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Halilic: "Das alles zu verlassen, wird mir natürlich schwerfallen"

Der 46-Jährige kehrt BaKi zu Saisonende den Rücken

Nicht mehr so wie jedes Jahr: Jasmin Halilic, langjähriger Trainer des FC Bayern Kickers, ist auf Abschiedstour. Nach einer Pause vom Fußball sieht es für den 46-Jährigen aber nicht aus.

Jasmin Halilic: Nach elf Jahren ist er mit Bayern Kickers auf Abschiedstour.

 / © Zink

Etwas abseits sitzt Jasmin Halilic, aber dennoch mittendrin in der Duftmelange aus Essiggurken und Würstchen, die wie jedes Jahr durchs Foyer weht. Wie jedes Jahr ist Halilic hier wegen der Hallenrunde, die am Berliner Platz stattfindet, wie jedes Jahr hat nebenan das Team um den engagierten Grünen-Stadtrat und BaKi-Vorstand Achim Mletzko den Verkaufsstand eingerichtet.

Wie jedes Jahr. Das galt eigentlich immer auch für Jasmin Halilic und den FC Bayern Kickers. "Ich bin an einem Punkt, wo ich das Gefühl habe, auch mal etwas anderes machen zu können", sagt er jetzt. "Mir fehlen mittlerweile einfach die ein bis zwei Prozent." Das alleine aber reicht für ihn nicht, nach zehn Jahren den Schlussstrich zu ziehen. Den Verein ("er hat eine gewisse Art und Weise an sich, die mitgetragen werden muss" - O-Ton Halilic) trainieren - das könne beileibe nicht jeder Trainer. Weil im Sommer aber Saim Kök, ehemals Halilic' "Co" und Trainer der 2. Mannschaft, bereitsteht, weiß Halilic sein Erbe in guten Händen: "Es passt für die Mannschaft, es passt für mich." Dann soll es so sein.

"Wo gehst du hin, wenn du neu in die Stadt kommst?"

Halilic ist ein eher reservierter Gesprächspartner, das liegt sicher auch daran, dass er in seiner Trainerkarriere schon viele Fragen gehört und beantwortet hat, dass er den Floskeln und Oberflächlichkeiten misstraut, die seinem Gegenüber so über die Lippen gehen. Zwei Spielzeiten nur ist es her, da stand der FC Bayern Kickers einmal mehr kurz vor der Relegation zur Landesliga. Es war die zweite starke Spielzeit in Folge, seine Elf landete erneut auf Rang vier in der Endabrechnung, der Trainer aber wurde nicht müde zu betonen, dass die Bezirksliga der richtige Ort für BaKi sei, dass es zunächst immer darum gehe, 40 Punkte zu sammeln. Seine Beteuerungen damals wirkten auf manche wie Understatement. Es folgten Rang acht zuletzt, dazu ein paar Abgänge im Sommer, ein kleiner Umbruch - in dieser Saison findet sich der FC Bayern Kickers erstmals wieder in den unteren Bereichen der Tabelle wieder. "Diese Liga ist stark, es ist für uns immer harte Arbeit, dieses Top-Niveau zu erreichen". Diesen Satz sagt er heute, diesen Satz sagte er vor zwei Jahren.

Im Jahr 2007 übernahm er die Mannschaft, führte sie über die Kreisliga in die Bezirksliga, etablierte sie dort - einen kleinen Verein am Rande des Marienberg-Parks, mit einem Rasenplatz und einem in die Jahre gekommenen Kabinentrakt. "Schau dich um in Nürnberg, wo gehst du jetzt hin, wenn du neu in die Stadt kommst?", fragt er jetzt und liefert die Antwort gleich mit. BaKi sei eine der besten Nummern für Auswärtige, ein Bezirksligist, gut gelegen im Einzugsgebiet, das ziehe viele ambitionierte Studenten an. Dennoch sei es nie damit getan gewesen, abzuwarten und sich auf Anrufe zu verlassen. Auch habe nicht jeder fähige Spieler ins Teamgefüge gepasst.

Einer der gepasst hatte, ein Rückkehrer, war Juri Judt, der Ex-Profi hat seinen Heimatverein bekanntlich im Winter verlassen: "Juri wäre im Sommer sowieso gegangen, es war klar, dass er als Trainer arbeiten möchte. Er wird uns natürlich sportlich fehlen", sagt Halilic. Dennoch: "Unsere Ziele müssen erreicht werden. Bezirksliga und Kreisklasse müssen gehalten werden. Ich will klare Strukturen hinterlassen." Sicher ist bereits, dass er seinem Nachfolger nach elf Jahren die Vorzüge eines sichtbar aufgefrischten Vereins übergibt: Platz, Sportheim, Kabinentrakt wurden erneuert, es gibt jetzt eine weitere Sauna im Knoblauchsland. 

"Ich muss das Gefühl haben, dass es passt"

Aber wie und wo geht es mit Jasmin Halilic selbst weiter? Fußballmüde wirkt der 46-Jährige nicht. Mittlerweile hätten auch schon ein paar Vereine angerufen, "aber ich muss das Gefühl haben, dass es passt." Dass die Strukturen stimmen, die verantwortlichen Akteure, deren formulierter Anspruch, die vorherrschende Wirklichkeit. "Ich kann aus Ackergäulen keine Rennpferde machen." Ob es mit einem der Angebote schon konkreter wurde, will er nicht sagen. 

Die Ligenzugehörigkeit eines neuen Vereins sei für ihn aus genannten Gründen erstmal zweitrangig, wobei er sich auch Landes- und Bayernliga durchaus zutrauen würde. Man hat nur den Eindruck, dass Halilic noch etwas hadert mit der Frage, ob er sich Landes- oder Bayernliga überhaupt antun möchte. Denn Vereine wie BaKi, wo er einen grenzenlosen Rückhalt spürt, wo er unaufgeregt und ohne großen Druck seiner Arbeit nachgehen kann, werden in diesen Gefilden selten. "Wenn nichts kommt, kann ich mir auch vorstellen, ein halbes Jahr oder ein Jahr nichts zu machen." Halilic hat zwei Söhne, die ebenfalls spielen. "Oder ich trainiere in der Jugend", sagt er.

Bis dahin aber ist noch eine Restrunde zu absolvieren, ein paarmal wird er noch am Feld an der Neusorgstraße stehen, er wird Kalchreuth, Schwaig und Hersbruck Besuche abstatten. "Es ist wie eine kleine Ehrenrunde", sagt er und sieht sich um, sieht auf die Damen und Herren, die Brötchen schmieren, Kaffee verkaufen, so wie jedes Jahr. "Das alles zu verlassen, wird mir natürlich schwerfallen". Die Verbindung zu BaKi aber, sagt er, werde bleiben. "Auf jeden Fall." 

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