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Ein Spiel - zwei Versionen: Eskalation zwischen Türkisch Röthenbach II und ASV Pettensiedel

B-Klasse 5

Ein Spiel - zwei Versionen: Am Samstag kam es auf dem städtischen Gelände in Röthenbach zu unschönen Vorkommnissen. "Ein Spektakel, von dem unsere Mannschaft sowie Anhänger niemals dachten, es miterleben zu müssen", so beschreibt der ASV Pettensiedel die Vorkommnisse rund um ein B-Klassen-Spiel auf seiner Facebook-Seite. "Viele Punkte entsprechen nicht der Wahrheit", antwortet der Türk SK Röthenbach, der mit seiner zweiten Mannschaft Gastgeber war. Einig sind sich beide Teams in der Bewertung einer Körperverletzung, die einen Rettungsdienst- und Polizeieinsatz zur Folge hatte.

Um 13.00 Uhr bestritt der ASV Pettensiedel (6.) ein Punktspiel bei Türk SK Röthenbach II (7.), das in den offiziellen Statistiken mit einem 5:3 für die Heimelf gewertet wurde. Das Endergebnis aber wurde zur Nebensache, vielmehr überschatteten Beschuldigungen und Gegendarstellungen im Nachhinein die Partie. "Dass man sich am städtischen Sportplatz in Röthenbach nicht duschen kann, ist mittlerweile wahrscheinlich jeder Mannschaft bekannt. Umziehen ist allerdings mittlerweile in den Blechcontainern mit Plastikgartenmöbeln, alten Reifen, ohne Licht und Heizung bzw. Strom möglich. Der Platz, der den Rest der Woche als Hundepark dient, passt da gut ins Bild! Dass wir aber den Rettungsdient und die Polizei bei unserem Hobby brauchen, überschreitet eine Grenze!", schreibt sich der ASV Pettensiedel auf seiner Facebook-Seite den Frust von der Seele und löste damit einen Sturm an Reaktionen aus.

"Der uns zugeteilte Schiedsrichter hat bei einem solchen Spiel bestimmt keinen leichten Job, da nützt es allerdings auch nichts, wenn der Referee schon vor dem Anpfiff sprichwörtlich 'die Hosen voll hat", so der Verein. Auf den Spielverlauf wolle man nicht im Detail eingehen, "der ASV hat keine gute Leistung gebracht und darauf folgend hätten wir dieses Spiel auch zurecht verloren." Doch: "Klare Fouls, Elfmeter, Nachschlagen mit der Faust oder Beleidigungen wurden vom Schiedsrichter (vielleicht aus Angst) nicht geahndet, was wir jedoch akzeptieren können. Das Salutieren eines Torschützen vor den eigenen Landsleuten an der Seitenline als Torjubel hat allerdings einen sehr seltsamen Beigeschmack. Dass wir dann aber wegen Körperverletzung den Notruf und die Polizei verständigen müssen und unser Mitspieler ins Krankenhaus gefahren wird, ist einfach zu viel."

Doch wie kam es dazu? Ein Spieler des gegnerischen Teams sei nach einem vorrausgegangenen Zweikampf, der für beide Spieler auf dem Boden endete, aufgestanden, in die Luft gesprungen, habe die Füße angezogen "und ist unserem noch am Boden liegenden Spieler mit den Knien voraus auf den Brustkorb gesprungen! Danach hat er sich ohne jeglichen Skrupel mit den Worten 'das hat er verdient' vom Verletzten entfernt." Zu diesem Zeitpunkt habe Röthenbach mit 5:3 geführt. "Unmittelbar nach diesem Vorfall wollten wir, der ASV, das Match abbrechen, was dem Schiri in der 86 Minute allerdings nicht gepasst hat. Mit dem Wortlaut 'ihr könnt nicht abbrechen, wenn ich abpfeife', beendete der Unparteiische das Spiel und zückte noch schnell die rote Karte für den gegnerischen Spieler."

Und der ASV Pettensiedel lässt seine Meldung mit Sätzen enden, die nachdenklich stimmen: "Wir spielen Fußball, wir verlieren, gewinnen, wir meckern, wir foulen, wir werden gefoult und sind emotional, so wie all unsere Weggefährten dieses Sports, aber wir verletzten keine anderen Personen mutwillig! Und deshalb überlegen wir auch, kein Spiel mehr gegen Türkisch Röthenbach auszutragen."

"Viele Punkte entsprechen nicht der Wahrheit"

Röthenbachs Abteilungsleiter Murat Calik war selbst nicht anwesend beim Spiel, bestätigt aber, dass der Verein voll und ganz hinter der unter dem Post verfassten Antwort eines seiner Spielers stünde. "Viele Punkte entsprechen nicht der Wahrheit", schreibt Mustafa Gökalp da, betont aber auch: "Der Tätlichkeit gibt es nichts hinzuzufügen. So eine Aktion darf nicht passieren und dem Geschädigten steht es selbstverständlich offen, gegen den Täter rechtliche Schritte einzuleiten. Solche Tätlichkeiten werden von unserem Verein in keinster Weise toleriert." Auch Abteilungsleiter Calik betont: "Für diesen Vorfall wollen wir uns entschuldigen, es ist nun eine rechtliche Sache zwischen den beiden Spielern."

Zu den Unwahrheiten, betont Gökalp in seiner schriftlichen Antwort, gehöre die Behauptung, einer der Torschützen habe salutiert: "Das ist eine unverschämte Unterstellung", schreibt er und erhebt seinerseits Gegenvorwürfe: "Den Zwischenrufen eurer Zuschauer nach zu urteilen, kann man sich schon sehr leicht vorstellen, welcher Gesinnung die meisten eurer Anhänger waren." Das ganze Spiel sei im Hinblick auf die Härte der Zweikämpfe nicht so verlaufen, wie es sollte. "Das gilt für beide Seiten", betont Gökalp und betont, dass der Schiedsrichter sogar noch nach Anpfiff deutlich gemacht habe, dass er dem ASV mindestens ein bis zwei rote Karten "netterweise" nicht gegeben habe. "Wir haben uns bis auf die Tätlichkeit zum Ende Spiels keine rot-würdigen Fouls zu Schulden kommen lassen. Hinzufügen wäre auch, dass eure Funktionäre das Spielfeld gestürmt haben zum Ende des Spiels und auch sonst alles dazu beigetragen haben, dass das Spiel nicht regulär beendet werden konnte. Es schien eher wie ein Ausweg, der Niederlage davonzukommen."

Auch auf die mangelnden Rahmenbedingungen geht der Spieler ein: "Die Peinlichkeit, dass wir unseren Gästen keine ordentlichen Kabinen oder Duschen zu Verfügung stellen können, sollte man nicht uns zu Last legen sondern vielmehr der Gemeinde, die einem Verein, der sich gut in die Gemeinde integriert hat und sich aktiv bei gesellschaftlichen Projekten der Gemeinde beteiligt, der auch schon fast seit 50 Jahren existiert, nicht die notwendige Unterstützung (sei es finanziell oder bürokratisch) zur Verfügung stellt." Die Beschwerde über ein nicht vorhandenes Vereinsheim könne man gerne an die Gemeinde Röthenbach a.d. Peg. richten, "vielleicht hilft das ja uns und somit auch unseren Gästen weiter." Seinerseits beendet Gökalp den Post versöhnlich: "Wir entschuldigen uns als Gastgeber für die Vorkommnisse, wünschen eurem verletzen Spieler eine schnelle Genesung und eine faire und erfolgreiche Rest-Saison."

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