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4:3 gegen Hradec Kralove: Ice Tigers jubeln bei CHL-Heimdebüt

Nürnbergs beste Puck-Jäger brachten das Eis zum Brennen - 07.09.2018 22:31 Uhr

Es war ein enges Match - am Ende behielten die Thomas Sabo Ice Tigers in der CHL aber die Oberhand. © Sportfoto Zink


Nach sieben Minuten explodierte das Messgerät. Zu den kleinen Unterschieden, in denen sich ein CHL- von einem DEL-Spiel unterscheidet, zählt ein digitaler Lautstärkemesser, der die Stimmung noch ein wenig anheizen sollte. Wirklich nötig war das in der Arena Nürnberger Versicherung nicht. Als das Spielzeug auf dem Videowürfel erschien, wurde es nur unwesentlich lauter. Nürnberg hatte sich offenbar auf diesen ersten echten Champions-League-Abend gefreut.

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Die Ice Tigers scheinen angekommen im der Champions League Hockey (CHL). In ersten Spiel in der heimischen Arena schlug die Gaudet-Truppe den tschechischen Halbfinalisten Hradec Kralove. Dafür brauchte es aber die Overtime - und einen Chris Brown, der zubiss. Wir haben die Bilder!


Vor 19 Jahren hatten die Ice Tigers schon einmal in einer Europaliga antreten dürfen. Weil das Lindestadion den Organisatoren der European Hockey League damals zwar ehrwürdig, aber eben auch ein wenig zu alt erschien, musste der deutsche Vizemeister seine Heimspiele in Regensburg austragen. Und vor zehn Jahren war mit dem SC Bern der Gast in der Arena zwar erstklassig, aber eben auch ein klein wenig zu gut für den Hauptrundensieger der DEL, weshalb es bei diesem einen Qualifikationswochenende für die CHL blieb. An diesem Freitagabend aber gab es kein "aber" mehr. Drei Hymnen wurde gespielt – ja, auch diese Champions League hat eine Hymne – und um 19.30 Uhr war Nürnberg, 38 Jahre nach der Gründung des EHC 80, endlich und endgültig in der Königsklasse angekommen. So viel zur Stimmung.

Premiere für Gaudet

Sportlich war es keine Überraschung, dass sich zwischen dem deutschen und dem tschechischen Halbfinalisten ein intensives Spiel entwickelte. Nach 60 Minuten und 29 Sekunden hatte sich Nürnberg gegen Mountfield Hradec Kralove mit dem 4:3 (1:2, 1:0, 1:1, 1:0) in der Verlängerung zwei wichtige Punkte erkämpft.

Auch für Kevin Gaudet war es eine Premiere. Dass die Herausforderung "Champions League" bereits im September so viel Improvisationsgeschick erfordern würde, hat den dreimaligen Zweitligameister wohl selbst überrascht. Oliver Mebus, Tom Gilbert, Dane Fox, Petr Pohl und Mike Mieszkowski sind derzeit verletzt, Philippe Dupuis wegen seines Kniechecks beim 3:9 in Oulu an diesem Wochenende gesperrt. Unter der Woche hatte sich die Personalsituation derart verschlechtert, dass die Ice Tigers kurzfristig ihren Gastspieler Huba Sekesi für die beiden Heimspiele gegen Mountfield HK und Kärpät Oulu (Sonntag, 17 Uhr/Sport1 und DAZN) unter Vertrag nahmen. Der 25-Jährige blieb dann allerdings ohne eine Sekunde Eiszeit – und das obwohl Chris Browns Nase zwischendurch offensichtlich arg ramponiert wurde. Der Texaner spielte einfach mit zwei Wattestäbchen in der Nase weiter. Ein Einsatz, der sich noch lohnen sollte.

Volle Kapelle bei den Gästen

Die Gäste traten hingegen mit einer vollen Mannschaft an und dementsprechend auf. Niklas Treutles herausragende Parade gegen Radovan Pavlik (8. Minute) war nur der spektakulärste Arbeitsnachweis des Nationaltorhüters an diesem Abend. Wie eine Woche zuvor in Hradec Kralove gab Treutle seiner Mannschaft jede Chance auf einen Sieg. Die Tschechen waren gedanklich und körperlich schneller, allerdings war diese Partie nach der 1:2-Heimniederlage auch ihr erstes Endspiel um Platz zwei in Gruppe drei. Und als Brandon Segals Schuss von der Bande bei angezeigter Strafe den Weg ins Tor fand, (17.) entsprach das nicht unbedingt den Kräfteverhältnissen. Nur 110 Sekunden später hatte Hradec Kralove korrigiert: Tomas Vincour (17.) und Dominik Granak (18.) profitierten bei ihren Treffern von klugen Pässen und der Unordnung in der Nürnberger Abwehr.

Magie von Buck

Nach dem ersten Seitenwechsel wurde das Spiel ruhiger, Nürnberg aber konnte nur kämpferisch überzeugen – bis Brandon Buck in Unterzahl einen kapitalen Fehlpass von Brandon Maxwell provozierte und den armen Torhüter austanzte. Gerade von den vermeintlichen neuen Leistungsträgern Will Acton und Buck war bis dahin wenig zu sehen. Das 2:2 aber wichtig. Verheerend aber war auch diesmal die Disziplin der Ice Tigers. Wie bei den Auswärtsspielen leisteten sich Milan Jurcina und Brown dumme Fouls. Browns vier Strafminuten bestraften die Gäste. Matej Chalupa stand vor seinem 2:3 völlig frei (48.). Brown hatte etwas gutzumachen – und machte es mit dem erneuten Ausgleich gut (51.) und seine Ice Tigers munter. Patrick Reimer kickte den Puck mit dem linken Schlittschuh ins Tor (55.). Buck scheiterte mit dem Schläger (59.).

In der Verlängerung aber war es erneut Buck, dessen großartigen Pass erneut Brown kunstvoll an Maxwell vorbei ins Netz zauberte (61.). Gut, dass der Lautstärkemesser da nicht mehr im Einsatz war. Den Lärm hätte er nicht überstanden.

Nürnberg: Treutle; Festerling/Aronson, Weber/Jurcina, Stephan/Bender, Grosse – Brown/Buck/Pföderl, Reimer/Acton/Alanov, Weiß/Bast/Segal, Kislinger, Sekesi.

Hradec Kralove: Maxwell; Zamorsky/Linhart, Cibulskis/Granak, Pavlik/Rosandic, Havranek – Paulovic/Koukal/Rakos, Vincour/Cingel/Pavlik, Berger/Bicevskis/Miskar, Vopelka/Kukumberg/Bezuch.

Tore: 1:0 Bast (16:09), 1:1 Vincour (16:40), 1:2 Granak (17:59), 2:2 Buck (38:48/4-5), 2:3 Chalupa (47:22/5-4), 3:3 Brown (50:37), 4:3 Brown (60:29). - Schiedsrichter: Haszontis (Ungarn)/Rohatsch. - Zuschauer: 4081. - Strafminuten: 10 – 12. 

Sebastian Böhm

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