Bei Entzündungen genau hinsehen

9.1.2009, 00:00 Uhr
Der Urologe Christian Bornhof zeigt das chirurgische Instrument, mit dem heute die überwiegende Zahl der Blasentumore entfernt werden kann – schonend für den Patienten.

Der Urologe Christian Bornhof zeigt das chirurgische Instrument, mit dem heute die überwiegende Zahl der Blasentumore entfernt werden kann – schonend für den Patienten. © Sippel

Blut im Urin ist so ein Signal. Entdeckt es der Arzt bei einem Vorsorge-Checkup auf dem Teststreifen oder unter dem Mikroskop, ist das «unbedingt ein Anlass, konsequent weiter zu fahnden», sagt Prof. Christian Bornhof, Urologie-Chefarzt am Nordklinikum. Denn der Ursprung dafür kann in einer Blasen- oder Harnwegsgeschwulst liegen, und die ist fast immer bösartig. Anderes Signal: Auch hinter einer vermeintlichen chronischen Blasenentzündung, die trotz Antibiotika oft wiederkehrt, kann in Wirklichkeit Blasenkrebs stecken. Schmerzen bereitet der nur selten.

So kommt Bornhof zum Schluss: Gingen Betroffene zeitiger zum Arzt, könnten noch mehr von ihnen früher und schonender behandelt werden. Schon jetzt muss zum Glück nur noch bei einer von zehn Blasenkrebs-Operationen am Klinikum (330 jährlich) die Blase ganz entfernt werden. Die übrigen Eingriffe geschehen endoskopisch ohne Bauchschnitt. Die Operateure lenken dabei ihre Instrumente über die Harnröhre, um das Tumorgewebe abzuhobeln.

Der Tumor leuchtet rot auf

Der Aufschwung der Schlüssellochtechnik ist, wie in anderen chirurgischen Gebieten, präziseren Geräten und Untersuchungstechniken zu verdanken. Einen Fortschritt brachte vor einem Jahr eine neue chemische Substanz, die Tumorgebiete in der Blase unter blauem Licht rot leuchten lässt, erklärt Bornhof. Endlich ist damit auch die gefürchtete aggressive Art, die schnell in die Tiefe wächst, in der Frühform zu erkennen. Auch die bei Blasenkrebs sehr häufigen Rückfälle sind damit besser zu kontrollieren.

Blasenkrebs bleibt dennoch bedrohlich. In Deutschland erkranken jedes Jahr 25 000 Menschen daran. Bei Männern ist er die vierthäufigste Krebsart, bei Frauen lag er zuletzt auf Rang acht, tritt jedoch immer häufiger auf. Er trifft vorrangig Menschen zwischen 60 und 75 Jahren, Raucher aber auch schon ab 40. Aktiv- und Passivrauchen gelten als größter Risikofaktor. Außerdem bestimmte Umweltgifte aus Textil- und Haarfärbemitteln, Pflanzenschutzmitteln und Kosmetika. Obwohl der Krebs erst Jahrzehnte nach dem ersten Kontakt damit auftritt, ist er als Berufskrankheit anerkannt. Isabel Lauer

Prof. Bornhof spricht heute von 11 bis 12 Uhr in der Sendung «Gesundheit aktiv» bei Radio F über die Behandlung von Blasen- und Nierensteinen. Von 12 bis 12.30 Uhr beantwortet er Zuhörerfragen am Telefon.

Am 22. Januar widmet das Klinikum den Erkrankungen der Blase und ihren Behandlungsmöglichkeiten ein «Nürnberger Gesundheitsgespräch». Die Veranstaltung findet von 18 bis 19.30 Uhr gratis im Marmorsaal der Nürnberger Akademie, Gewerbemuseumsplatz 2, statt.

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