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BSC Erlangen: Das Aufstiegsfeuer erlischt

Kreisklasse 1

Der BSC Erlangen spielt erstmals in der Kreisklasse. Am Donnerstag gegen den ASV Höchstadt gab es ein 2:2 (1:1). Trainer Udo Prell ist damit nicht wirklich zufrieden. Vor allem vermisst er in seinem Team Einstellung und Leidenschaft.

Diese Büchenbacher Mannschaft soll es nach dem Aufstieg richten: Da lohnt sich auch ein Erinnerungsfoto vor dem Spiel.

 / © Klaus-Dieter Schreiter

Endlich Kreisklasse. Lange Zeit war der Büchenbacher SC in der Versenkung verschwunden. Nach glorreichen Jahren in der Bezirksoberliga gab es den harten Aufprall. B-Klasse. Vorbei war das Fußballleben im Rampenlicht. Nun, im Sommer 2019, hat der BSC mit dem Aufstieg einen Schritt nach vorne gemacht. Doch auch in der Kreisklasse bleibt es Feierabend-Fußball. Im besten Sinn.

Der Co-Trainer verlässt schon mal die Bank, um eine Zigarette zu rauchen. Die Spieler muss ihr Trainer erst darauf hinweisen, dass sie sich auf der falschen Seite des Feldes aufwärmen. Dem Schiedsrichter war das gar nicht erst aufgefallen. Und die Aktionen auf dem Platz sind manchmal arg zufällig. Dennoch: Donnerstag strahlte das Flutlicht beim altehrwürdigen BSC. Als dann auch noch das 2:1 durch Mike Weiß fiel, schien der Abend an der Schallershofer Straße perfekt.

War er aber nicht. Die Führung hielt nicht lange, die Gäste glichen aus, und der Büchenbacher Trainer Udo Prell schimpfte wieder. Immer wieder schrie er: "Das ist doch absoluter Wahnsinn." In der ersten Halbzeit hatten die Gäste mehr vom Spiel, gingen in Front. Der BSC glich per Elfmeter aus. "Hundertprozentige Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware", moniert Prell. "In der zweiten Halbzeit waren wir agiler. Doch wie schon gegen Eltersdorf bekommen wir kurz vor Schluss durch eine Standardsituation ein Gegentor."

Ein Sieg wäre zwar "glücklich", gewesen, meint Prell, trotzdem hätte der Aufsteiger drei Punkte durchaus gebrauchen können. "Es ist schwierig, in der Liga geht alles ein bisschen schneller. Teilweise sind Spieler dabei, die schon Bayernliga- oder Landesliga-Erfahrung haben", sagt Prell. Er selbst hat für den BSC in der BOL gespielt, zu besseren Zeiten. Der Verein liegt ihm am Herzen. Das merkt man auch an seinem leidenschaftlichen Coaching.

"Meine Mannschaft beißt sich rein, doch es wird ganz schwer in dieser Saison", sagt der 43-Jährige. "Wir müssen uns umstellen, wir gewinnen nicht mehr jedes Spiel." In der A-Klasse war der spätere Meister in 26 Spielen 21-mal siegreich. Mit vier Punkten aus vier Spielen könnte man nun eigentlich auch zufrieden sein, doch "das täuscht", sagt Prell. Beim 2:3 gegen die Eltersdorfer Reserve und nun beim 2:2 gegen Höchstadt wäre mehr drin gewesen.

"Wichtig ist, dass wir bis zum Winter nicht abgeschlagen sind, sondern in Tuchfühlung bleiben. Es wird ein ganz hartes Jahr", sagt Prell. "Ich glaube trotzdem, dass die Mannschaft das Potenzial hat mitzuspielen." Aktuell ist der BSC Elfter, so könnte es bleiben.

"Im Großen und Ganzen ist es die gleiche Truppe wie im Vorjahr", sagt Prell. Nur Mike Weiß ist zurück vom TSV Buch. "Er tut uns gut." Dazu sind vier Spieler aus der eigenen Jugend neu dabei, "sie müssen sich aber erst an den Erwachsenenbereich gewöhnen." Ihnen will der Coach keine Vorwürfe machen, insgesamt aber ist er nicht ganz zufrieden mit seiner Mannschaft.

Vielleicht auch, weil er selbst einmal das Trikot getragen und für den Verein auf dem Platz gekämpft hat, vermisst der Erlanger die Leidenschaft bei seinen Fußballern. Manche würden einfach kurzfristig in den Urlaub fahren, obwohl ein Spieltag unter der Woche ansteht. "Die Einstellung ist schwierig. Die Euphorie fehlt seit dem Aufstieg." Schon in der Vorbereitung habe "das Feuer gefehlt". Das Problem, weiß Prell, haben mittlerweile viele Trainer. "Der Fußball hat nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher." Für ihn sei das schwierig, "das macht manchmal keinen Spaß". Selbst in der Kreisklasse.

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