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Weltreise auf 500 Quadratmetern

Auf dem «Markt der Partnerstädte» sind nicht nur Partner zu Gast - 05.12.2007

Nein, die Südtiroler Gemeinde Klausen gehört nicht zu den Partnerstädten Nürnbergs. Da ist Venedig doch ein wenig gewichtiger. Auf dem «Markt der Partnerstädte» ist der 5000-Seelen-Ort dennoch vertreten.

© Fengler


Gemeint ist Andreas Urschlechter, Nürnbergs Oberbürgermeister von 1957 bis 1987, der hier womöglich einst ein kleines «Bubenstück» vollbrachte - und eine Städtefreundschaft mit Klausen 1970/71 im Alleingang etablierte.

Verbürgt und überliefert ist ein Brief Urschlechters vom 24. März 1970 an Klausens damaligen Bürgermeister Josef Prader. Ihm übermittelte der OB «die erfreuliche Nachricht», dass «der Ältestenrat des Nürnberger Stadtrats der Anbahnung freundschaftlicher Kontakte zu Klausen zugestimmt» habe. Den Vollzug dieser Städtefreundschaft vermeldeten auch brav Nürnberger Medien im September 1971.

Allein: Im Stadtarchiv findet sich weder ein Sitzungsprotokoll mit der Zustimmung des Ältestenrates noch ein entsprechender Vorgang im Stadtratsplenum. Auch die Freundschaftsvereinbarung mit den Unterschriften der beiden Stadtoberhäupter ist im Archiv unauffindbar. Selbst ein Delegationsbesuch aus Klausen sowie ein Nürnberger Gegenbesuch, von denen die Presse im Jahr 1971 berichtete, haben offenbar «keine weiteren Spuren in den Unterlagen» des Stadtarchivs hinterlassen, heißt es in einem Aktenvermerk an OB Ulrich Maly vom Januar 2003.

Die «Städtefreundschaft» schlief ein - und wurde 2003 als «freundschaftliche Beziehung» mit einer «lockeren Zusammenarbeit» wiedererweckt. Als Ansatzpunkt gilt die einstige «Künstlerkolonie Klausen», die zwischen 1874 und 1914 zum Treffpunkt für Kunstschaffende aus ganz Europa wurde. Auch Albrecht Dürer könnte helfen: Klausen bemüht sich darum, den Dürer-Wanderweg im Südtiroler Unterland bis nach Klausen zu verlängern. Ja, und dann ist da noch die Weihnachtsbude auf dem «Markt der Partnerstädte».

Wobei sich dort längst auch andere Städte etabliert haben, zu denen Nürnberg keine formelle Partnerschaft unterhält. Das montenegrinische Bar etwa, die französische Region Limousin, das italienische Verona - und natürlich der Fischerort Kalkudah (Sri Lanka), für den Nürnberg nach dem verheerenden Tsunami von 2004 eine Patenschaft übernommen hat.

Eine «Weltreise auf 500 Quadratmetern» biete der Markt inzwischen, begrüßt «Außenminister» Norbert Schürgers diese Entwicklung. Und schlägt augenzwinkernd vor, doch das Rathaus zu verschieben, um noch mehr Platz für internationale Buden zu schaffen. Tilmann Grewe

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