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Berkan "Beko" Caglar: Nagelsmanns Mitspieler und Tuchels Schützling

Der Leader und Kapitän von Türkspor im Portrait

Mit Julian Nagelsmann in der Mannschaft, Thomas Tuchel als Trainer oder Toni Kroos und Thomas Müller als Gegenspieler: nicht viele können von solchen Fakten sprechen, wenn es die eigene Person betrifft. Berkan Caglar kann es. Wer ihm außerdem den Wechsel zur SpVgg Greuther Fürth und zu Dergahspor verbot und warum er fast seinen Namen hätte ändern müssen, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Berkan Caglar (am Ball, hier gegen Brucks Kapitän Bastian Lunz) ist knapp an einer Profikarriere vorbeigeschrammt.

 / © Sportfoto Zink

"Ich habe außer mit meiner Frau noch nie so lange telefoniert und dabei so viel über mich gesprochen", so die letzten Worte von Berkan Caglar nach einem über zweistündigen, aufschlussreichen Telefonat, das nun zu Papier gebracht werden will. 1993 ging die Fußballlaufbahn Caglars los: Bei den Bambinos des SC Viktoria. Dort blieb er vier Jahre, ehe die Familie nach Fürth umzog. Nach einem Probetraining bei der SG Quelle Fürth schloss er sich dem Verein in der D-Jugend an. Bei einem Turnier in Österreich wurde der Mittelfeldspieler zum besten Spieler des Turniers gewählt und kurz darauf flatterten zwei Angebote auf den Tisch: von der SpVgg Greuther Fürth und vom 1. FC Nürnberg. Caglar sympathisierte mit den Fürthern und entschied sich deswegen auch zu einem Wechsel dorthin. Doch sein Vater Mahir hatte andere Pläne mit seinem Sohn. "Mein Vater ist Clubfan und deswegen hat er mich zu einem Wechsel zum Club – ja – gezwungen!" Der kleine Berkan aber wollte partout nicht dorthin, ihm blieb jedoch nichts anderes übrig. Einige Tränen mussten zu Beginn verdrückt werden. "Im Nachhinein war es aber die richtige Entscheidung", kann er heute sagen.

Seine Zeit beim Club war nämlich durchaus erfolgreich. In der C-Jugend bekam er bereits einen 2+2-Jahresvertrag, was damals nicht alltäglich war. Als jüngerer Jahrgang durfte er stets bei den Älteren spielen. In der U17 hieß sein Trainer Rainer Zietsch und in der U19 spielte er unter Florian Hinterberger, dem Helmut "Alu" Rahner assistierte. Bekanntester Mitspieler von damals ist heute Enrico Valentini, der die rechte Außenbahn beim Club seit dieser Saison erfrischend offensiver auslegt. Zusammen mit Anton Makarenko spielte er unter anderem mit den Bender-Brüdern Sven und Lars, dem Arminen Tom Schütz und dem Neu-Löwen Michael Görlitz sowie dem heutigen Hertha-Keeper Sven Kraft in der Bayernauswahl. Außerdem trat er gegen einen gewissen Toni Kroos oder Thomas Müller in der A-Jugend-Bundesliga an. Als es dann aber darauf ankam, lieferte Caglar keine gute Leistung ab. "René Müller wurde neuer Trainer der Amateure und hat nicht auf mich gesetzt. Außerdem waren wir mit der U19 abgestiegen", zeigt er sich noch heute zerknirscht.

Thomas Tuchel ruft, Berkan Caglar kommt

So folgte nach der Jugendzeit der Wechsel nach Augsburg. Bereits in der B-Jugend erkannte Thomas Tuchel das Talent Caglars bei einem Spiel gegen den von Tuchel trainierten VfB Stuttgart. Außerdem spielte Makarenko bereits dort. In der Innenverteidigung stand ein gewisser Julian Nagelsmann, heute Trainer der TSG Hoffenheim und als Shootingstar geltend, seinen Mann. "Nach zwei Monaten war aber Schluss. Er hatte große Probleme mit Knie und Rücken und musste früh seine Karriere beenden." In dieser Zeit wohnte Caglar mit dem heutigen Unterhachinger Torjäger Stephan Hain zeitweise zusammen. Da Thomas Tuchel das Spiel gegen Schwaben Augsburg mit der Videokamera aufnehmen wollte, übergab er den Staffelstab an Nagelsmann, damals vielleicht 21 Jahre alt. "Er hat mich da zum Innenverteidiger gemacht." Offensichtlich füllte Caglar die Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit Tuchels aus, sodass er in der Rückrunde komplett als Innenverteidiger auflief. "Damals habe ich nicht damit gerechnet, dass Julian so früh Profitrainer wird." Nagelsmann selbst bestimmt auch nicht. Nach einer guten Vorrunde und einer noch besseren Rückrunde wollte Tuchel entweder zum Trainer der Ersten aufsteigen oder zum FC Ingolstadt wechseln.

"Er ist ein brutal guter Trainer. Ich habe ihn geliebt, auch als Mensch", schwärmt Caglar noch heute vom späteren Bundesligacoach des FSV Mainz 05 und von Borussia Dortmund, der aktuell ohne Anstellung ist. "Er hat gesagt: Egal wohin ich gehe, ich nehme dich mit." Es sollte aber anders kommen. Ingolstadt sagte Tuchel ab und Augsburg wollte ihn nicht zum Trainer der Ersten machen. Wie sich die Zeiten doch ändern können. Es musste also ein Plan B her. Über einen Spielerberater landete Caglar in der Türkei bei Bucaspor. Damals ein aufstrebender Verein in der Zweiten Liga. "Das war die schlechteste Entscheidung meines Lebens."

Der Youngster konnte sich nicht durchsetzen und brach das Kapitel nach zwei Monaten wieder ab. Zurück in Deutschland nahm Janos Radoki Kontakt auf. Der ehemalige Fürther coachte damals den TSV Rain/Lech und brauchte nicht lange, um Caglar einen Wechsel schmackhaft zu machen. "Er war für mich eine Legende." Allerdings stand auch diese Liaison unter keinem guten Stern. Radoki wurde zwei Wochen später entlassen. "In vier Monaten hatte ich sieben Trainer. Der Wechsel war eine noch schlechtere Entscheidung." Sogar der Kicker berichtete damals über die "kurioseste Mannschaft Deutschlands". "Ich habe mich nicht wohlgefühlt und wollte ein geregeltes Leben." Somit machte er vorerst Schluss mit dem Fußball. Mit Kumpels kickte er aber noch ab und an. In der Laola-Halle in Eltersdorf traf er auf Thomas Ziemer, der ihn für den FC Hersbruck gewinnen wollte und auch konnte.

"Dergahspor? Nur über meine Leiche"

Einige Jahre später kam Dergahspor auf den Antreiber zu und wollte ihn verpflichten. Caglar war angetan von der Idee, sein Vater aber überhaupt nicht. Dazu muss man wissen, dass Mahir Caglar ein Gründungsmitglied des Türkischen FK ist, dem ärgsten Widersacher Dergahspors in der damaligen Zeit. "Er hat kein Wort mehr mit mir geredet. Irgendwann sagte er mir, dass ich zu Dergah kann, wenn ich meinen Namen gewechselt habe." Turgay und Hasan Karali suchten ebenso das Gespräch wie Dergahs Manager Cesur Colak und wollten den Vater überzeugen. Ergebnis: "Nur über meine Leiche." Die Fronten waren – vorsichtig formuliert – verhärtet. Doch eines Tages lenkte der Vater mit den Worten ein: "Wenn du es bereust, dann komm bloß nicht zu mir!" Was für den Vater der Türkische FK war, ist für Berkan Caglar heute Dergahspor. "Es ist mein Verein. Hier hatte ich die beste Zeit meines Lebens. Zumindest bis eine bestimmte Person kam." Näher möchte er auf dieses Thema nicht eingehen. Der größte Erfolg war zweifelsohne die Relegation zur Bayernliga gegen den FC Amberg um Coach Alberto Mendez vor 3000 Zuschauern. "Wir haben es nicht schlecht gemacht, aber Amberg hatte einfach eine Regionalligatruppe."

Vor der vergangenen Saison wollte es sich der gelernte Industriemechaniker noch einmal beweisen und Achim Kokott holte ihn nach Kornburg. "Das war nicht einfach nach sechs Jahren für Dergah, wo ich am Ende ja auch Kapitän war." Nachdem sein Wechsel bekanntgeworden war, zerstreute sich die Mannschaft in alle Winde. Am Ende stieg Kornburg in die Bayernliga auf und Dergah in die Bezirksliga ab. "In Kornburg habe ich mich richtig wohlgefühlt und beispielsweise mit Mario Feulner, Oliver Skuza und Artur Dutt viele neue Freunde gewonnen. Dann kam der Bruch mit Coach Heidenreich, ich habe die Saison aber durchgezogen."

Obwohl Dergah abgestiegen war und schließlich in Türkspor umgetauft wurde, gab der Logistiker bei MAN seine Zusage für einen Wechsel zurück. "Die Wurzeln sind noch da, auch wenn alles anders ist. Der Verein hat zum richtigen Zeitpunkt alles verändert." Der Titel bei der Bayerischen Hallenmeisterschaft im Futsal war der erste Prestigeerfolg für den umbenannten Verein, zu dem Caglar einen gehörigen Teil beisteuerte. Doch nicht nur der Fußball spielt eine Hauptrolle im Leben des 30-Jährigen. Auch in Sachen Basketball steht er gerne mal früher auf oder bleibt länger wach, um sich ein NBA-Spiel oder eine Partie in der Euroleague anzuschauen. Zuletzt flog er sogar in die Türkei, um sich die Länderspiele gegen Belgien und Serbien vor Ort zu Gemüte zu führen. In naher Zukunft will Caglar, der mit seiner Elcin seit 2015 (ein Blick auf die Gravur des Eherings offenbarte typisch männliche Schwächen) glücklich verheiratet ist, die Trainerlaufbahn anstreben. Einen exakten Zeitplan hat er sich noch nicht gemacht, aber vielleicht wird aus ihm ja auch mal ein Tuchel oder ein Nagelsmann.

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