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Brucks Dritte soll zum Vorzeigeprojekt werden

20 Spieler aus neun Nationen wollen Vorbilder sein

Derzeit steckt der FSV Erlangen-Bruck mit den Fußballern im Abstiegskampf der Bayernliga. Doch auch die übrigen Mannschaften haben ehrgeizige Ziele. Vor allem der FSV Bruck III. Er soll, mit Spielern aus neun Nationen zu einem Vorzeigeprojekt für Integration werden.

Bruck

"Von euch wird man erwarten, dass ihr tadellos seid": Die Integrationsmannschaft des FSV Erlangen-Bruck (in den weißen Trikots).

 / © Klaus-Dieter Schreiter

Auf den ersten Blick fällt die Besonderheit überhaupt nicht auf: FSV Erlangen-Bruck III heißt die Fußball-Mannschaft, die seit dieser Saison in der B-Klasse 1 um Punkte und um den Aufstieg kämpft. Wobei, so ganz stimme das ja alles gar nicht, sagt Reinhard Heydenreich. "Diese Mannschaft kämpft ja um etwas viel Größeres." In Zeiten, in denen der Fremdenhass im Vormarsch ist, möchte der FSV Erlangen-Bruck ausgerechnet auf dem Fußballplatz ein Zeichen setzen. Dort, zwischen Bierbechern und Tribüne, herrschen an manchen Spielorten raue Sitten. Genau hier will Bruck nun ein Zeichen gegen diese beängstigenden Entwicklungen in Teilen der Gesellschaft setzen, vor allem aber ein Vorbild schaffen, nicht nur drüber reden, sondern unmittelbar zeigen, dass Integration funktionieren kann. Und weil der FSV ein Sportverein ist, sagt Heydenreich, "wollen wir jetzt eine spezielle Fußballmannschaft einsetzen".

Unter Trainer Marco Öhling, dem Betreuer Joachim Wallinger und Spielleiter Kemal Kocer stehen über 20 Fußballer aus neun Nationen im Kader dieser dritten Mannschaft, die sie intern längst nur noch "Integrationsmannschaft" nennen. Deutsche spielen mit Irakern und Ägyptern zusammen, mit Italienern, Griechen, Türken, Somaliern und einem Nigerianer. Es werden wie in jeder Mannschaft unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen, aber diesmal auch besonders viele verschiedene Traditionen, Sprachen, Gewohnheiten, Glaubensrichtungen, Hautfarben.

Das größte Lob, so darf man Heydenreich verstehen, wäre es deshalb, wenn auch andere Vereine, vor allem Gegner, diesen Namen "Integrationsmannschaft" verwenden. Dann nämlich wäre das Projekt geglückt. Deutsche und ausländische Fußballer, vor allem vor Bürgerkrieg und Elend geflüchtete Menschen, wären gemeinsam vereint im Sport, im Fußball.

"Unser Ziel wird sein", so Heydenreich, "Integration zu leben. Toleranz vor Andersdenkenden vorzuleben". Nicht nur in der Mannschaft – auch wenn sie da beginnt. Nein, derart, dass sie ausstrahlt, leuchtet – über die Banden auf die Tribünen, hinter die Tribüne, bis in die Wohnzimmer.

Auf seine Integrations-Fußballer kommt dabei eine schwere Aufgabe zu, findet er: "Ihr müsst Vorbilder sein, euch stets korrekt verhalten." Beleidigungen, die von Zuschauern aufs Feld gerufen werden, sollen sie ignorieren – ansprechen wollen außen Menschen wie Heydenreich selbst oder Peter Doll die Brüller. "Von euch Spielern wird man überall erwarten, dass ihr als Integrationsmannschaft tadellos seid." Und welche Fußballmannschaft kann das schon von sich behaupten?

"Ich war von Beginn an begeistert, Teil eines solchen Projekts zu sein", sagt Marco Öhling. "Ich freue mich schon, dass es im Training so toll funktioniert." Der Coach und die sieben deutschen Spieler, findet Reinhard Heydenreich, haben die schwerste Aufgabe: Sie müssen dafür sorgen, dass das Team zusammenhält, in jeder Lebenslage. Schon jetzt, sagt Öhling, gebe es genügend Beispiele dafür. Allerdings geht es von der geschützten Trainingsplatzsituation hinaus in den Spielbetrieb, mit Sieg und Niederlage, umstrittenen Pfiffen, fremden Zuschauern.

Zum Abschied macht ein Bild Mut, zeigt, welche Kraft der Sport entwickeln kann. Deck Abdallah, geflohen vor Mord und Totschlag aus Somalia, erhebt sich und sagt: "Einmal Brucker, immer Brucker."

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