Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Alt ist gerade beim TV 48 Erlangen relativ

Beim Turnverein trifft Spielertrainer Hannes Decher zum ersten Heimsieg der Saison

Der TV 48 Erlangen hat sein erstes Heimspiel der Saison gewon­nen. Gegen den SK Lauf lag das junge Bezirksliga-Team zwar 0:1 zurück, siegte dann aber verdient mit 2:1. Dank einer starken zweiten Halbzeit. Und dank Hannes Decher.

Einsatz fürs Team: Hannes Decher (li.) kämpfte 90 Minuten, zwischendurch blute­te sogar die Nase, und dennoch traf er zum 2:1.

 / © Klaus-Dieter Schreiter

Wer mit 26 Jahren schon als alt gilt, hat definitiv etwas falsch gemacht. Zumindest im echten Leben. Im Fußballer-Leben hingegen kann einem das schon mal passieren. Vor allem, wenn man in jungen Jahren bereits eine Trainer-Karriere an­strebt. Es kann einem auch passieren, wenn man im Bezirksliga-Team des Erlanger Turnvereins spielt. Denn das ist mit einem Altersdurchschnitt von unter 24 Jahren das jüngste der Staf­fel.

Auf Hannes Decher trifft beides zu. Er coacht in einem Dreier-Team die junge, neu zusammengestellte Mann­schaft aus dem Erlanger Westen. Zuvor war er bereits Spielertrainer in Weingarts, zwei Jahre hat er danach in der Landesliga in Vach gespielt und seine Trainer-Lizenz gemacht. „Es war dann Zufall, dass es so kam beim TV. Trainer Udo Sasse hat mich kon­taktiert, wir haben uns zusammenge­setzt und besprochen, ob wir die glei­che Vorstellung von Fußball haben.“ Anschließend musste Decher nicht lan­ge überlegen.

„Ich wollte wieder mehr ins Trainer­geschäft einsteigen. Doch solange, wie ich kann, will ich auch noch spielen.“ Jetzt ist er Teil eines Dreier-Teams: „Trainingsplanung, Spielplanung und Trainingssteuerung machen Udo Sas­se, Matthias Lorenczuk und ich zusam­men“, sagt Decher. „Es muss trotz­dem einen Chef geben, falls Unstim­migkeiten da sind, der das letzte Wort hat. Das ist Udo. So etwas gab es bis­her allerdings noch nicht. Bisher schwimmen wir da auf einer Welle.“ Zu Saisonbeginn ging es allerdings erst einmal stürmisch zu. Drei Nieder­lagen in Serie, bis zuletzt noch kein Heimsieg, insgesamt nur sechs Punkte aus sechs Spielen waren eine magere Ausbeute. Aus den vergangenen vier Partien aber holten die Erlanger drei Dreier - am Sonntag gegen SK Lauf sogar den ersten Sieg am Kosbacher Weg. „Langsam kommen wir rein“, sagt Decher. „Aber auch diesmal: Mit der ersten Halbzeit war ich nicht so zufrie­den, mit der zweiten war ich sehr zufrieden. Wenn wir es mal schaffen, es 90 Minuten auf den Platz zu krie­gen...“ Die Konstanz fehlt noch beim Turnverein.

Geholfen hat nun auch, dass viele verletzte Spieler wieder fit sind. „Jetzt haben wir von elf Spielern mal nur zwei austauschen müssen und nicht vier oder fünf“, sagt Decher. „Das Einspielen dauert dann ein­fach.“ Auch er selbst musste sich erst an sein neues Team gewöhnen - und an seine neue Rolle. „Es ist nicht ganz einfach. Ich bin während des Spiels mehr Spieler, versuche aber trotzdem, die Coaching-Anweisungen auf dem Platz weiterzugeben.“

Vier Spiele, vier Tore

Dass Decher einer der älteren Spie­ler ist, stört den 26-Jährigen nicht. „Es ist extrem wichtig, dass man ein paar alte und junge Spieler dabei hat. Wir haben eine gute Mischung. Es sind viele sehr gute, junge Spieler her­ausgekommen, die aber noch ein wenig Zeit brauchen, um im Senioren­bereich Fuß zu fassen. Ich habe selbst nach der Jugend zwei Jahre dafür gebraucht. Dafür sind die älteren Spie­ler jetzt auch da, die Kollegen an die Hand zu nehmen und durch die eige­nen Erfahrung voranzubringen.“ Alt fühlt er sich natürlich trotzdem nicht. „Ich spiele Fußball, seitdem ich drei Jahre alt bin. Deshalb ist man dann mit 26 auch schon alt. Das ist halt so. Für mich ist das kein Pro­blem.“ Und solange Hannes Decher so trifft wie zuletzt, wird es auch nieman­den stören. Viermal stand er im TVE-Dress auf dem Feld, viermal traf er.

Gegen Lauf wieder, wenige Minuten vor Schluss, zum 2:1. „Ich muss auch voran gehen. Dass ich in jedem Spiel getroffen habe, ist ein schöner Lauf“, sagt der Siegtorschütze. „Aber die Dinger mache ich nicht, wenn mir die der Dominic (Stöhr, d. Red.) nicht so auflegt und perfekt den Ball zuspielt. Oft muss ich dann nur noch einschie­ben. Alleine kann ich gar nichts machen.“ Reinhängen zumindest kann er sich immer, auch in der ersten Halbzeit, als er kurzzeitig mit einer blutenden Nase vom Feld musste. „Da habe ich einen Ellbogen auf die Nase bekom­men, aber das ist nichts Schlimme­res.“ Ärgerlicher war da schon das 0:1, ein direkter Freistoß von Enrico Cittadini. Nach dem Seitenwechsel aber glich Timo Goldammer rasch aus. „Die zweiten Halbzeiten sind gerade immer besser. Schön wäre, wenn wir das auch mal in der ersten Halbzeit hinkriegen können.“ In Euphorie verfallen wird deshalb trotz Heimsieg beim Turnverein nie­mand. „Wir haben neun Punkte aus sieben Spielen, das ist Mittelfeld“, sagt Decher. „Wir nehmen alles mit, was geht. Ganz nach oben gucken wir aber nicht.“ Noch nicht? „Gern tref­fen wir uns in fünf Wochen wieder, wir haben 15 Punkte mehr, dann kön­nen wir drüber reden.“ Das wäre Anfang Oktober. Auswärts bei Cagrispor Nürnberg. Der Termin steht.

Mehr zum Thema