Westfriedhof: Sanierte Aussegnungshalle eingeweiht

23.10.2012, 08:55 Uhr
Historische und moderne Architektur können hervorragend miteinander harmonieren, wie die neue Trauerhalle und die alte Aussegnungshalle auf dem Westfriedhof beweisen. Mehr Bilder unter www.nz-online.de

© Michael Matejka Historische und moderne Architektur können hervorragend miteinander harmonieren, wie die neue Trauerhalle und die alte Aussegnungshalle auf dem Westfriedhof beweisen. Mehr Bilder unter www.nz-online.de

Die Halle aus dem Jahr 1888 war im Dezember 2010 geschlossen worden, gleichzeitig mit der Eröffnung der neuen Trauerhalle. Bei dem klassizistischen Sandsteinbau gab es damals einen dringenden Sanierungsbedarf, unter anderem wegen der hohen Schadstoffbelastung durch Pentachlorphenol. Außerdem musste die Dachkonstruktion komplett erneuert werden, weil die Dachsparren beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg falsch dimensioniert worden waren.

Da die Halle unter Denkmalschutz steht, hatte die Sanierung behutsam zu erfolgen. Es war trotzdem notwendig, das Gebäude „bis auf die historischen Außenwände und die tragenden Innenwände zurückzubauen“, erläuterte Baureferent Wolfgang Baumann. Die aufwändige Sanierung begann im März 2011, sie dauerte 19 Monate und kostete drei Millionen Euro.

Dem Architekten Günther Dechant, der auch die neue Trauerhalle gebaut hat, ist es gelungen, sensibel mit der Architektur umzugehen und „Historie und Moderne zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen“, wie es Finanzreferent Harald Riedel bei der Einweihung formulierte.

Die gusseisernen Säulen an der Rückseite der Aussegnungshalle waren vor der Sanierung eingemauert und damit nicht zu sehen.

Die gusseisernen Säulen an der Rückseite der Aussegnungshalle waren vor der Sanierung eingemauert und damit nicht zu sehen. © Michael Matejka

Dechant ist zur ursprünglichen Grundriss-Struktur des Hauptraums zurückgekehrt. Beim Wiederaufbau war dort eine Wand herausgerissen worden, um dem Raum größere Dimensionen zu verleihen; diese wurde jetzt wieder eingezogen.

Nun ist im Erdgeschoss eine kleine Aussegnungshalle mit 26 Sitzplätzen entstanden, die für intimere Trauerfeiern mit wenigen Trauergästen und für Urnenbeisetzungen genutzt werden soll. Besonderen Wert hat der Architekt auf Akustik und Beleuchtung gelegt. Es wurde auch eine neue Heizung eingebaut, außerdem eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Neben der Halle befinden sich auf einer Seite zwei individuelle kleine Räume zur Aufbahrung, in denen Angehörige in würdigem Rahmen von ihren Toten Abschied nehmen können. Dort hat Günther Dechant bei der Farbgestaltung und der Linienführung das Thema Erde von der gegenüberliegenden modernen Trauerhalle wieder aufgenommen. Auf der anderen Seite der Halle gibt es einen Vorbereitungsraum, in dem die Särge mit Blumenschmuck versehen werden, sowie einen Kondolenzraum. Im Dachgeschoss sind Büros für die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung und Sozialräume untergebracht.

Bei der Sanierung wurde auch manches überraschende architektonische Detail entdeckt. An der Rückseite des Gebäudes tauchten zum Beispiel mit gusseisernen Säulen verzierte Bögen auf, die vorher eingemauert waren und nun wieder freigelegt wurden. Dabei hat sie der Architekt mit dunklem Glas kombiniert und auf diese Weise interessante Kontraste geschaffen.

Friedhofsbesucher gelangen vom Eingang am Nordwestring über den Hauptweg zu dem Platz, an dem sich jetzt die moderne Trauerhalle und die sanierte alte Aussegnungshalle genau gegenüberstehen. Zwischen beiden wurde ein Platz gestaltet, „der die breite Hauptpromenade vom Eingangsportal zum Krematorium hin öffnet“, so Wolfgang Baumann. „Der dabei entstandene Raum wird zur landschaftlichen Mitte des Friedhofs.“

Blick in den Hauptraum der sanierten Halle.

Blick in den Hauptraum der sanierten Halle. © Michael Matejka

Nächste Woche wird das sanierte Krematorium auf dem Westfriedhof eingeweiht. Stadtkämmerer Riedel spricht von einem „Meilenstein bei der Modernisierung der Architektur auf dem Nürnberger Westfriedhof“, der dann geschafft sei. Die Stadt habe sich die Sanierung von Krematorium und alter Aussegnungshalle sowie die neue Trauerhalle insgesamt rund acht Millionen Euro kosten lassen. Nun gehe die Ära der Modernisierung des Friedhofs mit großen Schritten dem Ende entgegen.
 

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