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Atlético Erlangen: Mit der großen Bühne kommt die Nervosität

Mehr als nur ein neuer Fußballverein

Die Akteure von Atlético Erlangen haben erst vor einem Jahr zusammengefunden, trotzdem dürfen sie schon jetzt die ersten Erfolge feiern. Nur bei der Bezirksmeisterschaft in der Halle will dem besonderen Verein nicht viel gelingen.

Keine Verständigungsprobleme: Michael Hahn (Mitte) erreicht sein internationales Team auch ohne erweiterte Spanisch-Kenntnisse. 

 / © Jürgen Rauh/Zink

Drei Minuten vor Schluss erzielen sie dann doch noch ein Tor, aber ausgelassen jubeln will bei Atlético natürlich niemand mehr. Zu frustrierend war dieser Nachmit­tag in der großen Turnhalle des Nürn­berger Berufsbildungszentrums, die für die Fußballer aus Erlangen noch ein bisschen größer gewirkt haben muss. 0:1 verlieren sie ihr erstes Gruppenspiel um die Bezirksmeisterschaft gegen die Spielgemeinschaft aus Her­rieden, gleich mit 0:7 geht das zweite gegen den Titelverteidiger ATSV Er­langen verloren, beim 1:5 gegen den TSV 1860 Weißenburg gelingt ihnen lediglich der Ehrentreffer.

„Ich bin von unserem Auftritt ent­täuscht, ich weiß, dass wir mehr kön­nen“, sagt Michael Hahn, der Trainer. Eine Partie liegt zu diesem Zeitpunkt noch vor ihnen, aber Hahn ahnt da be­reits, dass der Nachmittag wohl nicht mehr viel besser wird. Vielleicht, über­legt er, haben sich seine Spieler von der zwar überschaubar gefüllt, aber eben doch sehr großen Bühne beein­drucken lassen, „sie waren gehemmt, hatten Angst, Fehler zu machen“.

Dabei hatten die Fußballer von At­lético Erlangen ja eigentlich nichts zu verlieren. Sehr überraschend qualifi­zierte sich die Mannschaft, die auf dem Feld nur in der B-Klasse spielt, für das Bezirksfinale – die Gegner an diesem Tag: ein Landesligist und zwei Bezirksligisten, die dem Außenseiter vor allem körperlich überlegen sind. „Sie sind die Härte nicht gewöhnt“, sagt Hahn, „absolutes Neuland“ sei das alles für seine Kicker, die den deut­schen Vereinsfußball ja gerade erst kennenlernen.

Mehr als nur ein neuer Fußballverein

Atlético Erlangen ist nicht einfach nur ein neuer Fußballverein, der Klub ist viel mehr als das, sagt Bernd Thie­le, der Vorstand und Gründungsvater. Vor eineinhalb Jahren kam ihm die Idee – „vielleicht bei einem Bier zu viel“ – eines internationalen Fußball­vereins. Thiele hat lange in Venezuela gelebt, vor allem aber hat er bei ande­ren Vereinen nicht die besten Erfah­rungen gemacht. Deshalb also nun: Atlético Erlangen. 

Vor einem Jahr haben sie sich ge­gründet, um Spielern eine Heimat zu sein, die auch neben dem Platz gerade eine neue Heimat suchen. Aus 15 verschiedenen Ländern stammen die Fußballer von Atlético, viele kommen aus Lateinamerika, inzwi­schen haben sich aber auch Spanier, Italiener, Syrer und Deutsche ange­schlossen. Beschränkun­gen gibt es keine, umge­kehrt wollen die Verant­wortlichen mehr bieten als nur die Möglichkeit in Dechsendorf zu trai­nieren und am Spielbe­trieb teilzunehmen.

„Wir wollen uns inten­siver um die Spieler küm­mern“, sagt Thiele. Abso­lutes Neuland – das gilt für viele im Team, das überwiegend aus Studen­ten besteht, ja in allen möglichen Lebensberei­chen, weil sie nicht nur Vereinsfußball, sondern ein ganzes Land, eine an­dere Kultur neu kennen­lernen. Also helfen Thie­le und seine Mitstreiter bei der Wohnungssuche, beim Beantragen von Visa und leisten ganz praktische Integrations­hilfe.

Mit dem Restaurant „Tacos“ haben sie nicht nur einen Sponsoren, sondern auch eine Anlauf­stelle, inzwischen haben sie aber auch Menschen gewinnen können, die weder Spanisch sprechen, noch mit mexikanischem Essen groß geworden sind. Menschen wie Michael Hahn, der viele Jahre beim Hammerbacher SV gespielt und trainiert hat. Wäh­rend der Spiele gibt er zwar einige Kommandos auf Spanisch, die Spra­che im Training und in der Kabine ist aber Deutsch. Es geht ja um Integrati­on und dazu gehört als allererstes die Landessprache. Bislang scheint die Verständigung sehr gut zu funktionieren, auch wenn davon beim Bezirksfinale wenig zu sehen ist. Auf dem Feld stehen sie nach der Hinrunde auf Platz 1, nun wollen sie auch gerne aufsteigen, wobei das nicht das wichtigste Ziel ist, wie Bernd Thiele betont. Sie wol­len ja ein etwas anderer Verein sein.

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