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Max Habermann übt Kritik am Verband: "Wie ein Befehlsempfänger gefühlt"

Geplanter Re-Start: Skepsis überwiegt beim Erlangen/Pegnitzgrund-Kreisspielleiter

Bei Max Habermann überwiegt die Skepsis vor dem Re-Start. Dabei würde der Kreisspielleiter, der nicht mit allen BFV-Entscheidungen zufrieden war, so gerne wieder "fußballn".

Max Habermann hegt Skepsis.

 / © Holger Peter

Max Habermann ist ein streitbarer Geist – und auch mit den Oberen des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) hat der Kreisvorsitzende von Erlangen/Pegnitzgrund so manchen Strauß ausgefochten (Ligenreform, Futsal). Vor einigen Wochen war der 66-Jährige aus Wolfsberg wieder einmal auf der Palme. Grund: natürlich die Fortsetzung der Saison in der Corona-Krise. Inzwischen ist der Zorn aber weitgehend verraucht.

„Wie ein Befehlsempfänger“ habe er sich da wieder einmal gefühlt. „Da sollte ich den Vereinen ein Konzept verkaufen, über das ich selbst fast nichts wusste“, sagt er rückblickend. Daher habe er einen umfangreichen Fragenkatalog an den BFV gesendet – mit all den Punkten, die er für nicht geklärt hielt. Inzwischen seien die Antworten eingetroffen „bis auf zwei, drei Kleinigkeiten“ wisse er jetzt Bescheid.

Nicht gefragt

Und angesichts der Pandemie habe er auch Verständnis, dass im Verband nicht alles rund laufe. „Keiner weiß ja wirklich, wie es weitergeht, da sind sie natürlich dünnhäutiger als sonst“, so Habermann. Dennoch habe er sich schon ein wenig geärgert, dass er mit seiner Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert als Funktionär bei der Zusammensetzung der Lösungsgruppen nicht einmal angefragt worden sei, dafür aber Leute, die gerade mal ein halbes Jahr als Kreisspielleiter im Amt seien.

Aber vielleicht liegt das ja auch an seiner kritischen Grundhaltung in früheren Jahren? Die Verbandsspitze hat halt lieber Leute um sich, die ihrer Linie brav folgen – dies lässt sich seit Jahrzehnten verfolgen. Aber jetzt gibt es eben diesen Plan, wie die Runde 2019/20 bis ins Frühjahr 2021 fortgesetzt werden kann. Mit dem Ligapokal als auffälligster Neuerung. Zu diesem zusätzlichen Wettbewerb hatte Habermann die meisten Fragen und weiß inzwischen, dass Partien dieses Cups als reguläre Pflichtspiele zählen, also man bei Roten Karten auch für die Liga gesperrt ist, dass Spieler aus der „Zweiten“, die bei der ersten Mannschaft eingesetzt werden, daraufhin halt zehn Tagen in ihrem eigentlichen Team aussetzen müssen.

Gemeinsam mit vier Vereinsvertretern hat er für die beiden Kreisligen nun einen Plan ausgetüftelt, der vom ursprünglichen Ansatz noch einmal abweicht. „Nachholspiele, DFB-Pokal, Ligapokal, Punkterunde – das ist alles machbar“, sagt Max Habermann. Aber bei aller Hoffnung darauf, bald wieder „fußballn“ zu können, dominiert bei ihm die Skepsis: „Es darf eigentlich nicht viel passieren. Ein Corona-Fall in einer Mannschaft, die dann in Quarantäne muss und vielleicht der Gegner auch. Das wäre einmal zu verkraften, bei einem zweiten Vorfall wäre das ganze Konstrukt schon in Frage gestellt. Und eine zweite Welle darf schon gar nicht kommen.“

Ohnehin gebe es noch so viele Unwägbarkeiten. Ab wann erlaubt die Politik einen Spielbetrieb? Und dürfen Zuschauer auf die Plätze, was der BFV eigentlich für unabdingbar erklärt hat? Wie viele? Werden die älteren Schiedsrichter überhaupt pfeifen wollen? Habermann: „Bei uns zählen doch geschätzt 30 Prozent schon zur Risikogruppe.“

Bayern ist einzigartig

In Thüringen, das bis vor kurzem als einziger Landesverband dem bayerischen Sonderweg gefolgt war, hat man angesichts der allgemeinen Unsicherheit inzwischen umgedacht: Auf einem außerordentlichen Verbandstag am Samstag in Erfurt kippten die Delegierten einen Vorstandsbeschluss. Sie votierten in geheimer Wahl gegen die Fortführung der Saison 2019/20 und damit für einen Abbruch. Die Runde wird annulliert; es gibt keine Aufsteiger und Absteiger.

Bayern ist nun also einzigartig in der deutschen Fußball-Landschaft. Max Habermann hofft sehr, dass bald wieder Normalität einziehen kann. „Für unsere Vereine ist das doch tödlich – abgesehen von den fehlenden Einnahmen. Gerade die Jugendarbeit leidet, da hören doch ganze Jahrgänge auf. Die merken, dass es ohne Fußball auch geht. Manche haben schon zehn Kilo zugenommen. Andere hingegen vermissen ihren Sport, ihre Mitspieler und diese wichtigen sozialen Kontakte gerade in dem Alter, in dem die Kumpel so wichtig sind.“

Das Gleiche gelte für die zweiten Mannschaften, in denen nicht jeder so motiviert sei und oft „Alte Herren“ aushelfen müssen. Die hätten jetzt zum Großteil seit November keinen Ball mehr berührt. Egal wie: Der Re-Start wird problematisch.

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