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Beim ASV Herzogenaurach herrscht Ungewissheit

Teil 2 der NN-Mini-Serie

Der ASV Herzogenaurach kämpft ums Überleben. Der einst ruhmreiche Traditionsverein mit glanzvollen Jahren in der Bayernliga ist derzeit im Fußball-Unterhaus, in der B-Klasse. Aber immerhin spielt man dort noch in der Relegation um den Aufstieg. In Teil 2 unserer Miniserie wollen wir wissen: Wie erlebt die Vorsitzende Elke Sowa diese Herausforderung?

Fußball im Unterhaus: Der ASV Herzogenaurach (weinrote Trikots) kämpft derzeit in der B-Klasse (hier beim TSV Frauenaurach II) darum, wenigstens wieder in die A-Klasse aufzusteigen, und gegen alle möglichen Widrigkeiten in einem unterklassigen Verein.

 / © Michael Müller

Wie geht es dem ASV Herzogenaurach im Alter von 100 Jahren, Frau Sowa?

Fußball ist ein mühsames Geschäft. Und das für mich seit 20 Jahren. Aber entgegen dem, was manche vielleicht denken oder hoffen, kann ich klar sagen: Wir bestehen noch. Und wir werden auch weiterbestehen.

Die 100-jährige Geschichte des ASV Herzogenaurach hat beinahe alles zu bieten. Es ist eine Geschichte der märchenhaften Erfolge, der verpassten Möglichkeiten, der spektakulären Abstürze. Es ist eine Geschichte, die etwas über den Amateurfußball im 21. Jahrhundert verrät. Eine Geschichte, die ein Ende gefunden zu haben scheint und doch irgendwie weitergeht. Es ist aber auch die Geschichte von Elke Sowa, einer Frau, die als Vorsitzende versucht, diesen Verein am Leben zu halten, seiner Geschichte ein Happy End zu verpassen.

Was sind Ihre ersten Erinnerungen an den ASV?

Ich war 16 Jahre alt, als ich beim ASV gelandet bin. Ich hatte keine Eltern oder Geschwister, die dort gespielt haben. Aber eines Tages hat mich eine Freundin auf den Sportplatz mitgenommen. In der Innenstadt war damals ja genauso wenig los wie heute. Also standen wir an den Wochenenden als Fans an der Seitenlinie, wenn die erste Mannschaft gespielt hat.

Der ASV hat damals in der Bayernliga, der höchsten Amateurliga, gespielt.

Und die Meisterschaft geholt. Ich erinnere mich. Im entscheidenden Spiel gegen den ESV Ingolstadt lagen wir bereits mit 0:2 zurück. Doch die Mannschaft konnte die Partie tatsächlich noch drehen und mit 4:3 gewinnen. Aufsteigen durften wir trotzdem nicht. 

Denn das Schöne zieht das Bittere mit sich. Weil gleichzeitig die 2. Bundesliga eingeführt wird, darf der ASV den Lohn für den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte nicht einstreichen. Die Berechtigung zum Aufstieg wird dem Team entzogen. Man könnte auch sagen: zur falschen Zeit der falsche Erfolg. Ein Erfolg, den die Roten bis heute nicht mehr wiederholen konnten. Als der Geldgeber adidas seine finanzielle Unterstützung zurückzieht und die höherklassigen Spieler den Verein verlassen, beginnt ein Absturz, der erst endet, als der Boden des Amateurfußballs erreicht ist.

Wie haben Sie den Absturz des ASV miterlebt?

Zunächst gar nicht. Zwischendurch war ich gar nicht mehr beim Verein, da ich keine Zeit mehr für Fußball hatte. Erst als meine eigenen Kinder dort mit dem Kicken angefangen haben, bin ich praktisch als Mutter zurückgekehrt.

Wenn Ihnen damals jemand erzählt hätte, Sie würden den Verein 19 Jahre lang als Vorsitzende führen, hätten Sie die Person wohl für verrückt erklärt.

Ich hatte in diese Richtung gar keine Ambitionen. Irgendwann bin ich Schülerleiterin gewesen, der kleinste Posten im Verein. Als unser Jugendleiter verstorben ist, habe ich seine Aufgaben kommissarisch übernommen. Im Jahr 2000 ließ ich mich dann schließlich breitschlagen und für den Vorstandsposten zur Wahl stellen. Ich habe gewonnen. Und hatte in den kommenden 19 Jahren nie einen Gegenkandidaten. Leider.

Sie würden das Amt abgeben?

Gerne. Aber es kommt derzeit eben nichts nach. Die Arbeitswelt hat sich verändert. Immer weniger Leute haben immer weniger Zeit und bringen sich immer weniger in den Vereinen ein. Uns fehlt der Unterbau.

Manchmal dürfte es Elke Sowa so vorkommen, als müsse sie ein Glas, das ein Loch hat, mit Wasser füllen. Auch sie merkt ganz deutlich: Die Spielregeln haben sich geändert. Das gesellschaftliche Umfeld, in dem sich der Amateurfußball heutzutage behaupten muss, setzt Mannschaften wie den ASV enorm unter Druck. Verschärfend kommt hinzu, dass der Verein durch die plötzliche Dominanz des einstigen Rivalen regelrecht erdrückt wird. Jugendspieler ziehen zum FC Herzogenaurach, weil sie dort auf die große Amateurfußball- Karriere hoffen. Die B-Klasse versprüht hingegen kaum Attraktivität, um gut ausgebildete Spieler für sich zu gewinnen. Man könnte auch sagen: Zur falschen Zeit der falsche Misserfolg.

Kämpfen für eine gute Zukunft des ASV Herzogenaurach: Die Vorsitzende Elke Sowa (zweite von rechts) und ihre Vorstandskollegen.

 / © Rüdiger Leverenz

Was ist Ihr Plan, um den ASV zurück auf mittlere Kreisebene zu führen?

Wir versuchen derzeit unsere Jugendarbeit wieder aufzubauen. Im Bambini-Bereich haben wir mit 20 Kindern einen Neuaufbau hinbekommen. Aber ich kann die Entwicklung nicht abschätzen. Bis die Bambinis aus der Jugend herauskommen, dauert es noch. (Sowa greift nach einem Heft, das einst zum 75-jährigen Jubiläum gestaltet wurde und blättert darin). Schauen Sie sich doch das hier mal an. Das war die F-Jugend 1994. Ein einziger Spieler davon ist noch beim Verein. Und das ist mein Sohn.

Also liegt die Hoffnung erst einmal darin, dass die erste Mannschaft den Sprung zurück in die A-Klasse schafft.

Wir geben alles, um den Verein im Spielbetrieb zu halten. Aber uns fehlt die Kontinuität in der Mannschaft, uns fehlen die Leader, wir sind noch zu unerfahren. Manchmal fehlt uns auch ein Torwart. Das sind so Sachen, mit denen kämpft man.

Ende Juli wird der ASV zur Geburtstagsfeier einladen, ein dreifaches Geschenk für alle Fans, die dem Team stets treu geblieben sind: Ein Festabend, ein Heimspiel der neuen American-Football-Abteilung, auf deren Wirkung man im Verein viel Hoffnung setzt, zudem die Ausrichtung der Stadtmeisterschaften. Ob sich der Verein mit dem Aufstieg in die A-Klasse aber selbst beschenken wird, das entscheidet sich erst in den kommenden Wochen. Man könnte auch sagen: Es wäre zur richtigen Zeit der richtige Erfolg.

Wie wird es dem ASV Herzogenaurach in ein paar Jahr gehen?

Ich bin weder euphorisch noch pessimistisch. Aber ich weiß nicht, wie es genau weitergeht. Ich mache es so gut es geht. Und so lange es geht.

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