20. Oktober 1961: Fällt die Brücke weg?

20.10.2011, 06:57 Uhr
Freie Bahn wird auch am Tiergärtnertor gemacht: die schwierigen Abbiegeverhältnisse am Neutorgraben zwangen zu einer, wenn auch behelfsmäßigen Lösung. Neben der Haltestelleninsel weitete man auf Kosten der Grünfläche die Fahrbahn stadtauswärts so aus, so daß sich künftig unliebsame Stauungen durch rechts abbiegende Fahrzeuge nicht mehr ergeben. Für später ist ein grundsätzlicher Umbau der Tiergärtnertorkreuzung vorgesehen, die augenblicklich darunter leidet, daß drei Straßen an dieser Stelle in den vielbefahrenen Ring einmünden.

Freie Bahn wird auch am Tiergärtnertor gemacht: die schwierigen Abbiegeverhältnisse am Neutorgraben zwangen zu einer, wenn auch behelfsmäßigen Lösung. Neben der Haltestelleninsel weitete man auf Kosten der Grünfläche die Fahrbahn stadtauswärts so aus, so daß sich künftig unliebsame Stauungen durch rechts abbiegende Fahrzeuge nicht mehr ergeben. Für später ist ein grundsätzlicher Umbau der Tiergärtnertorkreuzung vorgesehen, die augenblicklich darunter leidet, daß drei Straßen an dieser Stelle in den vielbefahrenen Ring einmünden. © Slevogt

  Um diese Brücke, die den Kraftfahrern schon lange ein Dorn im Auge und auch Schauplatz so mancher Unfälle gewesen ist, liegt die Stadt Nürnberg seit Jahren in einem zähen Ringen mit der Bundesbahn. Dennoch begrüßt sie die neuen Überlegungen der BB-Direktion, weil ihr beim Wegfall des Bauwerks viele Schwierigkeiten bei der Neugestaltung der Erlenstegenstraße erspart blieben.

Die Bundesbahn hat den Gedanken geboren, auf die Gleisverbindung zwischen der Bayreuther Hauptlinie und der Ringbahn an dieser Stelle zu verzichten, weil im Gefolge großzügiger Straßen-Erweiterungen der Umbau von zwei Brücken auf dieser Strecke – Erlenstegen- und Eichendorffstraße – nötig wäre. Sie erwägt jetzt, den Schienenstrang nach Bayreuth mit der Ringbahn nahe dem Nordostbahnhof ein paar hundert Meter weiter östlich – hinter dem Haltepunkt Erlenstegen – zu verbinden. Dort braucht man auf Straßen der Stadt keine Rücksicht zu nehmen, weil die Gleise im Wald verlegt werden könnten. Andererseits aber müßte die Bahn den Grund und Boden für eine solche Schienenführung erst von der Staatsforstverwaltung erwerben.

Noch geht es eng her auf dem verschlungenen Pfad unter der Ringbahn-Brücke, aber die Kraftfahrer dürfen Hoffnung schöpfen, daß sich hier alles in absehbarer Zeit zum Guten wendet. Besonders bedrohlich ist die Situation, wenn die Straßenbahn die schmale Fahrbahn in der Unterführung mit dem übrigen Verkehr teilen muß. Wird die Brücke vorteilhaft erneuert oder wird sie ganz verschwinden?

Noch geht es eng her auf dem verschlungenen Pfad unter der Ringbahn-Brücke, aber die Kraftfahrer dürfen Hoffnung schöpfen, daß sich hier alles in absehbarer Zeit zum Guten wendet. Besonders bedrohlich ist die Situation, wenn die Straßenbahn die schmale Fahrbahn in der Unterführung mit dem übrigen Verkehr teilen muß. Wird die Brücke vorteilhaft erneuert oder wird sie ganz verschwinden? © Slevogt

Erst die Eichendorffstraße als Umleitung

Obwohl im Augenblick erst noch die Frage überprüft wird, ob der Umbau von zwei Brücken und ihre Unterhaltung in der Zukunft billiger kommt als ein neuer Gleisstrang, hofft das Baureferat der Stadt Nürnberg, daß sich für seine Disposition für die Erlenstegenstraße keine unangenehmen Zeitverluste ergeben. Es war von vornherein beabsichtigt, erst die Eichendorffstraße als künftige Umleitung für die Erlenstegenstraße auszugestalten, bevor die gefährliche S-Kurve unter der Ringbahn-Brücke „ausgebügelt“ wird. Noch aber stehen die Arbeiten in der Eichendorffstraße erst vor ihrem Anfang, so daß noch geraume Zeit vergehen wird, bis die Brückenfrage spruchreif ist.

Rechtzeitige Entscheidung wird erwartet

Das Baureferat der Stadt, das zuversichtlich eine rechtzeitige Entscheidung über das Schicksal der Brücke erwartet, wäre heilfroh, wenn die Bahn auf dieses Bauwerk ganz verzichten wollte. Es würde in einem solchen Entschluß eine „immense Erleichterung für den Straßenbau“ und einen „wesentlich günstigeren Verlauf der Operation“ erblicken. Ein Brücken-Neubau hingegen könnte mit all seinen Folgen die künftige Verkehrsführung schon gleich wieder belasten.

Noch mehr Umbauwünsche

Die neue Entwicklung läßt immerhin erkennen, daß die Verhandlungen zwischen Bundesbahn und Stadt in diesem Punkte erfolgversprechend sind. Zu welchem Schluß die BB-Direktion auch kommen mag: die Gefahrenstelle in der Erlenstegenstraße wird über kurz oder lang beseitigt – und damit ein großer Wunsch der Kraftfahrer erfüllt sein.

Bleibt nur zu hoffen, daß auch bei anderen Gelegenheiten – Nürnberg hat ja ein langes Register von Brücken-Umbau-Wünschen – ein ähnlich gutes Einvernehmen erzielt wird.

Aus den Nürnberger Nachrichten vom 20. Oktober 1961