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Bunker am Obstmarkt soll zum Museum werden

Schutzraum könnte Ausstellungslücke im Angebot der Stadt schließen - 25.09.2013 07:00 Uhr

Der Bunker unter dem Obstmarkt könnte zum Museum werden und damit eine Ausstellungslücke im Angeot der Stadt schließen. © Michael Matejka


Die knapp 900 Quadratmeter große Anlage war eine von sechs Tiefbunkern, die zwischen 1940 und 1943 errichtet wurden. Denn die NS-Parteigrößen wussten ebenso wie lokale Verantwortliche für den Zivilschutz, was der Bevölkerung drohte. Im nördlichen Teil des Bunkers sollte ursprünglich die „Befehlsstelle Rathaus“ untergebracht werden. Diese Absicht wurde später jedoch aufgegeben; insgesamt fanden ab September 1942 bis zu 450 Schutzsuchende Platz in den unterirdischen Räumen.

Angesichts der flächendeckenden Zerstörung - zwischen Rathaus und Herrenschießhaus erstreckte sich eine einzige Steinwüste - wurden die Räume auch nach Kriegsende weiter dringend benötigt. Zunächst fanden Obdachlose eine notdürftige Bleibe, von Sommer 1948 bis 1950 war der Bunker als „Hotel am Ratskeller“ eingerichtet und vermietet.

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Was viele Leute nicht wissen: Unter dem Deutsche Bahn Museum in Nürnberg liegt ein atombombensicherer Bunker. Und dass schon seit 1937. Ursprünglich wurde er als Befehlszentrale für die Reichsbahn eingerichtet, 1973 wurde er atombombensicher gemacht. Heute ist der Bunker nur noch ein skurriles Zeugnis des Kalten Krieges.


Einige Waschbecken und Badewannen sowie technische Anlagen sind heute noch original erhalten, ebenso verschiedene Wandzeichnungen mit Nürnberger Motiven. Nach Ansicht der SPD-Fraktion und des Ortsvereins Altstadt bieten die Bunkerräume einen authentischen und eindrucksvollen Rahmen, um persönliche Schicksale und die Überlebenskunst während des Krieges ebenso darzustellen wie die historischen Zusammenhänge.

Obstmarkt im Wandel der Jahrhunderte

Auch die unwiederbringlichen Verluste an Baukultur und der Wiederaufbau sowie der Obstmarkt im Wandel der Jahrhunderte stehen für die Sozialdemokraten auf der Liste möglicher Themen. Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern wie dem Förderverein Nürnberger Felsengänge und kundigen Historikern soll für Qualität bürgen. „All das muss aus unserer Sicht eingebettet sein in die bestehende Friedens- und Erinnerungsarbeit der Stadt“, betont Stadträtin Christine Kayser. „Einen isolierten Blick auf die Bombardierungen Nürnbergs ohne Erklärung, wie es dazu kam, lehnen wir ab.“

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All das seien freilich nur Stichpunkte für ein inhaltliches Konzept, das erst noch zu erarbeiten ist - die Klärung der Finanzierung wäre dann der übernächste Schritt. „Vorerst wollen wir vor allem die Möglichkeit offenhalten, eine Lücke in der Ausstellungslandschaft zu schließen“, betont Fraktionschef Christian Vogel. Deshalb soll der Bunker gestalterisch wie thematisch bei der künftigen Platzgestaltung Berücksichtigung finden.

Das ist schon deshalb unerlässlich, weil einer der beiden Zugänge direkt auf dem Obstmarkt liegt - derzeit versteckt unter der Vitrine eines Pelzgeschäfts (der andere Zugang befindet sich im Rathaus).

Die Planungen, die an die Ergebnisse eines Wettbewerbs anknüpfen, sollen nach SPD-Vorstellungen im kommenden Jahr beginnen und ab 2016 umgesetzt werden. „Dabei hat der Obstmarkt für uns eindeutig Vorrang vor der ebenfalls geplanten Neugestaltung des Hauptmarkts“, stellen Vogel und Kayser klar, auch um die Befürchtung zu entkräften, es handle sich nur um ferne Zukunftsmusik. 

Wolfgang Heilig-Achneck (Nürnberger Nachrichten)

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