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Sven Riese: Der Boxdorfer Junge hat heimgefunden

Der Goalgetter des ASC Boxdorf im Portrait

Sven Riese ist ein Eigengewächs des ASC Boxdorf. Er war eines der Gesichter des Aufschwungs beim TSV Buch, spielte danach für den FSV Stadeln und ist vor der Saison zu seinem Heimatverein „genötigt“ worden. Der Familienvater will nun mit den Boxdorfer Jungs den Klassenerhalt bewerkstelligen.

Sven Riese (l.) ist seit dieser Saison zurück in Boxdorf und wurde sofort zum Leistungsträger.

 / © Matthias Janousch

Vor der Saison horchte man auf, denn der ASC Boxdorf konnte sich prominent verstärken. Kein Geringerer als Sven Riese schloss sich dem ASC an. Der Offensivmann, der in den vergangenen Jahren im höherklassigen Fußball aktiv war, sollte die aufgestiegene Eberlein-Elf verstärken. Und das tut er seitdem. Für Riese ist es eine Rückkehr in die Vergangenheit. In der F-Jugend führte sein Weg schon nach Boxdorf. In der C-Jugend versuchte er sein Glück beim 1. FC Nürnberg, doch glücklich wurde er dort nicht. Nach einem Jahr ging es weiter zum TSV Buch in die B-Jugend, wo er zusammen mit dem heutigen Kapitän der Bucher Jungs, Thomas Reichel, auch schon in der U19 eingesetzt wurde. Vorzeitig ging es auch in die Erste, wo der heute 29-Jährige im ersten Jahr vom damaligen Coach Andreas Awerkow als Backup ins kalte Wasser geworfen wurde. Allerdings wollte er so viel Spielzeit wie möglich, sodass er sich dazu entschloss in der zweiten Mannschaft unter Wolfgang Diehm zu spielen. Das sollte sich auszahlen. Kurz vor Saisonende fing man Concordia Fürth in einem Entscheidungsspiel noch ab und durfte in die Relegation. Nach einem 6:0 in Fischbach gegen den VfL Nürnberg II und einem 4:1 nach Verlängerung gegen Buchenbühl bei der DJK BFC vor 400 Zuschauern machten die kleinen Bucher Jungs den Aufstieg perfekt. Mit drei Treffern in den beiden Relegationsspielen hatte Riese entscheidenden Anteil beim Sprung in die Kreisklasse. Acht Jahre lang stand der Wirbelwind auch an der Seitenlinie in Buch. Als Jugendtrainer begleitete er den Jahrgang, der inzwischen die halbe Truppe der zweiten Mannschaft stellt. Auch in der Ersten der Bucher Jungs tummeln sich einige Akteure wie Christoph Ell oder Marco und Niko Müller, um einige Beispiele zu liefern.

Ein Aufstieg jagt den nächsten

Danach spielte sich Riese in der Ersten fest und feierte unter Roland „Landi“ Frey seine bislang größten Erfolge. Erst gelang der Aufstieg in die Bezirksoberliga und schließlich schaffte man gar den Einzug in die Landesliga, obwohl man damals als Absteiger Nummer eins gehandelt wurde. „Das war das i-Tüpfelchen. Es waren sehr schöne und erfolgreiche Zeiten damals“, blickt Riese sehr gerne an seine Bucher Zeit zurück. „Defensiv haben wir gute Leistungen gezeigt und in der Landesliga schnell Fuß gefasst.“ Nach der Frey-Ägide übernahm Ex-Profi Helmut „Alu“ Rahner am Wegfeld. Als „sehr lehrreich“ bezeichnet Riese die eineinhalb Jahre unter dem „Eisenfuß“. „Er ist ein Riesen-Trainer und ich habe sehr viel dazugelernt, vor allem taktisch und auch in Sachen Spielverständnis.“ Ex-Kapitän Jörg Litz war damals als Co-Trainer aktiv und kümmerte sich um das Offensivtrio, das neben Riese aus Udo Brehm und Oliver Ell bestand. Seinen Torriecher stellte er in dieser Saison zehn Mal unter Beweis. In Buch wollte man danach gleich den nächsten Schritt machen und holte einige Neuzugänge. Riese hätte es lieber gesehen, wenn man weiter auf die eigene Jugend gesetzt hätte. „Der TSV ist ja eigentlich ein Dorfverein und es gibt kein Geld. Es gab zwar Meinungsverschiedenheiten, aber ich habe nie ein böses Wort verloren.“ Letztendlich wollte er sich einer neuen Herausforderung stellen. Auf der Neunhofer Kärwa kam er mit Stadelns Teammanager, dem umtriebigen Robert Frank ins Gespräch, der ihn zum FSV lotsen konnte. Als er seinen Wechselwunsch an die Verantwortlichen herantrug, hieß es wenig später, dass er nicht mehr für den TSV Buch spielen dürfe. Auch vom Training wurde er suspendiert, denn es bestehe die Gefahr, dass er seine bisherigen Mitspieler verletzen könnte. „Das war absurd. Schließlich waren das alle meine Kumpels.“ So folgte der Wechsel im Winter durchaus mit Nebengeräuschen, nachtragend ist er aber nicht. „Damals war es aber schon traurig.“ Mit neuem Elan ging er schließlich am Kronacher Wald zu Werke. „Ich habe beim FSV schnell Fuß gefasst und bin gut aufgenommen worden“, blickt er hochzufrieden auf seine erste Saison unter Alexander Rambau im Stadelner Dress zurück.

Eine Verneigung vor Franz Ell und ein Liebesbeweis

Dort kickte er mit dem seiner Meinung nach besten Spieler, mit dem er zusammenspielen durfte. „Das war ganz klar Franz Ell. Es war mir eine Ehre“, verneigt er sich vor dem Strippenzieher des FSV. „In Buch gab es aber auch noch einige sehr gute Spieler wie Stefan Fleischmann, Christian Örtel, Udo Brehm, Thomas Reichel oder wie auch heute noch Ali Eberlein“, sprudelt es nur so aus ihm heraus und muss gebremst werden. Im zweiten Stadelner Jahr lief es sportlich nicht mehr ganz rund. „Das war ein ärgerlicher Abstieg. Gegen Buch gewinnen wir in Unterzahl (2:1 inklusive einem Riese-Tor, Anm.), aber gegen die direkten Konkurrenten haben wir uns die Butter vom Brot nehmen lassen. Da waren wir uns wahrscheinlich zu sicher“, geht er selbstkritisch mit dem Misserfolg um. Nach dem Abstieg wollte er nicht einfach weggehen und sah sich dem FSV gegenüber in der Bringschuld. Der Lohn wollte sich aber nicht einstellen. „Das war die härteste Zeit. Wir sind einfach nicht in die Gänge gekommen und konnten unsere Leistungsfähigkeit nicht abrufen.“ Am Ende stand nur der 11. Rang, obwohl der Truppe rein nominell auch der Wiederaufstieg zuzutrauen gewesen wäre. Seit 2014 ist der Fußballverrückte mit seiner Christine verheiratet und Sohn Philipp wird demnächst seinen ersten Geburtstag feiern. „Da ist es natürlich schwer alles unter einen Hut zu bringen.“ Als nicht selbstverständlich sieht er es, dass sie ihn in jeder Hinsicht unterstützt. Ob er nun nach der Arbeit zum Training geht oder am Wochenende viel Zeit für den Fußball opfert. „Sie hält mir immer den Rücken frei.“ Dankbarkeit hört man deutlich aus seinen Worten heraus. Seine Brötchen verdient der Familienvater im familieneigenen Unternehmen „Gemüsebau Scherzer“ – nicht zu verwechseln mit dem Hauptsponsor des TSV Buch, der sich „Scherzer Gemüse“ nennt. Beide Gemüseanbauer sind im Knoblauchsland aktiv, „aber nicht verwandt oder verschwägert.“

Zur Rückkehr nach Boxdorf "genötigt"

Erste Kontakte zurück nach Boxdorf gab es bereits direkt nach dem Stadelner Abstieg. Dass es letztlich vor der Saison mit dem Wechsel geklappt hat, war gleich mehreren Akteuren zu verdanken. „Der Ali hat Interesse gezeigt. Eigentlich hat er mich genervt oder besser genötigt“, erzählt mit einem lauten Lacher in der Stimme. Außerdem hat auch den Ausschlag gegeben, dass Oliver Ell bereits für den ASC spielte. „Er ist ein sehr guter Kumpel und ich unternehme auch privat sehr viel mit ihm.“ Ebenso gab ihm der Ex-Bucher und Ex-Boxdorfer Keeper Marco Zitzmann Zuspruch, sodass seine Entscheidung pro Boxdorf immer konkretere Formen annahm. Der Wechsel kam diesmal aber nicht auf einer Kärwa zustande, wie naheliegen könnte. „Nein, das war – eher ungewöhnlich für Boxdorf – per Telefon. Da hab ich mein Wort gegeben“, wieder untermalt von einem Grinsen. Inzwischen ist er kaum mehr wegzudenken. Nach der Schulterverletzung Eberleins, die ihn fast die komplette Vorrunde ausfallen ließ („Wir mussten erst lernen, dass es auch ohne ihn geht“) und einer darauffolgenden Negativserie hat sich der Aufsteiger inzwischen in der Kreisliga akklimatisiert, wenngleich noch Luft nach oben ist. Derzeit belegt die Eberlein-Truppe auch dank neun Riese-Toren sowie einigen Assists des Offensivmanns den Abstiegsrelegationsplatz. „Dass in der Mannschaft mehr Qualität steckt, hat man unter anderem beim 5:0 gegen Post gesehen, unserem wahrscheinlich besten Spiel in der Saison. Wir müssen uns nur ein Beispiel am SC Germania nehmen und über den Kampf und Willen zum Erfolg kommen. Insgesamt fühle ich mich sehr wohl hier – nur der Tabellenplatz könnte besser sein.“ Daran kann auch der passionierte Skifahrer und Eishockeyspieler noch etwas ändern, damit am Saisonende das große Ziel Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht wird.

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