Bamberg lädt zum Wissenschaftstag der Metropolregion ein

25.7.2017, 11:16 Uhr
FOTO: M. Krajinovi, gesp. 7/2017 MOTIV: Portrait, Prof. Dr. Maike Andresen ist seit Oktober 2009 Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Personalmanagement. Seit Oktober 2015 geht sie zudem den Aufgaben als Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg nach.

FOTO: M. Krajinovi, gesp. 7/2017 MOTIV: Portrait, Prof. Dr. Maike Andresen ist seit Oktober 2009 Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Personalmanagement. Seit Oktober 2015 geht sie zudem den Aufgaben als Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg nach. © Marta Krajinovi

Unter dem Motto "Europa im Wandel" lädt die Universität Bamberg zum diesjährigen Wissenschaftstag der Metropolregion ein. In Diskussionsrunden und Vorträgen widmen sich die Teilnehmer den Veränderungen in Zeiten von Zuwanderung und Brexit. Maike Andresen, Lehrstuhlinhaberin für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Personalmanagement, spricht über "Wie lerne ich von und vom Anderen". Sie erforscht, wie Unternehmen und jeder einzelne von kultureller Vielfalt in Europa profitieren können.

 

NZ: Frau Andresen, Fremdes macht vielen Menschen Angst. Wie lässt sich das ändern?

Maike Andresen: Das ist ganz normal. Wenn ich nie umgezogen bin, wenig Reiseerfahrung und kaum Kontakt zu Ausländern habe, lebe ich in meiner Welt und fühle mich dort sicher. Fremdes macht mich dann unsicher. Deshalb ist es wichtig, die Motivation zu fördern, Neues entdecken zu wollen, neugierig zu sein auf andere Kulturen, damit man sich in unbekannte Situation begibt, das aushält und irgendwann sogar als Bereicherung empfindet.

 

NZ: In Ihrem Vortrag geht es um interkulturelle Kompetenzen gehen. Wird das heutzutage immer wichtiger?

Andresen: Auf jeden Fall! Sowohl im privaten Leben als auch in Unternehmen sollte jeder in interkulturellen Situationen erfolgreich handeln und arbeiten können. Wer in einem internationalen Umfeld arbeitet, hat Kunden, Zulieferer oder Abnehmer aus aller Welt. Auch Mitarbeiter können aus unterschiedlichen Kulturen stammen und das ist nicht immer einfach in der Zusammenarbeit. Es gibt unterschiedliche Werte, wie eine Gesellschaft laufen sollte, was richtig ist und was falsch. Da kann es zu Konflikten kommen, wenn jeder davon überzeugt ist, dass nur er Recht hat. Interkulturelle Kompetenzen helfen dabei, Verständnis für andere Sichtweisen zu entwickeln.

 

NZ: Was kann denn jeder von uns von Anderen lernen?

Andresen: Den Umgang mit Zeit zum Beispiel. Manche machen viele Dinge parallel, andere erledigen lieber eins nach dem anderen. Alleine so etwas kann in der Zusammenarbeit schon ziemlich nerven. Manche brauchen Zeitdruck, andere stresst das total. Das bedeutet nicht, dass jemand verplant ist, oder nicht organisieren kann, sondern, das ist einfach eine andere Herangehensweise. Ich hatte einen indischen Mitarbeiter, der hat grundsätzlich eine Stunde vorher angerufen, ob das Treffen stattfindet. Ich war irritiert, weil wir den Termin doch vereinbart hatten und er im Kalender stand. Dann habe ich erfahren, dass Termine in Indien eher Absichtserklärungen sind, die immer kurz vorher noch einmal festgeklopft oder eben abgesagt werden, wenn etwas anderes dazwischen kommt. Das ist einfach eine andere Herangehensweise als in Deutschland.

 

NZ: Wie können Uni und Wissenschaft zu mehr Verständnis der Kulturen beitragen?

Blick auf ein Teil des Brexit-Kunstwerks des britischen Street-Art-Künstlers Banksy am 08.05.2017 in Dover (Großbritannien). Darauf zu sehen ist eine mehrere Meter hohe quadratische EU-Flagge, aus der ein Handwerker einen Stern heraus meißelt. (zu dpa «Britischer Künstler Banksy hinterlässt Brexit-Kunstwerk in Dover» vom 07.05.2017) Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Blick auf ein Teil des Brexit-Kunstwerks des britischen Street-Art-Künstlers Banksy am 08.05.2017 in Dover (Großbritannien). Darauf zu sehen ist eine mehrere Meter hohe quadratische EU-Flagge, aus der ein Handwerker einen Stern heraus meißelt. (zu dpa «Britischer Künstler Banksy hinterlässt Brexit-Kunstwerk in Dover» vom 07.05.2017) Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ © B4828/_Gareth Fuller

Andresen: Wir erforschen kulturelle Intelligenz. Das ist die Fähigkeit, sich in anderen Kulturen angemessen zu bewegen, wenn man etwa für ein Auslandssemster oder für den Job in ein anderes Land geht. Dazu gibt es das sogenannte Global Mindset, das die strategische Ebene beschreibt, was Unternehmen weltweit von einander lernen können. Wir analysieren, welches Vorgehen und welche Methoden, den größten Nutzen bringen.

 

NZ: Was funktioniert gut?

Andresen: Das Beste, was man machen kann, ist, alleine ins Ausland zu gehen. Ohne Mentor, der einem alles erklärt, damit man sich selbst zurecht finden muss. Geschäftsreisende sollten in lokalen Hotels übernachten statt in globalen Ketten, einheimisches Frühstück essen und mit Leuten vor Ort umgehen, statt eine Sekretärin alles organisieren zu lassen. Klar versuchen die meisten, Stress zu vermeiden, aber Lernen tut ja immer ein bisschen weh.

 

NZ: Was sollten Studenten tun?

Andresen: Sie sollten sich nicht nur in ihrer deutschen Erasmusgruppe aufhalten, sondern lokale Kontakte knüpfen. Und den Aufenthalt nicht nur als Reisesemester nutzen. Klar ist es auch schön, das Land zu sehen, aber die Interaktion mit den Menschen ist ein extra Wert, den man nutzen sollte. Unsere Studien zeigen, dass dann ein Auslandssemester genauso viel bringt wie ein Auslandspraktikum, man muss nicht beides machen. Als Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs in Bamberg ist es außerdem mein Wunsch gerade junge Wissenschaftler raus zuschicken. Wir erforschen, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit sie die Motivation entwickeln, ins Ausland zu gehen. Weil zwingen kann man niemanden, dann bleibt der Lerneffekt aus.

 

NZ: Wie profitieren Unternehmen von internationalen Einflüssen?

Andresen: Es ist immer gut zu wissen, was die Konkurrenz im Ausland tut und zu überlegen, was ich davon lernen kann. Sie profitieren auch von Mitarbeitern aus dem Ausland, ihren Netzwerke und dem Zugang zu neuen Zielgruppen. Kulturelle Diversität fördert außerdem die Ideenentwicklung und Innovation, indem unterschiedliche Ansichten aufeinander treffen.

 

NZ: Sehen Sie die neue kulturelle Vielfalt in Europa auch als Chance für die Wirtschaft?

Andresen: Ja, auf jeden Fall. Ich sage nicht, dass es einfach ist. Aber es ist eine Chance, davon zu lernen und durch den Austausch zu gewinnen.

 

NZ: Wie beurteilen Sie Zuwanderung aus betriebswirtschaftlicher Sicht?

Andresen: Da würde ich volkswirtschaftlich antworten. Es zeigt sich immer, dass in der erstes Generation viel an der Integration gearbeitet werden muss, damit Sprachentwicklung stattfindet. Aber schon die zweite Generation, die Kinder der Einwanderer, sind vergleichbar mit deutschen Schüler und Studenten und gehen ihren Weg. Das ist immer eine Frage der Zeit. Wer schnell denkt, sieht zunächst nur die Kosten, aber mittelfristig bezahlt sich das absolut aus.

Fragen: Christina Merkel

 

 

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