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Karriere nach der Karriere: Fürths Hilbert fängt wieder Feuer

Der Ex-Nationalspieler aus Forchheim nimmt neue Ziele in den Blick - 19.01.2019 08:48 Uhr

Roberto Hilbert blickt jetzt nach vorne: "Ich bin an einem Punkt, an dem ich mir nichts mehr beweisen muss". © Sportfoto Zink / WoZi


Ob er gerade bei Kaffee und Kuchen störe, fragt Roberto Hilbert belustigt. Mit dieser Einleitung beginnt ein nachmittägliches Telefongespräch, bei dem die gute Laune des gebürtigen Forchheimers keineswegs aufgesetzt wirkt.

Düsterer klangen die Worte vor wenigen Wochen, als er öffentlich den Frust über sein Reservistendasein beklagte. Nur drei Einsätze stehen aus der laufenden Runde zu Buche. Schon bei der vorigen Station in Leverkusen kämpfte der Rechtsverteidiger nach einem zwischenzeitlichen Höhenflug dagegen an, aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Hilbert bekräftigt: "Wenn du mittendrin bist, willst du am liebsten bis 40 weitermachen. Ich habe auch jetzt in der Vorrunde nicht ans Aufhören gedacht, weil ich ja noch mithalten kann."

Zurück an den Ronhof

Allein die Perspektive, die die Verantwortlichen bei einem vorweihnachtlichen Zusammentreffen mit Blick auf die verbliebenen sechs Vertragsmonate zeichneten, gaben Anstoß zur Neuausrichtung. "Ich habe eine Chance geboten bekommen für einen sauberen Übergang. Das schaffen nicht alle", sagt der Ex-Nationalspieler. Die Mutter, die Partnerin, der Berater und mancher sportliche Weggefährte unterstützten die Entscheidung, die schließlich abrupt zu Jahresbeginn vollzogen wurde. Freilich galt es auch, die Umstände eines neuerlichen Umzugs und Abenteuers gegen die zurückgewonnene Liebe an und in der Heimat abzuwägen. "Ich bin an einem Punkt, an dem ich mir nichts mehr beweisen muss", erklärt der dreifache Familienvater, der im Sommer 2017 eine Phase als vereinsloser Spieler erlebte, ehe ihn der einstige Ausbildungsverein im Herbst zurückholte.

"Positiv trainingsgestört"

Nur selten fiel der Routinier in einer von lähmender Abstiegsangst geprägten Saison als die erhoffte Führungsfigur auf, doch unerschütterliche Attribute wie Ehrgeiz und professionelle Einstellung werden im Verein nach wie vor geschätzt. Seit dem 7. Januar gehört Hilbert offiziell dem Stab der U23 an, in der mit Daniel Adlung ein weiterer ehemaliger Profi als spielender Übungsleiter fungiert. Die Stelle als Athletiktrainer "passt perfekt zu mir. Ich bin ja weniger der große Redner", glaubt Hilbert: "Ich habe zu meiner aktiven Zeit private Fitnessprogramme erprobt und bezeichne mich gerne als positiv trainingsgestört." Neben der praktischen Arbeit werde er sich in die wissenschaftliche Theorie vertiefen. Nach eineinhalb bis zwei Jahren Ausbildung, so der Plan, werde über eine Anschlussbeschäftigung gesprochen.

Ansprechpartner und Aushilfskraft

Wiewohl sich einer wie Hilbert genau so auf diesem Bildungsweg die Rückkehr zu den Profis in den Kopf setzt, genießt er zunächst die Gegenwart. Dort wolle er, ein Kind der alten deutschen Fußballschule, dessen größte Begabung schon auf dem Bolzplatz einer schweren Jugend die Einsatzbereitschaft war, jedoch kein Schleifer nach dem Vorbild eines Felix Magath sein. "Es geht um einen positiven Ansatz, sich freiwillig zu quälen. Ich kann mich in die Jungs hineinversetzen. Als junger Spieler hast du noch ein anderes Bewusstsein für deinen Körper."

Während die Regionalliga-Talente also einen fordernden und verständnisvollen Ansprechpartner kennenlernen, der bei Bedarf noch selbst auf dem Platz mitwirkt, verliert Roberto Hilbert trotzdem manchen Gedanken an die alten Kollegen. "Ich bin irgendwie auch froh, nicht mehr zweimal am Tag laufen zu müssen." So beginnt der Tag im neuen Berufsleben wesentlich später - und bietet frische Optionen wie einen Nachmittagskaffee. 

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Kevin Gudd Nordbayerische Nachrichten Forchheim und Ebermannstadt E-Mail

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