Der OB als Bruder – "das stört nicht"

25.2.2011, 21:33 Uhr
Die Maly-Brüder Ulrich (links) und Dieter sind sich oft einig – auch wenn sie von ihrer Kindheit in behüteten Verhältnissen in Schweinau erzählen.

Die Maly-Brüder Ulrich (links) und Dieter sind sich oft einig – auch wenn sie von ihrer Kindheit in behüteten Verhältnissen in Schweinau erzählen. © Hagen Gerullis

Der Oberbürgermeister ist fünf Jahre jünger als Dieter Maly, der Sozialamtschef. An diesem Abend hat die Arbeiterwohlfahrt die beiden Malys eingeladen, damit sie über ihr Verhältnis berichten.

Und dies scheint überaus harmonisch zu sein – jedenfalls gelingt es Moderator Dieter Kreft trotz redlicher Bemühungen nicht, Konfliktpunkte herauszufiltern. „Wir streiten nur, wenn wir zusammen kochen“, sagt Ulrich Maly, und Dieter meint: „Bei den wichtigen Dinge des Lebens finden wir schnell einen gemeinsamen Nenner.“ Ob der ältere Bruder nicht in Kindertagen den Kleineren unterdrückt habe, will Kreft wissen. Aber Dieter Maly, heute „schon kraft seines Amtes fürs Helfen zuständig“ (Kreft), war auch als Zehn- oder 15-Jähriger alles andere als ein Despot: „Er hatte grenzenlose Geduld mit mir“, erinnert sich der jüngere Maly. „Dieter hat bei den Eltern auch viele Dinge erkämpft, die bei mir dann selbstverständlich waren.“

Die Maly-Brüder sind in einer Dreizimmerwohnung in Schweinau aufgewachsen und teilten sich ein Zimmer, bis Dieter 19 und Ulrich 14 war. Gemeinsam habe man mit Legosteinen oder Modellautos gespielt und sich später beim Jugendverband „Die Falken“ engagiert, erinnert sich Dieter Maly. Aber die Eltern hätten stets darauf geachtet, dass beide Brüder auch ihre eigenen Freundeskreise haben: „Was kann ein Siebenjähriger mit einem Zweijährigen schon anfangen? Ich musste mit Uli nicht spielen, wenn ich nicht wollte“, sagt der ältere Bruder. Dieter Maly begann seine Laufbahn bei der Stadtverwaltung im Jahr 1984 und war in verschiedenen Funktionen immer im Sozialbereich tätig: „Ich fühle mich da sehr richtig“, sagt Dieter, der ruhigere der beiden Brüder: „Man kann Gutes für die Gesellschaft tun.“ Seine beiden Chefs sind sein Bruder und „mein ältester Freund“, Sozialreferent Reiner Prölß – doch damit kann der 55-Jährige gut umgehen. „Ich bin von uns dreien am längsten bei der Stadt, sie haben sich mich nicht herausgesucht.“

Dienstlich komme man sich nicht in die Quere, bekräftigen beide: Ulrich Maly sagt, dass er schlecht beraten wäre, wenn er glaubte, „Sozialpolitik besser zu können als der Leiter des Sozialamts: Ich höre auf seinen Sachverstand.“ Dieter Maly räumt jedoch ein, dass er nach Ulrichs Wahl zum OB schon Befürchtungen hatte, dass Bekannte versuchen würden, ihn als Kontaktmann zum Stadtoberhaupt zu instrumentalisieren. „Das hätte ich dann abblocken müssen.“ Aber diese Bedenken blieben unbegründet. „Es stört nicht, wenn der Bruder Oberbürgermeister ist“, sagt Dieter Maly lachend. Die Brüder sehen sich dienstlich, auf Feiern von „unschuldigen Dritten“ (Ulrich Maly), bei Familienfesten und gehen einmal im Jahr miteinander wandern.

Das Interesse am Sozialen eint die beiden – als Moderator Kreft unterstellt, Ulrich Maly habe erst in jüngerer Vergangenheit dieses Politikfeld für sich entdeckt, legt der OB Widerspruch ein. Schon zur Wahl 2002 habe er für mehr Miteinander in der Stadt geworben. Er hält es für existenziell für den Zusammenhalt der Gesellschaft, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinandergeht. „Diese Schere klafft auch in Nürnberg auseinander und es ist uns noch nicht gelungen, eine Gegenbewegung einzuleiten“, gibt Dieter Maly zu bedenken. „Wir haben einen Anteil von 70000 Menschen in der Stadt, die Transferleistungen beziehen.“ In solchen Momenten wird der Abend ernst, ansonsten überwiegt die Heiterkeit. Etwa als Dieter Maly erzählt, dass er einst mal Journalist werden wollte. „Aber unsere Mutter hat gesagt, er müsse etwas Seriöses machen“, wirft der OB ein – nicht ohne den selbstironischen Hinweis zu vergessen, dass Mutter Maly auch eine politische Laufbahn nicht gerade für seriös hielt. „Erst nach meiner Wiederwahl hat sie sich damit versöhnt.“

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