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Philip Lang: "Ich hätte hier auch in der zweiten Mannschaft gespielt"

Der TSV Buch korrigiert sein Saisonziel, was auch an Stürmer Philip Lang liegt

Vor dieser Saison waren die Ambitio­nen des TSV Buch zumindest offiziell klein. 40 Punkte wollten sie erreichen, was sie schon vor der Winterpause übertroffen haben. Das Ziel lautet jetzt Platz zwei, vor allem für einen wäre das ein ungeahnter Höhepunkt seiner bisherigen Karriere.

"Im Elfmeterraum, da bin ich stark", sagt Buchs Philip Lang (weiß).

 / © Stefan Hippel

Anderen Spielern hätte man viel­leicht Absicht unterstellt. Aber wer sich ein bisschen mit Philip Lang unterhält, der ahnt schnell, dass er vie­les ist, aber kein unsportlicher Fußbal­ler. Das sah der Schiedsrichter am Sonntagnachmittag in Buch ein biss­chen anders – und gab dem kurz zuvor ausgewechselten Angreifer des TSV Buch die Gelbe Karte. Eigentlich woll­te er, dick eingepackt in eine Winter­jacke, ja nur den Ball stoppen, der ansonsten auf dem Acker hinter der neuen Tribüne gelandet wäre. Dort landet er dann trotzdem, weil Philip Lang nett sein will und den Ball versehentlich im hohen Bogen über das Dach kickt. Die Mitspieler lachen, Philip Lang huscht ebenfalls ein Lächeln über das Gesicht. Kurz darauf ist er um 20 Euro für die Mann­schaftskasse ärmer – sein TSV dafür aber um drei wichtige Punkte reicher. Gegen den Baiersdorfer SV tun sie sich in einem zerfahrenen Spiel sehr schwer, was vor allem an der harten, aber disziplinierten Verteidigung der Gäste liegt. Weil allerdings Udo Brehm nach 21 Minuten nach einer Ecke zur Führung trifft sowie Fabian Schreiner in der zweiten Hälfte auf einen Abpraller wartet und aus 20 Metern das 2:0 schießt (65.), dürfen sie in Buch ihren Traum von der Relegati­on zur Bayernliga weiterleben.

Den Favoriten etwas kitzeln

Sie haben sich lange davor gedrückt, diesen öffentlich auszuspre­chen, die Maßgabe von Trainer Tho­mas Adler waren solide 40 Punkte, um auch künftig in der Landesliga mit­spielen zu dürfen. Das dürfen sie viel­leicht in der kommenden Saison trotz­dem nicht, weil der Tabellenzweite die Chance bekommt, sich in Relegati­onsspielen für die Bayernliga zu quali­fizieren. Das Starensemble des ATSV Erlangen, das sagen alle in der Liga, wird wohl den Aufstieg klarmachen, aber dahinter lauert: der TSV Buch. „Brutal“ findet Thomas Adler, was sei­ne Mannschaft in dieser Saison bis­lang bietet, nachdem die vergangene Spielzeit ja schon als die beste der Ver­einshistorie in die Geschichtsbücher einging. „Man hofft natürlich immer, dass es noch mal so gut läuft“, sagt der Trainer, erwartet hat er es nicht. Nach 21 Spielen darf er sich bestä­tigt fühlen. Sie haben jetzt sogar ein paar Punkte mehr als vor einem Jahr, jetzt wollen sie den ATSV „immer wie­der kitzeln, denn ärgern kann man es bei neun Punkten Abstand noch nicht nennen“, findet Adler. „Aber die wis­sen, dass wir dranbleiben.“ In der Rückrunde, glaubt der Trai­ner, werden sie sogar noch ein biss­chen stärker sein, weil in Fabio Tech, Lukas Hofer, Daniel Uttinger und Yannick Scholz vier verletzte potenzi­elle Stammspieler zurückkehren. „Da haben wir einfach mehr Möglichkei­ten“, sagt Adler, „aber mehr als gewin­nen kann man auch nicht.“ Das weiß auch Philip Lang, der seit eineinhalb Jahren an der Bucher Erfolgsgeschich­te mitschreibt. Seine Vita ist eine ande­re als die vieler anderer in der Mann­schaft. Er wurde nicht in Nürnberg geboren, wohnt und arbeitet nicht im Knoblauchsland und kam erst im Som­mer 2016 zum TSV.

Bescheiden und bodenständig

Und das auf ungewöhnliche Weise. Lang hat viele Jahre in der Kreisliga für den SV Rednitzhembach zwischen 15 und 27 Toren pro Spielzeit geschos­sen und sich dann gedacht, dass er es doch auch mal weiter oben probieren könnte. Er wohnt seit ein paar Jahren in Nürnberg, die Pendelei in seine Schwabacher Heimat war ihm dann irgendwann zu viel. Also hat er Matthi­as Leibold, den Sportlichen Leiter des TSV, angerufen und gefragt, ob er mal mittrainieren dürfe. Er durfte. Und begeisterte. „Ich hätte hier auch in der zweiten Mannschaft gespielt“, sagt er. Doch sein Trainer baute auf ihn. Das weiß der 26 Jahre alte Angrei­fer zu schätzen, „Thomas hat mir die Chance gegeben, zu spielen“, sagt er. Das Vertrauen zahlt er seitdem regel­mäßig zurück: in Form von Toren. In seiner Premierensaison hat er 20-mal, getroffen, in dieser Spielzeit ist er mit zwölf Toren gemeinsam mit Udo Brehm der torgefährlichste Bucher. Von seinem erfahrenen Kollegen spricht Philip Lang in den höchsten Tönen. Nur an dessen Seite kann er auch selbst erfolgreich sein, glaubt er. „Udo ist ein unglaublicher Stürmer, von dem man sehr viel lernen kann was Laufwege oder die Abgezocktheit vorm Tor angeht“, sagt Lang. Und sei­ne vielen Tore, die hätte er auch nur erzielt, weil Christian Fleischmann so oft genau auf ihn geflankt habe. „Im Elfmeterraum, da bin ich halt stark“, sagt Lang. „Ich muss einfach nur rich­tig stehen, alles andere machen die Jungs.“ Philip Lang ist ein bescheidener, sehr bodenständiger Mensch, das merkt man schnell. Das sagt er auch selbst – und das sagen seine Mitspieler und sein Trainer. Er ist außerdem ein angenehmer Gesprächspartner, der sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Und der dem TSV wohl noch lange treu bleiben wird. „Ich glaube nicht, dass ich mich woanders so wohlfühlen würde“, sagt er. Selbst wenn die Kolle­gen mal kurz über einen lachen.

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