unbedingt nachhaltig sein muss. „Es gibt in Aserbaidschan ein Gesetz, das Homosexuellen das Händchenhalten in der Öffentlichkeit verbietet. Dieses Gesetz ist jetzt für einen Monat ausgesetzt.“ Wenn es danach wieder in Kraft tritt, ist für die Homosexuellen in Baku alles wie vor dem ESC. Oder vielleicht auch doch nicht.

Nur fünf Tage bleiben den beiden Bayern allerdings Zeit, das Land zu erleben. Am Montag müssen die beiden bereits zurückfliegen. Dennoch sind sie sicher, viele Bekannte wieder zu treffen. Und eine großartige Zeit zu haben. Perfekt vorbereitet sind sie jedenfalls: Seit Monaten laufen bei ihnen zuhause die Lieder aus den Vorentscheidungen der Teilnehmerländer. Horwath hat sie über die  unterschiedlichsten Quellen aufgetrieben. Und in einer Münchner Bar haben die beiden vor vier Wochen die Videos von allen 43 Wettbewerbs-Liedern angeschaut und ein internes Ranking erstellt. Wie gut sie damit liegen, wird sich am Samstag zeigen.

Ersteinmal allerdings werden die beiden das zweite Halbfinale am Donnerstagabend vorort erleben. Und uns am Freitag einen Bericht von ihren Eindrücken und der Stimmung in Baku liefern. 

Gudrun Bayer

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