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Essen in der U-Bahn: Braucht Nürnberg ein Verbot?

Ein Vorfall hatte schon vor Jahren eine Debatte in Nürnberg ausgelöst - 24.08.2018 06:00 Uhr

Hinweisschilder wie dieses zeigen in den Nürnberger U-Bahnen an, was erlaubt ist und was nicht. Speisen, die stark riechen oder tropfen, sind demnach unerwünscht - aber nicht verboten. © Annalena Sippl


Der kleine Snack zwischendurch, die fettigen Fritten oder der saftige Döner sind gestrichen - zumindest in den Wiener U-Bahnen ist das schon bald Realität. Die deutliche Mehrheit der über 50.000 befragten Wiener hat sich für ein generelles Essverbot während der Fahrt im Untergrund ausgesprochen. Ganz besonders störend empfinden die Wiener laut der Umfrage den Verzehr von Fastfood wie Pizza, Burger und Co. in der Bahn. Ab September tritt die neue Regel nun erst in einer U-Bahn-Linie in Kraft, ab Mitte Januar 2019 muss das Essen dann in allen Wiener U-Bahnen in der Tasche bleiben. Ob es Strafen bei Verstößen gegen die Neuregelung gibt, sei allerdings noch offen, hieß es aus Wien. Erst im Juli hatte die Wiener U-Bahn mit einer ungewöhnlichen Aktion für Aufsehen gesorgt - angesichts der Hitze wurden dort Gratis-Deos verteilt.

Ärger um Gebäck-Krümel oder den Geruch des Kebabs? Dieses Problem hat auch in Nürnberg schon einmal hohe Wellen geschlagen, erklärt Pressesprecherin Elisabeth Seitzinger von der VAG (Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg). Ein Vorfall an einer Haltestelle hatte im Jahr 2009 eine Debatte ausgelöst: Damals wollte eine Frau mit einem Eis mit brüchiger Schokoglasur in einen Bus einsteigen. Um Flecken zu vermeiden, bat der Fahrer die Frau, das Stiel-Eis doch draußen aufzuessen. Er erklärte zudem, dass sein Bus ohnehin noch länger an der Haltestelle warten würde. "Die Frau war so verärgert darüber, dass der Busfahrer ihr es offensichtlich nicht zutrauen würde, das Eis ordentlich zu essen, dass sie nicht in den Bus stieg", erzählt Seitzinger.

Der Vorfall löste schnell eine große Diskussion um ein generelles Essverbot im Nahverkehr aus, das auch VAG-intern sowohl Befürworter als auch Gegner fand. Auch in Nürnberg wurde dazu eine Umfrage gestartet - wie in Wien sprachen sich hier die meisten Befragten für das Verbot aus. Doch da die Mehrheit nicht allzu erdrückend ausfiel, entschied die VAG es auf einem anderem Weg zu versuchen: "Im Jahr 2010 haben wir die Hinweisschilder in den Bahnen angebracht und die Situation hat sich seitdem deutlich verbessert", erklärt Seitzinger. Ein Burger und eine Eistüte sind auf den Schilder zu sehen, darüber steht: "Bitte nicht". Weiterhin weisen durchgestrichene Symbole auf ein generelles Rauch- und Alkoholverbot in den Bahnen hin. 

Verbote bei privaten Busunternehmen 

Die U-Bahnen, die mehrmals täglich an den Endbahnhöfen durch ein Team gesäubert werden, seien seit 2010 viel weniger verschmutzt als zuvor. "Meist handelt es sich um stehen gelassene Kaffeebecher, Zeitungen oder Verpackungsmüll", sagt Pressesprecherin Seitzinger Wegen der deutlichen Verbesserung der Situation zieht die VAG ein Essverbot in den Bahnen deshalb momentan nicht in Erwägung. "Jeder Fahrer entscheidet selbst, ob er eine Person auffordert, das Essen einzupacken oder draußen zu essen. Das ist eine Ermessenssache", so Seitzinger. Es gebe jedoch einige private Busunternehmen im VAG-Gebiet, bei denen ein striktes Essverbot gelte.

Auch Manfred Rupp, Pressesprecher der VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg), jener Dachorganisation, bei der auch die VAG Mitglied ist, weist darauf hin, dass die Verkehrsunternehmen sich in solchen Fällen auf ihr Hausrecht berufen können, denn eine einheitliche Regelung für Verkehrsbetriebe gäbe es nicht. "Das ist ja auch gut so, denn die Verkehrsbetriebe selbst kennen ihre eigene Betroffenheit immer am besten."

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Ein generelles Essverbot hält auch er für unnötig und spricht dabei eine regionale Besonderheit der Noris an: "In Nürnberg haben wir an etlichen Haltestellen Brezen-Verkäufsstände. Die werden hier eben auch gerne während der Bahnfahrt gegessen. Und es wäre ja wirklich widersinnig, solche Verkäufs-Häuschen erst aufzubauen, dann aber den Verzehr der Brezen in den U-Bahnen zu verbieten."

Ein solches Brezen-Häuschen wird wohl bald am Nürnberger Hauptbahnhof öffnen: Wegen der Bauarbeiten ist dort eine der Treppen hinunter zu den U-Bahnen momentan gesperrt. "Hier entsteht ein Ticket-Store der VAG mit Brezen-Café", steht auf dem großen Banner am Bauzaun - ein deutlicher Hinweis auf die Symbiose zwischen Nahverkehr und Knabberei. Noch mehr Brezen also für die Nürnberger, die ihre Leckereien aber auch künftig guten Gewissens in der U-Bahn genießen dürfen. 

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Annalena Sippl Online-Redaktion E-Mail

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