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EM 2024 in Nürnberg: Wie baufällig ist das Stadion?

Unabhängig von der Bewerbung gibt es etliche Baustellen - 25.02.2017 07:57 Uhr

Eine kontroverse Debatte über die mögliche Austragung der der Europameisterschaft 2024 in Nürnberg ist in vollem Gange. © Daniel Karmann/dpa


Von "toll" über "sehr mutig" bis zu "rausgeschmissenes Geld" ist alles dabei. In den sozialen Netzwerken und auf diversen Online-Plattformen wird das Interesse der Stadt, bei einer EM in Deutschland 2024 Austragungsort zu sein, heftig diskutiert.

Vor allem die negativen Reaktionen sind es, die Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel nicht nachvollziehen kann. "Ich lese die Kommentare auch und frage mich immer wieder, woher die Schreiber mehr wissen als wir", rätselt der Werkleiter des Stadions. Was er damit sagen will: Die Vorgaben des DFB an die Stadien, mit denen er sich für die EM bewirbt, kennt momentan nur der DFB selbst. Insgesamt 18 Stadien wetteifern um die begehrten Plätze. 

DFB-Voraussetzungen im April

"Wir erfahren im April, welche Voraussetzungen wir erfüllen müssen und erst dann kann man weitersehen." Bis dahin rede man hier über "ungelegte Eier", sagt Vogel weiter. Keine ungelegten Eier sind hingegen die Baustellen, die dem Stadion sowieso und vollkommen unabhängig von einer Europameisterschaft bevorstehen.

Dazu gehört etwa die Erneuerung des Daches über der Haupttribüne sowie - der Befund steht noch aus - gegebenenfalls auch der Dachflächen von Nordwest- und Südwestkurve. Außerdem müssen die Pylonen auf der Haupttribüne saniert und das Flachdach abgedichtet werden.

"Unser Stadion ist weder baufällig noch marode"

Für letzteres komme eventuell sogar ein Neubau in Frage, der dann mit einer Photovoltaik-Anlage versehen werden soll, heißt es seitens der Stadt. Daneben stehen mehrere kleinere Arbeiten an, wie die Sanierung der Treppen und einiger Toilettenanlagen. Das Dachentwässerungs-System muss instand gesetzt werden, und sukzessive sollen auch die alten Kameras der Polizei-Videoanlage im Stadionumfeld gegen modernere Geräte ausgetauscht werden.

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"Ein Stadion, das in seinen Grundzügen fast 90 Jahre alt ist, ist eben kein neues Stadion", sagt Vogel und spricht bei allen Arbeiten von "normalen Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen". Das Stadion wurde 1928 gebaut und 1987 mit großem Aufwand generalsaniert. Im Jahr 2004 gab es vorbereitend auf die Fußballweltmeisterschaft eine weitere Generalsanierung. Vor allem betont Vogel zudem eines: "Unser Stadion ist weder baufällig noch marode." 

Keine weitere Absenkung möglich

Das sieht auch Klaus Werthner so. Der Landschaftsarchitekt war für die beiden Generalsanierungen des Stadions verantwortlich. Er kennt den Bau also wie kein zweiter und weiß deswegen auch: "Ein Umbau zu einem reinen Fußballstadion ohne Laufbahn, wie von vielen vor allem jetzt in Zusammenhang mit der EM 2024 wieder erhofft und gewünscht, ist nicht möglich."

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Das "Max-Morlock-Stadion", der oft geäußerte Wunsch vieler Club-Fans, rückt näher. Die Arena des Altmeisters könnte bald schon nach der Vereinsikone, die Deutschland 1954 in Bern zum Weltmeister machte und für den FCN über 22 Jahre lang Treffer an Treffer reihte, benannt sein. Einen Sponsor gibt's bereits. Doch wie hieß die Spielstätte der Rot-Schwarzen eigentlich früher? Auf jeden Fall vielversprechend: Ausgerechnet Victory-Stadium tauften sie die Amis nach dem Zweiten Weltkrieg.


"Das Spielfeld kann nicht mehr weiter gesenkt werden, weil man bereits am Grundwasserspiegel liegt", sagt Werthner. Eine Absenkung wäre aber notwendig, wenn man auf die Laufbahn verzichtet und stattdessen die Tribünen verbreitert. Und dann hätte man noch ein weiteres Problem: Auf vielen Plätzen würden die Zuschauer nichts mehr sehen. "Wir haben das Spielfeld für die WM bereits um 1,50 Meter abgesenkt. Die Sichtlinien lassen keine weitere Absenkung zu", so Werthner.

Überlegungen, die für Bürgermeister Christian Vogel aber sowieso nicht anstehen: "Wenn der DFB seine Vorgaben gemacht hat, werden wir mit dem Stadtrat entscheiden, wie wir weitermachen." Nürnberg habe als Ausrichter sicherlich Schwächen, aber auch viele Stärken. "Wir punkten mit einer zentralen Lage und guter Erreichbarkeit sowie mit gekonnter Organisation einer solchen Veranstaltung", sagt Vogel. Und so wolle man sich auch beim DFB präsentieren — wenn es dann einmal nicht mehr um ungelegte Eier geht. 

Stefanie Taube

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