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0:1 in Berlin: FCN muss sich den Eisernen spät beugen

Club hält den Hausherren lange Stand - Hosiner macht Union zum Spitzenreiter - 20.03.2017 22:08 Uhr

Der Joker sticht: Der eingewechselte Philipp Hosiner war der Berliner, der dem FCN spät das Nachsehen gab.

Der Joker sticht: Der eingewechselte Philipp Hosiner war der Berliner, der dem FCN spät das Nachsehen gab. © Sportfoto Zink / DaMa


Weil beim FC Union aus Berlin-Köpenick derzeit ja fast alles funktioniert, war am Montagabend natürlich auch das Stadion voll. Überall auf dem Weg dorthin standen Menschen, die eilig ein paar Plakate gekritzelt hatten: "Suche Karte". Am Stadion hingen andere Plakate: "Ausverkauft" stand darauf. 21.210 Menschen waren gekommen, nur im Gästeblock waren ein paar Plätze frei geblieben. Überraschend war das nicht: Union ist die beste Mannschaft der Rückrunde, 2017 haben sie so viele Punkte geholt wie kein anderer Zweitligist und dabei natürlich mehr Tore geschossen und weniger quittieren müssen als die versammelte Konkurrenz. Und weil sie gerade so gut unterwegs waren, wollten sie auch noch das Unmögliche möglich machen – zum ersten Mal seit 1920 wieder gegen den 1. FC Nürnberg gewinnen.

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0:1-Niederlage in Berlin: So haben Sie die Club-Profis benotet

Der FCN beginnt in Berlin mutig und bietet dem Aufstiegsanwärter über 80 Minuten lang erfolgreich Paroli. Dann erlöst ein Joker die Unioner, die dadurch jetzt Tabebellenführer sind. Danach waren Sie gefragt, die Spieler zu benoten- Und hier sind die Ergebnisse.


Es ist gelungen. Beim 0:1 (0:0) wehrte sich der Club zwar lange, musste kurz vor dem Ende aber doch das Tor das Abends durch Philipp Hosiner hinnehmen. Mit Blick auf den Saisonverlauf war das keine große, angesichts eines engagierten Gästeauftritts aber doch eine kleine Überraschung.

Die falsche Neun debütiert beim Club

An der hatte sich vor dem Anpfiff wieder einmal Michael Köllner versucht. Dass Eduard Löwen mitspielen durfte, war anders als vor Wochenfrist gegen Bielefeld schon keine Besonderheit mehr. Dass aber Kevin Möhwald ganz vorne im Angriffszentrum für Unruhe bei den kantigen Berliner Innenverteidigern sorgen sollte, dass hatte man nicht unbedingt erwartet. Fast ein Jahrzehnt nachdem die spanische Nationalmannschaft die sogenannte falsche Neun in der Fußballwelt zu einem festen Begriff gemacht hat, war sie beim 1. FC Nürnberg angekommen.

Noch überraschender als Möhwald im Sturmzentrum aber war, dass der Club so aufgestellt gar nicht schlecht aussah in der Alten Försterei. Nicht wie die Spanier zwar, aber doch wieder wie ein etwas ambitionierterer Zweitligist, der neuerdings Gefallen am Kurzpass gefunden hat. Nach neun Minuten wurde das mit der ersten Torgelegenheit belohnt: Tobias Kempe verzichtete da allerdings auf jeden Pass, vertraute auf seine technischen Fähigkeiten – und setzte den Ball am Ende seines Solos aus sieben Meter über das Tor.

Salli probiert's gewieft

Dass Union die Möglichkeit ergreifen wollte, mit dem sechsten Sieg in Serie einen Vereinsrekord aufzustellen, bemerkte man zunächst nicht. Allerdings hatten die Gäste Glück, als Edgar Salli im Strafraum Christopher Trimmel zu Fall brachte, Schiedsrichter Jochen Drees aber keine Lust auf einen Elfmeterpfiff zeigte. Auf der anderen Seite sah Salli dann nach 29 Minuten deutlich besser als, als Torwart Daniel Mesenhöler seinen Heber aus 20 Metern nur mit einiger Mühe über die Latte lenken konnte.

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Drees vom Platz, Polter an den Pfosten - und Hosiner ins Club-Herz

Lange Zeit war es ein müder Kick in Köpenick, dann begann der Club Mitte der zweiten Halbzeit zart damit, aufzudrehen - und wurde jäh durch eine Verletzung des Schiedsrichters gestoppt. Es folgten ein Pfostenschuss, ein Tor und sechs Minuten Nachspielzeit. Und der FCN zog den Kürzeren.


Erst jetzt wurde Union etwas spielfreudiger, brachte es aber nur zu zwei Distanzschüssen des ehemaligen Nürnbergers Sebastian Polter, beide landeten nur knapp neben dem linken Pfosten des Nürnberger Tores. Eine halbe Stunde war da absolviert, danach fand der Club wieder mehr Vertrauen ins eigene, aber noch ungewohnte Spiel mit den vielen Passstafetten. Bis zur Pause blieb es ruhig, was die Nürnberger mehr freute als die Unioner, die endlich einmal in die erste Liga aufsteigen wollen.

Dass es gelingen kann, daran glauben sie bei Union so fest, wie es die eigene Zweitligageschichte eben zulässt. Allerdings sah auch in der zweiten Hälfte der 1. FC Nürnberg nicht viel schlechter aus als der Tabellenzweite. Mit viel Laufarbeit schaffte man es, die Berliner von den gefährlichsten Zonen fern zu halten – und hatte selbst durch Kempe nach 64 Minuten die erste Halbchance der Halbzeit, aber der Nürnberger setzte den Ball ebenso knapp neben den Pfosten wie Polter in Durchgang eins.

Drees-Pause weckt Union auf

Dass das ganze eine anstrengende Angelegenheit war, merkte erstaunlicherweise der Schiedsrichter als Erster. Eine Viertelstunde vor dem Ende verabschiedet sich Drees in eine Behandlungspause in die Kabine. Als Drees wieder kam, sah er gleich zwei große Berliner Chancen: Erst rettete Behrens in höchster Not gegen Hedlund, dann traf Polter, der alleine vor Schäfer aufgetaucht war, nur den Pfosten. Auf der Gegenseite vergaben Ishak und Möhwald eine hervorragende Kontergelegenheit – was praktisch im Gegenzug bestraft wurde, als Hosiner von Polter bedient wurde und Schäfer aus kurzer Distanz überwand. Union gelang nicht alles an diesem Abend, gereicht hat es dennoch.

+++ Der Live-Ticker zum Nachlesen +++

1. FC Union Berlin: Mesenhöler - Trimmel, Leistner, Puncec, Parensen (52. Schönheim) - Fürstner - Kroos (74. Hosiner), Kreilach - Skrzybski, Polter, Hedlund (90. +2 Redondo)

1. FC Nürnberg: Schäfer - Brecko, Margreitter, Bulthuis, Lippert - Petrak (88. Baumann) - Kempe (79. Ishak), Behrens, Löwen, Salli (61. Hufnagel) - Möhwald

Tore: 1:0 Hosiner (83.) | Gelbe Karten: Polter - Lippert, Salli, Petrak | Schiedsrichter: Drees (Münster-Sarmsheim) | Zuschauer:  21.210 

Fadi Keblawi

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