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Nach der Ära Hack: Kleeblatt vor schwierigem Neustart

Horror abhaken, aufbauen und für die Zukunft formieren - 01.08.2018 07:46 Uhr

Sag’ zum Abschied leise Servus: Die Zeit nach Helmut Hack beginnt. Es wird eine Phase der Neuorientierung beim Kleeblatt. © Sportfoto Zink


Im Vorfeld einer Saison ein Ziel zu formulieren, kann eine recht heikle Aufgabe sein. Man wird in den kommenden Monaten stets an dieser Vorgabe gemessen. Liegt die Latte zu hoch, wird die Last mit jedem Punktverlust größer. Wer zu tief stapelt, büßt schnell mal Glaubwürdigkeit ein. Bei der SpVgg Greuther Fürth aber hat die diesbezügliche Zurückhaltung einen ganz anderen Grund.

Der Nachhall war gewaltig. Als der fränkische Fußball-Zweitligist Mitte Mai mit dem 1:1 am letzten Spieltag in Heidenheim den Klassenerhalt eingetütet hatte, brach die Anspannung der zurückliegenden Monate aus Spielern wie Verantwortlichen heraus. Alles lag sich in den Armen, aus anfänglicher Ungläubigkeit wurde tiefe Erleichterung, und auf der Tribüne soll Präsident Helmut Hack nicht wenige Tränen vergossen haben. Doch das glückliche Happy End nach einer Horrorrunde wollten sie beim Kleeblatt schnell als Verpflichtung verstehen. Schon wenige Tage danach war klar: Ein "Weiter so" wird es nicht geben.

Auf der Suche nach sportlicher Konstanz

Was sich seitdem zwischen Chefetage und Spielerkabine zuträgt, ist die Folge dieser Erkenntnis, nicht minder aber auch die Konsequenz der jüngeren Vergangenheit. Nach dem Ende der dreijährigen Ära von Mike Büskens versuchten Frank Kramer, Stefan Ruthenbeck und Janos Radoki nebst Interimslösungen, Kontinuität am Laubenweg einziehen zu lassen. Doch alle scheiterten mehr oder minder deutlich an dieser Aufgabe. Die tabellarische Entwicklung passte zu dem Muster. Nach Kramer, der noch in der Relegation dem Hamburger SV unterlag, ging es bergab. Nur da zeigte der Verein sportliche Konstanz.

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Vom Dorfklub zum Bundesligisten: Helmut Hack und die SpVgg

Er war zweifelsohne der Macher der SpVgg Greuther Fürth: Helmut Hack. Von 1996 an war er nach der Fusion der SpVgg Greuther Fürth mit dem TSV Vestenbergsgreuth Präsident des Kleeblatts und hat den Verein in der zweiten Bundesliga etabliert. Ein Rückblick in Bildern.


Auch Damir Buric, der mit seiner Vertragsunterschrift im Oktober 2017 alles erfolgreich dem Ziel Klassenerhalt unterordnete, muss sich nun einer schweren Aufgabe stellen. "Wir müssen alles hinterfragen", sagte der Kroate irgendwann in der letzten Spielzeit. Und wie es scheint, ist dies ein noch immer laufender Prozess. Wer nun von den handelnden Personen im Fürther Führungszirkel nach einem Ziel gefragt wird, hat zumeist die gleiche Antwort parat. Offiziell keine. Zwischen den Zeilen und hinter dezent vorgehaltener Hand wird es aber klar – in Fürth kann es nur darum gehen, sich auf verloren gegangene Kernkompetenzen zu besinnen und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen zu ziehen.

Geschäftsmodell soll erhalten bleiben

Will heißen: Mit dem Fokus auf der Ausbildung junger Kicker will Fürth wieder zu einer guten Adresse werden. Um Spieler weiter zu entwickeln, gleichzeitig im besten Fall ein Team zu formen und dabei das Gerüst wenigstens für einen mittelfristig überschaubaren Rahmen zu erhalten. Das hat Sportdirektor Rachid Azzouzi schon mal geschafft. Das Gros der Spieler, die Fürth unter Buric und Azzouzi weg vom Tabellenende führten, konnte gehalten werden. Eine Versicherung ist das freilich nicht. Und so lässt sich nur schwer oder gar nicht beziffern, wohin das in der am Wochenende beginnenden Saison führt. Ist da ein einstelliger Tabellenplatz ein erstrebenswertes Ziel? Allemal. Doch erst in zweiter Linie.

Das unter Helmut Hack gepflegte Geschäftsmodell von günstig einkaufen und teuer verkaufen wird beibehalten werden müssen. Etwas anderes lässt der stagnierende Umsatz der Profiabteilung nicht zu, und ob etwa ein dem Verein gewogener Unternehmer wie Thomas Sommer zum Investor taugt, muss die Chefetage mit dem neuen Präsidenten Fred Höfler erst noch genauestens prüfen. So steht in den kommenden Monaten zunächst die Beantwortung der Frage an, ob in sportlicher Hinsicht die richtigen Schlüsse gezogen worden sind.

Fußball ist Leidenschaft, genauso häufig aber blankes Ergebnis. Wer gewinnt, hat zumeist recht oder zumindest vieles richtig gemacht. Die Wahrheit liegt immer auf dem Platz, sagt ein Bonmot Otto Rehhagels, dem ein Original des Dortmunder Kultkickers Adi Preißler zugrunde liegt: "Grau ist alle Theorie, entscheidend ist auf’m Platz."

So gibt es wohl auch in Fürth viele Wahrheiten, je nach Betrachter und  Spielstand. Klar ist allerdings: Schlechter als im Vorjahr darf es nicht laufen, den drohenden Sturz in die Drittklassigkeit hatte der Verein reichlich bedeutungsschwanger als "Überlebenskampf" tituliert. Ein kapitaler Fehlstart anno 2017 mit vier Pleiten in Serie ist das Horrorszenario, das der dringend gesuchten Ruhe und Stabilität entgegensteht. "Fleiß, Leidenschaft und Wille" wollen sie laut Buric einsetzen. Ob das reicht, wird sich schnell zeigen.

Derartige Basistugenden müssen auch die Schwierigkeiten in der Planung wettmachen. "Die Verträge werden meist im Oktober, November eingetütet", sagt Azzouzi. Doch da zitterte Fürth noch, und der Sportdirektor musste lange mit dem Versuch warten, seine Ideen in Einklang mit den limitierten finanziellen Möglichkeiten des Vereins zu bringen. So werden sich Azzouzi und Buric nach dem Abgang Helmut Hacks mehr denn je an der Transferpolitik messen lassen müssen. Die holprige Vorbereitung lässt Schwierigkeiten erahnen. Vieles muss schnell zusammenpassen, will sich die Spielvereinigung nicht erneut im Abstiegskampf wiederfinden. Nur klingt das nicht nach einem sexy Saisonziel... 

Florian Pöhlmann

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