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Wirt lässt Neonazis nicht mehr ins Haus

Verfassungsschutz: Wiederholte Treffen Rechter im Fürther Gasthof „Wilhelmshöhe“ - 26.02.2013 11:00 Uhr

Mit einer Kundgebung protestierten am Samstag Linksaktivisten gegen Neonazi-Treffen im Gasthof „Wilhelmshöhe“. © Hans-Joachim Winckler


In einem offenen Brief an Stadtspitze und Stadtrat erklärt Gastwirt Jürgen Bakes, man habe ihm nicht die Chance gegeben, „meinen Fehler zu erkennen und abzustellen“, sondern aus einer „heimtückischen Anonymität“ heraus haltlose Anschuldigungen gegen ihn erhoben.

Am Samstag haben die Antifaschistische Linke Fürth (ALF) und das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus eine Kundgebung gegen Bakes’ Lokal veranstaltet. Rund 80 Menschen waren dem Aufruf gefolgt. Mit Transparenten und Flugblättern, die sie an der U-Bahn-Station Klinikum verteilten und in Briefkästen steckten, informierten sie über den angeblichen Nazitreff in der Nachbarschaft. Passanten reagierten überrascht und betroffen.

Im Brief ans Rathaus erklärt Bakes: „Ich behaupte nicht, dass dieser Personenkreis meine Gaststätte nicht besucht hätte.“ Doch seien ihm als einem „politisch völlig unmotivierten Gastronomen“, die Leute, „um die es hier geht, nie aufgefallen“. Den Linksaktivisten wirft er Rufmord vor. Er wolle einen Anwalt konsultieren, um abzuschätzen, welche Chancen er mit einer Anzeige hätte.

Ein Sprecher des Verfassungsschutzes hat am Freitag bestätigt, in der „Wilhelmshöhe“ hätten „wiederholt“ Treffen von Neonazis stattgefunden. Der Sprecher bestätigte auch, dass dort am 15. Februar Vertreter des rechtsextremen Vereins „Bund Frankenland“ und der griechischen Neonazi-Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) zusammenkamen. Bakes wiederum spricht von einer „Versammlung“ im Nebenzimmer. Worum es dabei gegangen sei, wisse er nicht.

Es liegt nahe, dass der Kameradschaftsdachverband „Freies Netz Süd“ (FNS) genau jene Veranstaltung beschreibt, wenn er im Internet tönt, dass „Mitte Februar“ in Fürth ein „größeres Publikum“ mittels Powerpointpräsentation über eine Athen-Reise der Neonazis Matthias Fischer (Fürth-Stadeln) und Sebastian Schmaus (Nürnberg) informiert wurde.

CSU geht auf Distanz

Bei der Zusammenkunft in Fürth, an der laut FNS „auch nationalgesinnte Griechen“ teilnahmen, war offenbar auch die Rede vom „Überleben der weißen Menschheit in Europa“ als gemeinsamem Ziel. Wie im Nürnberger Lokalteil der FN berichtet, werten Verfassungsschützer das Treffen in Fürth als Indiz dafür, „dass zwischen den Beteiligten eine dauerhafte Vernetzung angestrebt wird“.

Gastwirt Bakes hat die Szene um Matthias Fischer, die „zweimal“ bei ihm zu Gast gewesen sei, Mitte der Woche als „pflegeleichtes Publikum“ bezeichnet und gesagt, er sei auch auf diese Gäste finanziell angewiesen. Im Internet gab er unterdessen an, er und sein Personal wehrten sich „entschieden dagegen, einer faschistischen Gruppierung (...) bewusst einen Versammlungsort zur Verfügung zu stellen“. Er habe Servicekräfte und Köche „mit ausländischer Abstammung“, argumentiert er und könne „guten Gewissens sagen, dass bei uns Integration groß geschrieben und vorgelebt wird“. Zwar sei es ihm und seinem Team nicht möglich, jede Reservierung zu hinterfragen, doch könne er versichern, „dass in unserem Beisein zu keiner Zeit verfassungswidrige oder rassistische Aktivitäten stattgefunden haben.“

Bis alles geklärt ist, geht der CSU-Ortsverband Hardhöhe-Eigenes Heim auf Distanz zu seinem traditionellen Versammlungsort. Seine Neuwahlen finden nun am 8. März in der CSU-Geschäftsstelle statt. Vorsitzende Andrea Heilmaier hatte zwar „nie Probleme“ mit dem Wirt, will aber „nicht in den Ruch kommen, mit Neonazis etwas zu tun zu haben“. 

Birgit Heidingsfelder

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