10°

Dienstag, 22.10.2019

|

Als die Sonne aufhörte, um die Erde zu kreisen

Vortragsreihe "Einfach genial" im Nürnberger Planetarium - 17.10.2017 19:04 Uhr

„Galileische Satelliten“ heißen heute die vier größten Monde des Planeten Jupiter. Benannt sind sie nach Galileo Galilei, der sie im Jahr 1610 als Erster beschrieben hat. Der mittelfränkische Astronom Simon Marius veröffentlichte ihre Einzelnamen (v. l. n. r.): Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Ganymed hat einen Durchmesser von 5262 Kilometern. © Foto: NASA, DLR


Nur "stumpfsinnige Mondkälber" zweifeln daran, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Heute macht das niemand mehr. Als Galileo Galilei vor 385 Jahren sein Buch mit dieser Behauptung veröffentlichte, sah das allerdings noch anders aus. Viele Kirchenmänner fühlten sich angesprochen – und waren beleidigt.

"Das war taktisch keine Glanzleistung", sagt Pierre Leich. "Galilei hat die Kirche absichtlich provoziert." Dabei hatte der Universalgelehrte noch gar keinen Beweis für sein neues Weltbild. "Nüchtern betrachtet war es also eigentlich richtig, den Heliozentrismus zunächst als Hypothese zu behandeln und entsprechend anzuzweifeln", sagt der Wissenschaftshistoriker.

Leich ist Mitorganisator der Reihe "Einfach genial" und Präsident der Simon-Marius-Gesellschaft in Nürnberg. Astronom Marius, geboren in Gunzenhausen bei Ansbach, entdeckte im Jahr 1610 zeitgleich mit Galilei die vier großen Monde des Jupiter – und Galilei beschuldigte ihn des Plagiats.

Galileo Galilei © Foto: dpa


Die Kirche beschuldigte Galilei der Ketzerei und verbot seine Schriften. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Beweise anderer Wissenschaftler nicht mehr zu leugnen waren, erkannte sie an, dass die Erde um die Sonne kreist. Weitere 100 Jahre später erst nahm der Vatikan Galileis Buch vom Index.

Vordenker Galileis war der polnische Gelehrte, Astronom und Arzt Nikolaus Kopernikus, dessen bedeutendstes Werk kurz vor seinem Tod
in Nürnberg veröffentlicht wurde. "Die Copernicanische Wende markiert den Übergang vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild", sagt Leich. "Kopernikus konnte zwar noch nicht die richtigen Antworten geben, aber er hat die richtigen Fragen gestellt – deren Beantwortung durch seine Nachfolger schließlich zu unserer modernen Weltsicht führten."

Johannes Kepler berechnete die ellipsenförmigen Planetenbahnen und bestätigte Galileis Beobachtungen mathematisch. "All das führte zur Grundlage der Wissenschaften wie wir sie bis heute kennen", sagt Leich. "Die klassische Physik, die Mechanik, die experimentelle Vorgehensweise sind bis heute elementar." Die Universalgelehrten lösten damit eine Revolution aus – am Himmel und auf der Erde.

Christina Merkel

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de

04.10.2019 18:12 Uhr